Andalusien

In Barcelona haben wir ein wenig hin und her überlegen müssen, ob wir wirklich bis nach Andalusien fahren wollen. Eigentlich hatten wir uns im Vorfeld schon dagegen entschieden und auch schon tollen Hosts abgesagt. In Barcelona wurde es dann aber doch zu einer Option und einen spannend klingen Host hatten wir auch. Leider bedeute das aber auch nochmal deutlich mehr Kosten, nämlich Zugreservierungen und Bustickets. Etwa 50€.

Letztendlich viel die Entscheidung und los ging’s. Eine direkte Verbindung nach Málaga und dann noch zwei Stunden weiter nach Estepona, wo unsere Gastmutter uns abholen wollte.

Ein paar Worte zu den high-speed Zügen in Spanien: die Sicherheitskontrollen ähneln eher denen im Flughafen und auch die Zugbegleiter erinnern an Stewardesses. Im Inneren sind die Züge sehr modern, mit bequemen Sitzen und Bildschirmen zum Filmegucken an der Decke. (Dort, wo bei uns die Anzeigen hängen, werden in Spanien Filme für alle abgespielt, mit nem Anschluss für jeden am Sitz und mehreren Sprachen zur Auswahl. Gratis Kopfhörer werden auch verteilt.) Von außen sehen die Züge dagegen komisch aus. Das ist zumindest meine Meinung und Denise hat mir auch zugestimmt.

Die Landschaft, durch die wir gefahren sind, war von Anfang an beeindruckend. Weil um Barcelona noch grüne Hügel liegen, hatten wir dies auch für die Umgebung in Nordspanien vermutet. Stattdessen fuhren wir schon zu Beginn durch karge, sandige Felder, die eher an eine Wüste erinnerten. Kein Strauch mehr zu sehen.

Unser Bus fuhr direkt am Meer entlang, sehr zu Denise Freude. In Estepona angekommen, erwartete uns noch eine etwa halbstündige Fahrt vom Meer in die umliegenden Berge. Etwas Abseits von der Straße lag dann unser neues Gasthaus. Dort wohnte unsere Gastmutter mit ihren fünfzehnjährigen Zwillingen. Vom Balkon konnte man gerade so nicht mehr das Meer sehen, dafür hatten man aber einen tollen Blick auf die umliegenden Hügel und die benachbarte Stadt Casares.

Unser Aufenthalt dort sollte von viel körperlicher Arbeit und einer Menge Ausflügen am Nachmittag geprägt sein.

Zu unseren Aufgaben gehörte u.a. die Hauswände streichen und alte Farbe abkärchern, Fliesen und Mauersteine schleppen, die Palmen stutzen (wer hätte gedacht, dass die so fiese Dornen haben? Die sehen aus wie Haifischzähne und können ordentlich wehtun) und Holz kleinschlagen.

Anschließend haben wir meistens ein Mittagessen in uns reingeschlungen und nach knapp zwanzig Minuten ging es schon wieder los.

Am ersten Tag sind wir an den Strand in San Luis de Sabanillas gefahren und haben da ein paar schöne Stunden in der Sonne und im Meer gehabt. Da unsere Gastmutter nicht sicher war, wann und wo der Bus nach Hause fahren würde, hatte ich meinen Spaß, das an einer Tankstelle auf spanisch zu erfragen.

Am nächsten Nachmittag haben wir einen Ausflug in die Stadt Casares gemacht. Diese liegt oberhalb des Meeres zwischen den Hügeln der andalusischen Landschaft. Typisch waren außerdem die weiß angestrichenen Häuser, wodurch die Stadt schon von weitem leuchtete.


Als erstes sind wir durch die kleinen Gassen immer weiter nach oben gelaufen, bis wir schließlich an der Burgruine oberhalb der Stadt rauskamen. Von dort hatte man einen fantastischen Blick und wir haben jede Menge Fotos gemacht.


Dort lag außerdem der Friedhof des Ortes, der auf seine eigene Weise sehr schön war.

Gepicknickt haben wir auf einem großen Felsen an der Mauer und hatten dabei ebenfalls einen mega Ausblick über die anliegenden Hügel. Mittig auf dem Bild kann man das Haus erahnen, in dem wir gelebt haben.

Anschließend sind wir auf die andere Seite des Ortes gelaufen. Dort gab es wieder einen fanatischen Ausblick und einen kleinen Rundweg mit Sportgeräten und Vogelbeobachtungspunkten. Als wäre die Landschaft nicht schon beeindruckend genug gewiesen, kreisten nämlich jede Menge großer Vögel über und neben uns. Laut unserer Gastmutter waren das sowohl Adler als auch Geier.

Am Freitag, unserem dritten Tag in Andalusien, haben wir eine weitere Stadt besichtigt. Estepona. Erst lagen wir ein wenig am Strand, (zum Baden war es zu bewölkt,) und danach haben wir uns ein wenig den Ort angeschaut. Besonders gefallen haben uns die vielen Blumen, die in den kleinen Straßen hängen und der Innenstadt einen ganz besonderen Flair verleihen.

Am Samstag hatten wir frei. An diesem Tag haben wir eine Wanderung durch ein ausgetrockneten Flusslauf (so sah es zumindest aus) in Richtung Meer gemacht, die uns unsere Gastmutter sehr empfohlen hatte. Und das zurecht. Am Anfang liefen wir noch zwischen den kargen Feldern hindurch und gelangten so immer tiefer in ein Tal zwischen zwei steilen Hügeln. Dabei kletterten wir immer wieder über meterhohe Felsen oder schlängelten uns zwischen Büschen hindurch.

Das Tal verengte sich immer weiter, bis wir plötzlich auf einer Ebene mit Blick zum Meer standen.

Von dort war es nicht mehr weit bis zum Ziel der Wanderung: einem alten römischen Bad, in dem angeblich sogar schon Julius Caesar gebadet hat. Das Wasser war sehr schwefelhaltig und hatte eine leuchtend hellblaue Farbe. Leider roch es auch stark nach faulen Eiern, weshalb sich Denise erst weigerte, ebenfalls ins Wasser zu gehen. Ich wollte mir diese Erfahrung auf gar keinen Fall entgehen lassen und letztendlich folgte mir Denise dann doch. Gebadet hat man schon fast unterirdisch, unter einer steinernen Kuppel (natürlich ebenfalls von außen weiß gestrichen).

Daraus floss das Wasser als kleiner Flusslauf. Schilf wuchs am Ufer und Schildkröten (mit Babys!!!) schwammen im Wasser. Wieder mal ein ganz besonderer Ort und ein sehr schöner Ausflug.

Anschließend wollte uns unsere Gastmutter in der Nähe der Quelle abholen. Erst konnten wir sie nicht erreichen und dann sagte sie uns, dass wir ihr ein wenig entgegenlaufen sollten. Aus ein wenig wurde schließlich eine ganze Stunde Fußmarsch auf einer dunklen Landstraße. Unsere Gastmutter hatte nämlich als bekennende Handygegnerin ihr Handy ausgeschaltet. Jedem das seine, aber doch bitte nicht, wenn man sich irgendwo verabreden muss!! Von den Autofahrerern wurden wir auch komisch beäugt. Kommt ja such nicht häufig vor, dass zwei Leute im Dunkeln, mit nassen Haaren über eine unbeleuchtete Landstraße stiefeln und bei jedem Auto ihre Handytaschenlampen wie wild schwenken.

Die Landstraße im Sonnenuntergang

Endlich wieder in einem kleinen Ort angekommen, setzten wir uns an eine Bushaltestelle und warteten, bis wir wieder Kontakt mit der Gastmutter bekommen würden. Irgendwann war es dann auch tatsächlich so weit und sie meldete sich endlich mal wieder. Allerdings nur um uns mitzuteilen, dass sie noch beschäftigt sei und noch mindestens eine Stunde brauchen würde, bis sie uns abholen kommen würde. Na super.

Ich habe eigentlich eine große Toleranzspanne und war ja auch schon von anderen Hosts so manches gewöhnt, aber das fand ich dann doch ziemlich daneben.

Um das beste aus der Situation zu machen, sind wir dann noch ans Meer gelaufen und haben den Wellen im Mondschein zugesehen. Das hat den Abend ein bisschen gerettet.

Zu Hause waren wir dann um zehn Uhr abends. Verabredet waren wir ursprünglich um sieben.

Am Sonntag wollten wir eigentlich eine andere Tour laufen, zu einem Flusslauf in der Nähe, wo wild Kakis und andere Früchte wachsen sollten. Leider hat sich unsere Gastmutter auch an dem Tag als eher unzuverlässig erwiesen. Denn wir sollten an dem Tag auch arbeiten. Nur leider hat sie unsere Arbeitszeit andauernd geändert, von morgens auf nachmittags auf mittags auf abends. Dadurch konnten wir unseren Tag überhaupt nicht planen und sind auch nie losgelaufen. Schade. (Denise war von dem Verhalten unserer Gastmutter übrigens noch mehr genervt…)

Am Montag stand unser letzter Arbeitstag an.

Am Dienstag ging es nämlich schon wieder zurück nach Barcelona. Allerdings habe ich mir vorher noch einen Herzenswunsch erfüllt: ein Ausritt durch die andalusische Landschaft. Nicht weit entfernt lag ein Reithof, der regelmäßig Ausritte für Touristen anbot. Während unserer Zeit gab es nur noch eine zweistündigen Tour für Fortgeschrittene. Somit konnte Denise nicht mitkommen, da sie kaum Reiterfahrung hat. Ich hatte zu dem Zeitpunkt zwar auch mehr als vier Jahre nicht mehr auf einem Pferd gesessen, aber mir wurde zugesichert, dass ich das mit meinen Kenntnissen schon schaffen würde.

Ein bisschen mulmig war mir aber schon. Dass ich solange nicht mehr geritten war, lag schließlich vor allem an den katastrophalen letzten Reiterfahrungen, die ich gemacht hatte.

Zum Glück wurde mir das perfekte Pferd zugeteilt: brav und langsam.

Nach kurzer Zeit hatte ich Vertrauen gefasst, in mich, mein Pferdchen und vor allem in meine reiterlichen Fähigkeiten. Ist ein bisschen wie Fahrrad fahren, man verlernt es anscheinend nie.

Und der Ausritt war sooo schön!! Da ich kein Handy dabei hatte, konnte ich unterwegs keine Fotos machen. Ich war eh zu beschäftigt, im leichten Galopp (der Hauptgangart des Ausritts, deshalb definitiv nur für Fortgeschrittene) die Aussicht zu genießen. Auf der Facebook-Seite des Hofes könnt ihr aber jede Menge Fotos finden. Darunter auch eins von mir im Galopp. (Ich bin auf einem der größeren Bildern und trage ein graues Oberteil.)

Der Ausritt war an sich schon wunderschön, aber zusätzlich konnte ich mich die ganze Zeit mit einem super lieben Mädchen aus Dänemark unterhalten, die zu der Zeit workaway auf dem Hof gemacht hat. Wir haben uns total gut verstanden und den Kontakt bis heute gehalten. Und wenn ich mal nach Dänemark komme, werden wir dort gemeinsam am Strand reiten gehen. 😇

Der Ausritt war viel zu schnell vorbei. Und ich hatte leider auch keine Zeit, länger zu bleiben. Stattdessen bin ich schnell zurück zum Haus, habe geduscht und gegessen und keine Stunde später saßen Denise und ich schon im Auto, Richtung Busbahnhof.

Durch eine Verspätung unseres Busses bekamen wir ziemlich Stress, noch rechtzeitig am Bahnhof anzukommen. Schließlich mussten wir die Züge ja auch noch reservieren!! Auf den letzten Drücker hat doch noch alles geklappt, zum Glück.

In Madrid mussten wir umsteigen, haben aber ansonsten wenig von der Stadt mitbekommen. Ein anderes Mal… 😉 Und schwuppdiwupps waren wir zurück in Barcelona.


Jetzt ist der Beitrag endlich mal fertig. Trotzdem werde ich den ursprünglichen Kommentar stehen lassen.

26.11.2019:
Das ist natürlich noch nicht das Ende des Beitrages… Das Beste kommt schließlich noch!!
Allerdings hänge ich immer noch so sehr hinterher, es ist wirklich ärgerlich. Und deshalb lass ich es für heute gut sein mit der Europareise.
Gleich steige ich in ein Flugzeug nach Rio de Janeiro – und dort warten natürlich wahnsinnig viele neue Abenteuer auf mich. Von diesen versuche ich ab jetzt regelmäßiger zu berichten.
Aber keine Sorge, Europa kommt auch noch!! Nur eben Stück für Stück nebenbei.

Dann mach ich mich mal auf zum Boarding und verlasse Europa. Von diesem Abenteuer könnt ihr dann hoffentlich auch sehr bald hier lesen!

Vielen Dank fürs Lesen bis hierhin und bis demnächst!

Eure Jojo ❤️

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