Da wir in Andalusien erst mittags aufgebrochen sind (damit ich vorher noch meinen großen Wunsch erfüllen und ausreiten konnte), sind wir in Barcelona erst nach Mitternacht eingetroffen. Aber wir sind wieder zurück zur gleichen Familie und für die war das kein Problem, die waren eh noch wach.
(Als kleine Erinnerung: wir reden hier vom Dienstag, den 15. Oktober. Nur weil’s schon so lange her ist. 😉)
Am Rande haben wir auch schon vor unserer Abfahrt aus Andalusien von den Unruhen in Barcelona gehört gehabt. Aber eben nur am Rande, wir waren ja auch gut beschäftigt.
Am Hauptbahnhof viel uns der erste Unterschied zu vorher auf. Es waren wesentlich mehr schwer bewaffnete Sicherheitskräfte vor Ort, die alle Ankommenden zügig aus dem Bahnhof geleiteten, stehen bleiben war nicht erwünscht. Auch vor dem Bahnhof war viel Polizei.
Ansonsten wirkte die Stadt friedlich, es war eine warme Sommernacht und wir waren gut gelaunt. Nach etwa zehn Minuten Fußmarsch erreichten wir die Bushaltestelle, an der der Nachtbus wenige Minuten später fahren sollte. Dieser stand auch schon wartend da und so konnten wir direkt einsteigen.
Eine kleine Anekdote: außer uns und dem Busfahrer war niemand mehr im Bus. Es war schließlich auch schon halb eins. Plötzlich stand dann der Fahrer neben uns und erklärte (zum Glück auf englisch), er müsste noch kurz auf Toilette, wäre aber gleich wieder da, nur dass wir uns nicht wundern. Und schon war er weg und wir nun wirklich ganz alleine im Bus. Wir wurden anscheinend als vertrauenswürdig genug erklärt, um auf den Bus aufzupassen. Gut, die Schlüssel hatte der Fahrer mitgenommen und damit die Tür manuell von außen geschlossen, aber trotzdem. Wir fanden es sehr cool. 😇😂
Mit der Gastmutter handelten wir aus, von unseren drei Tagen Aufenthalt einen freien Tag zu haben und dafür an den beiden anderen Tagen ein wenig mehr zu arbeiten.
Wegen der Unruhen in der Stadt sind wir direkt am nächsten Tag (Mittwoch) los. Das Ziel des Ausflugs: ein kleines, berühmtes Kloster in den Bergen. Vom Bahnhof würden wir noch etwa zwei Stunden laufen müssen, um den Ort zu erreichen, da uns die Seilbahn viel zu teuer war. Da wir nicht planten, noch viel weiteres Geld an dem Tag auszugeben, namen wir nur ein wenig Bargeld und unsere Interrailtickets mit. Keine Kreditkarten. Ein Fehler, den wir schon bald bereuen sollten.
Denn am Bahnhof in Barcelona stellte sich heraus, dass wir, anders als online zu lesen, den entsprechenden Zug gar nicht mit Interrail benutzen konnten. Und für die Tickets reichte unser Bargeld nicht.
Ziemlich frustriert saßen wir nach dieser Erkenntnis am Bahnhof. Sollte unser letzter freier Reisetag wirklich so verlaufen?
Nein!! Zum Glück fanden wir schnell ein neues Ausflugsziel, die kleine Stadt Tarragona, etwa eine Stunde südlich von Barcelona mit dem Zug. Perfekt! Nachdem uns unsere Gastmutter bestätigt hatte, dass die Stadt nicht zu den besonders unruhigen Städten der Umgebung gehörte, ging es los.
Und Tarragona stellte sich als echten Glückstreffer heraus, denn die Stadt ist echt schön! Direkt am Meer gelegen, mit schönen Aussichtspunkten, einer netten Innenstadt und einem alten Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert.

Fahrt nach Tarragona entlang des Meers 



Eine Zeit lang schlenderten wir durch die Gegend und genossen die schöne Aussicht. Natürlich stand auch wieder unsere obligatorische Eispackung an! (Leider war das Eis schon total matschig und wir trauten uns nicht, es komplett zu essen… )
Außerdem bummelten wir durch ein paar Läden und fanden jeder auch ein paar echt schöne Oberteile. Ohne Geld konnten wir natürlich nichts kaufen, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß. Ganz besonders gegen Ende, denn nachdem wir eine Weile ernsthaft Klamotten anprobiert hatten, überlegten wir uns etwas Neues und suchten uns stattdessen die eher ausgefallenen Teile aus. Das Ziel, für den anderen ein möglichst hässliches Outfit zusammenzustellen. Eine Aktivität, die ich von Herzen empfehlen kann! Man braucht dafür: mindestens einen Freund oder eine Freundin, überflüssige Zeit und einen Klamottenladen (idealerweise mit etwas ausgefalleneren Artikeln, aber trotzdem großer Auswahl), kein Geld.
Unser Ergebnis war fantastisch und wir hatten so viel Spaß in den Umkleiden!!
Anschließend war es schon wieder Zeit für den Heimweg. Trotz der Schwierigkeiten am Anfang war es ein wirklich toller Tag.

Für den Freitag waren in Barcelona große Proteste angekündigt worden und unsere Gastmutter empfahl uns, an diesem Tag in der Wohnung zu bleiben. Also blieb uns nur noch der Donnerstag für alle Aktivitäten übrig. Zum Glück hatten wir eh nicht mehr viel vor, denn wir mussten schließlich erstmal arbeiten. Nur die berühmten Fontänen am Montju i c wollten wir uns noch angucken. Wir hatten Glück, denn das Schauspiel findet nicht jeden Tag statt, an dem Donnerstag aber schon. Also nichts wie hin.
Wir setzten uns auf die Stufen oberhalb des Wasserbeckens und dann ging es schon los. (Wesentlich früher, als online angekündigt, weshalb es vermutlich auch nicht ganz so schlimm überfüllt war. Ziemlich voll war es aber trotzdem.) Zu Musik schossen diverse Wasserfontänen in die Höhe. Das musikalische Spektrum reichte dabei übrigens von Mozart über Elvis bis hin zu den aktuellen Sommerhits aus dem Radio.

Ankunft 
Es geht los 











Letzter Blick zurück
Ein fantastischer Abschluss einer fantastischen Reise! Denn obwohl wir noch ein paar Tage übrig hatten, war das tatsächlich unser letzter Abend. (Am nächsten Tag herrschte schließlich eine Ausnahmesituation und danach würden wir schon in Paris sein. Dort würden wir uns mit Freunden treffen und nicht mehr nur noch zu zweit sein.) Die Krönung war, dass wir auf dem Rückweg noch bei einem Straßenverkäufer zwei Paar schöne Ohrringe fanden. Fast identische, aus einem kleinen goldenen Herz, nur der Stein in der Mitte unterschied sich: bei Denise war der Stein lila und bei mir grün. Ziemlich glücklich machten wir uns auf den Heimweg.
Unser letzter Arbeitstag war vor allem lang. Während wir in Andalusien waren, war bei unserer Gastfamilie in der von uns liebevoll geputzten Küche renoviert worden, sodass wir gefühlt alles noch einmal machen konnten. Aber auch diese Stunden gingen vorbei und am Ende war es ein komisches Gefühl, die Lappen zu verstauen. Eine Ära endete für uns…

Unser letzter Arbeitstag war vor allem lang. Während wir in Andalusien waren, war bei unserer Gastfamilie in der von uns liebevoll geputzten Küche renoviert worden, sodass wir gefühlt alles noch einmal machen konnten. Aber auch diese Stunden gingen vorbei und am Ende war es ein komisches Gefühl, die Lappen zu verstauen. Eine Ära endete für uns…
Ein paar Worte zu den Protesten: in Katalonien ist schon seit längerem eine Unabhängigkeitsbewegung aktiv. In der Schule haben wir gelernt, dass Katalonien eins der wirtschaftlich stärksten Gebiete Spaniens ist und sich auch kulturell in manchen Punkten (z.B. einer eigenen Sprache) vom Rest von Spanien abgrenzt. Seit längerem möchten einige Leute aus Katalonien deshalb eine Unabhängigkeit von Spanien. Dies ist aber nicht ohne die Zustimmung der spanischen Regierung möglich und diese verbietet die Unabhängigkeit, was für viel Unzufriedenheit bei betreffenden Leuten sorgt. Während wir uns in der Schule aber eher auf die Gründe für eine Abspaltung konzentrierten, lernte ich während unserer Zeit in Barcelona auch die andere Seite kennen. Unsere Gastfamilie war pro Spanien und gegen eine Abgrenzung eingestellt. Zu einem ihrer Hauptgründe gehörte dabei z.B. der Verlust der EU-Zugehörigkeit. Außerdem waren viele Menschen, die für die Unabhängigkeit protestierten, sehr radikal eingestellt und sie wollten solche Leute nicht unterstützen. Radikal sowohl in der Praxis, in dem sie viel Zerstörung anrichteten und Drohungen aussprachen, als auch mental, in dem sie eine richtige *Rassentrennung“ zwischen Katalanen und dem restlichen Spanien predigten und sich als überlegen sahen. (Natürlich gibt es auch ganz normale, gemäßigte Leute unter den Protestanten, aber die radikalen formen nun mal wie immer das äußere Bild einer solchen Bewegung.)
Während der Woche waren die Proteste immer stärker geworden und jeden Morgen berichteten die Nachrichten von den Zerstörungen der Nacht. Für diesen speziellen Freitag waren Proteste wie noch nie zuvor angekündigt worden und deshalb die ganze Stadt in Alarmbereitschaft. Über eine spezielle App (die übrigens an sich schon sehr interessant war, aber jetzt diesem Ramen sprengen würde, aber sprecht mich ruhig mal drauf an) waren Proteste in ganz Katalonien organisiert worden, die sich im Laufe der Woche in Richtung Barcelona bewegten und am Freitag ankommen sollten. Es wurden mehr als eine Million Menschen erwartet. Eine explosive Menge, besonders, da die Polizei nicht den Ort der Demonstrationen kannte und da zusätzlich auch Gegendemonstrationen erwartet wurden.
Letztendlich schaffte die Polizei es doch noch, die App zu knacken und dem radikalen Pläne zu vereiteln, sodass die Situation nicht eskalierte. Ein Glück, denn das hätte unschön werden können.
Außerdem wollten Denise und ich am nächsten Morgen unseren Zug erwischen. Das hatte uns im Vorfeld nämlich ein wenig Sorgen bereitet, klappte dann zum Glück aber ohne nennenswerte Probleme.
Unser letzter Zug zu zweit! Naja, zumindest dachten wir das. Nach etwa der Hälfte der Fahrt fiel uns auf das viele Menschen aus unserem Abteil austiegen. Aber egal, war die letzte Station vor Paris, vielleicht wollten die ja alle woanders hin. Bis dann plötzlich alle weg waren. Dummerweise sind in Frankreich alle Durchsagen ausschließlich auf französisch und wir hatten keine Ahnung, was los war. Glücklicherweise fanden wir noch eine englischsprechende Frau, die uns erklärte, dass wir alle aussteigen und den Zug wechseln müssten. Was wir wohl gemacht hätten, wenn wir die Frau nicht getroffen hätten? 😅 Auf dem Gleis herrschte ebenfalls große Verwirrung. Aber irgendwann kam dann der Zug nach Paris und wir traten den letzten Abschnitt unserer Reise zu zweit an.

Jetzt, wieder zurück zu Hause, habe ich endlich die ganzen Bilder einfügen können. Ein bisschen spät, aber besser spät als nie, nicht wahr? 😉😋😅 (27. März 2020)
