Wir kamen gegen Abend in Punta Arenas an. Vorher hatten wir uns natürlich mal wieder an der Grenze herumärgern müssen. Chile ist echt streng bei der Einreise, es dürfen zum Beispiel überhaupt keine tierischen Produkte, Früchte oder Gemüse eingeführt werden. Das hatten wir natürlich schon wieder vergessen und so musste unsere schöne Paprika dran glauben. Die Lebensmittelverschwendung an der Grenze ist wirklich enorm, was da alles im Müll landen mus…Sehr schade.
Punta Arenas ist unsere erste chilenische Stadt. Ursprünglich wollten wir die meiste Zeit unserer Reise in Chile verbringen, allerdings änderten wir unseren Plan wegen der laufenden Unruhen im Land. Doch die Pinguine zogen uns dann doch ins Land. Gleich auf dem Weg zum Hostel sahen wir die erste Demo. Nichts gefährliches, nur etwa fünfzehn Jugendliche in unserem Alter, die ein Banner hochhielten und trommelten. Viel eindrücklicher war die Innenstadt. Alle Fenster waren verrammelt mit Metallgittern und Holz. Überall waren Graffiti. Die Läden sahen so aus, als wären sie geschlossen und man konnte selbst den Supermarkt nur durch eine kleine Tür betreten. Krass.

Am nächsten Tag mussten wir uns erstmal eine neue SIM-Karte für Chile holen. Anschließend fuhren wir zu einem kleinen Reservat oberhalb der Stadt. Komischerweise hatten die Einheimischen davon noch nie was gehört und auch unter Touristen schien es eher ein Geheimtipp zu sein. Gut für uns, denn so konnten wir in aller Ruhe wandern und trafen nur ab und an Leute. Am Eingang gab man uns einen Plan und unsere Zeit bis zum letzten Bus des Tages reichte gerade für die größte Runde (etwa 10 Kilometer). Über patagonische Blumenwiesen und durch noch mehr Märchenwald marschierten wir los und genossen die Ruhe, die frische Luft und die fantastischen Blicke.



















Nach etwa einem Drittel des Weges begann meine rechte Wade wehzutun, nach einem weiteren Drittel des Weges konnte ich gar nicht mehr auftreten. Schöner Mist. Aber es half alles nichts, ich musste schließlich irgendwie wieder zurück kommen. Glücklicherweise waren wir anfangs wesentlich schneller vorangekommen als geplant, sodass wir jetzt reichlich Zeit hatten und ich immerhin ohne Zeitdruck zurück humpeln konnte.
Im Hostel legte och mich sofort hin, jeder Schritt war zu einer Herausforderung geworden. Und wir hatten keine Ahnung, was das sein könnte…
Am nächsten Tag stand unsere Pinguintour an, die wir auch leider nicht mehr verschieben konnten. Die Pinguine leben auf einer Insel in der Magellanstraße, auf der man einen etwa einen Kilometer langen Rundweg laufen kann. Aus purem Trotz entschied ich mich, zur Tour mitzukommen, ich wollte meine Pinguine haben!
Am nächsten Tag war mein nur ein wenig besser geworden. Zum Glück war es nur ein kurzer Weg zum Treffpunkt. Von dort fuhren wir mit einem Bus zu unserem Boot. Im Boot wurde uns ein wenig über die Pinguine und die Magellanstraße erzählt und dann waren wir auch schon da. Direkt am Steg schienen die Pinguine praktisch schon auf uns zu warten. In kleinen Grüppchen liefen sie umher, dösten bei ihren Nestern oder putzten sich. Die Jungen waren gerade im Federwechsel und wurden von plüschig braun zu dem typischen schwarz-weiß der Magellanpinguine. Der Weg war etwa anderthalb Meter breit und nur mit Schnüren abgesperrt. So konnten wir nicht aus Versehen in die Nester laufen, die Pinguine aber weiterhin unbeschwert die ganze Insel nutzen. Immer wieder mussten wir warten und Pinguine vor uns den Weg überqueren lassen. Diese schienen gar keine Angst vor uns zu haben und kamen bis auf einen Meter an uns heran. Mein Bein machte glücklicherweise soweit mit, dass ich mich auf die Pinguine konzentrieren konnte und die Zeit genießen konnte. Viel zu schnell war die Stunde, die wir auf der Insel bleiben durften, wieder vorbei. Aber ich habe so viele Eindrücke gesammelt. Pinguine sind soo knuffig!






















(Ich kann hier leider keine Videos einfügen, bei Interesse an watschelnden Pinguinen bitte einfach melden!)
Zurück im Boot konnten wir uns erstmal mit Keksen, Kaffee, Kakao etc. stärken. Der eisige Wind auf der Insel hatte uns alle ganz schön ausgekühlt.
Im Anschluss fuhren wir noch zu einer benachbarten Insel. Dort konnten wir nicht aussteigen, sondern fuhren am Ufer vorbei. Vom Boot aus bestaunten wir die Seelöwen, die sind am Wasser tummelten. Die Männchen sind riesig und sehr bullig und damit leicht von den vielen Weibchen zu unterscheiden. Auch ein paar Jungtiere waren zu sehen.




Anschließend fuhren wir wieder zurück. Den restlichen Tag verbrachte ich wieder damit, mein Bein zu schonen.
Am nächsten Tag fuhren wir ins Krankenhaus. Mein Bein war nicht wesentlich besser geworden und wir wollten lieber das Risiko einer Thrombose (die sechzig Stunden Busfahrt waren schließlich noch keine Woche her) ausschließen. Glücklicherweise hatte sich nur mein Wadenmuskel verkrampft und entzündet. Ich bekam ein entzündungshemmendes Schmerzmittel per Tropf und für die nächsten Tage verschrieben und durfte wieder gehen. Glück gehabt! Sogar weitere Wanderungen durfte ich nach zwei weiteren Schontagen wieder machen. Das freute uns ganz besonders, denn als nächstes wollten wir nach Puerto Natales fahren, um von dort aus die wohl berühmteste Wanderung in Patagonien zu machen: das W. Aber dazu im nächsten Beitrag mehr. Ich kann euch nur so viel verraten: es war atemberaubend und einmalig und wunderschön.

Ich hab noch einen kleinen Bonus für euch: um ein bisschen gegen die Langeweile anzuarbeiten, schreibe ich gerade ganz fleißig und habe auch die Beiträge über unsere zweite Zeit in Barcelona und Paris (Oktober, mit Denise) fertig. Viel Spaß beim Lesen! (Wenn die Links nicht funktionieren: ihr findet die Beiträge auch im Menü unter BEITRÄGE chronologisch im Herbst einsortiert.)








