In Ushuaia kamen wir ziemlich durch den Wind an, schließlich waren wir zu dem Zeitpunkt fast 60 Stunden unterwegs. Die Vorfreude, endlich wieder ein Bad und ein Bett, ein echtes, eigenes, weiches, waagerechtes Bett zu haben, ließ uns gut gelaunt in Richtung Airbnb losstiefeln. Leider mussten wir schnell feststellen, dass die Zeiten des Flachlandes vorbei waren, denn wir schienen nur bergauf laufen zu müssen. (Später merkten wir, dass uns MapsMe, welches normalerweise wesentlich besser funktioniert als Google Maps, den steilsten Weg mit den insgesamt meisten Höhenmetern überhaupt geleitet hatte und es durchaus angenehmere Wege gegeben hätte…)
Als wir das Airbnb endlich gefunden hatten, war es schon zehn Uhr abends. Aber wir waren so weit im Süden, dass es immer noch hell war. Wie praktisch.
In unserem Zweierzimmer angekommen fielen wir einfach ins Bett und schliefen endlich mal wieder richtig tief und fest und bequem. Natürlich erst, nachdem wir allen berichtet hatten, endlich angekommen zu sein. So viel muss sein.
Am nächsten Morgen genossen wir erstmal das Frühstück. Anschließend machten wir uns wieder auf den Weg zum Terminal, um von dort in den angrenzenden Nationalpark Tierra del Fuego zu fahren. Dabei liefen wir am Wasser entlang und genossen den Ausblick auf die Berge in der Ferne.








Mal wieder hatten wir großes Glück, denn eigentlich kamen wir um kurz nach elf am Terminal an und hätten dadurch eine ganze Stunde auf den zwölf-Uhr-Bus warten müssen. Allerdings war der Bus um elf noch nicht abgefahren und wir konnten uns noch dazu setzen. Und schon ging’s los, erst durch den Ort und dann über einen breiten Schotterweg. Nach etwa zwanzig Kilometern erreichten wir das Nationalparkhaus, an dem wir eine Wanderkarte und einen Flyer des Parks bekamen und Eintritt zahlen mussten. (Das ist hier üblich, für Nationalparks Eintritt zu zahlen. Eine ziemliche Ausnutzung des Tourismus, denn Einheimische oder allgemein Südamerikaner zahlen nur einen Bruchteil. Aber wenn davon die Natur geschützt werden kann, soll’s mir gleich sein.)

Nach einer weiteren kurzen Fahrt im Nationalpark stiegen wir gleich an der ersten Station aus. Dort startete nicht nur die erste Wanderung für uns, sondern dort steht auch die angeblich südlichste Post der Welt. Angeblich sage ich deshalb, da dies von den Argentiniern behauptet wird, genauso wie Ushuaia auch die südlichste Stadt der Welt sein soll. Allerdings gibt es in Chile noch südlicher ein paar Orte (wenn auch so kleine, dass man sie vielleicht nicht mehr als Stadt bezeichnen sollte), und in der Antarktis gibt es auch noch eine Post. Aber egal. Die Preise dort hatten es ganz schön in sich, weshalb wir keine Postkarten verschickten, sondern direkt los marschierten.

Was uns als erstes auffiel, war die wunderbar klare Luft. Nach einer Woche Großstadt und drei Tagen Busluft eine ware Wohltat. Wir konnten gar nicht häufig genug tief einatmen.
Außerdem hätte ich wirklich nicht so viele Blumenwiesen erwartet. Allgemein sah Feuerland irgendwie ganz anders aus, als ich mir das vorgestellt hatte. Gar nicht so rau und feurig, stattdessen gab es viele Blumenwiesen und auch die Berge waren nicht so schroff wie erwartet, sondern ganz normal. Aber ich will mich nicht beschweren, die Blumenwiesen waren wirklich sehr schön anzusehen. Außerdem wuchsen dort auch immer wieder Blumen, die wir auch aus Deutschland kannten, (Löwenzahn, Gänseblümchen, Klee,) sodass wir uns ein wenig an zu Hause erinnert fühlten.
Die erste Wanderung (obwohl das Wort ein bisschen übertrieben ist), führte an der Lapataia Bucht (deren Wasser natürlich salzig ist, auch wenn es aussieht wie ein See,) entlang, teilweise direkt am Wasser, teilweise im angrenzenden Wald. Dadurch hatten wir sowohl fantastische Blicke auf die andere Seite der Lagune, als auch verwunschene Waldwege. (Auf dem einen Baum wächst ein spezieller orangener Pilz, und der Raubvogel hat ganz ohne Scheu um Krümel gebettelt.)





















Nach einer kleinen Pinkelpause im Visitor’s Center ALAKUSH machten wir uns auf den Weg zu der nächsten Tour. Da wir den letzten Bus zurück nicht verpassen durften, mussten wir ab dem Zeitpunkt immer die Uhr im Blick behalten. Ursprünglich wollten wir die zweite Tour deshalb auch gar nicht laufen, aber da sie quasi auf dem Weg lag, entschieden wir uns dann doch dazu. Ein Glück, denn man könnte sie ohne Probleme als schönste Tour des Tages bezeichnen. Sie führte über Gras direkt am Wasser entlang. Dabei war der Boden richtig mit Wasser voll gesogen und das Gras gab unter unseren Füßen teilweise mehrere Millimeter nach. Ein tolles Gefühl beim Laufen! Und das leuchtende Grün war auch wirklich schön anzusehen.








Anschließend liefen wir die Tour ie9 zu nieif. Erst wollten wir diese auch aus Zeitgründen lassen, aber letztendlich liefen wir nur fünfzehn Minuten und es war cool, auch eine schwarze Lagune gesehen zu haben.





Die nächste Tour verlief wieder durch den Wald. Die Blicke waren wie immer fantastisch. Patagonien ist so schön!! Die klare Luft, die Blumenwiesen, die Lagunen, die verwunschenen Wälder…






Am Ende des Weges wartete ein großes Schild auf uns, vor dem sich viele Menschen fotografieren ließen. Das Schild zeigte nämlich das Ende der Ruta 3 an, einer Verbindungsstraße durch ganz Amerika bis nach Alaska. Und wir waren da! Irgendwann hatten sich die Leute der Reisegruppe verzogen, sodass wir auch ein Bild machen konnten:

Von dort aus konnte man wieder ans Wasser laufen und den Blick über die Lapataia Bucht genießen. Das war übrigens wieder die gleiche, an der wir am Anfang entlang gelaufen waren…
Nach einer kurzen Pause dort reichte die Zeit geradeso noch für eine letzte Tour zu einem weiteren Aussichtpunkt etwa zwanzig Minuten entfernt. Dort waren wir wieder ganz alleine, was nach den ganzen Menschenmassen am letzten Punkt gut tat.






Wieder zurück am Ende der Ruta 3 mussten wir nur wenige Minuten warten, bis der erste Minibus kam und uns zurück nach Ushuaia brachte. Ein sehr schöner Tag!

Für den nächsten Tag hatten wir uns die Wanderung zum Glaciar Martial, dem Hausgletscher der Stadt, ausgesucht. In einem Reiseblog wurde die Wanderung als mittelschwer eingestuft, also ideal für uns. Nichts wie los! Vorher mussten wir allerdings dringend unseren nächsten Bus buchen, denn in Patagonien und ganz besonders in Ushuaia kann man nicht einfach zum Schalter gehen und einfach in den nächsten Bus steigen, sondern muss die Tickets mehrere Tage im Voraus kaufen.
Dadurch waren wir fast auf Meereshöhe, von wo wir erstmal wieder zurück zum Startpunkt der Wanderung laufen mussten. Und die Straßen in Ushuaia sind steil.
Der Weg selber führte erst über einen steilen Schotterweg an einer Straße entlang, dann als Trampelpfad durch den Wald und an einem kleinen Gebirgsfluss vorbei. Dabei ging es kontinuierlich bergauf. Nicht zu steil, sondern genau richtig für unsere Kondition. Und diese Wälder sind sooo schön!! Total verwunschen, mich hätte es nicht gewundert, wenn plötzlich Rotkäppchen zwischen den Stämmen aufgetaucht wäre!












Fies wurde es erst, als wir die Seilbahnstation erreichten. Viele Leute starten erst von hier , aber das hilft ihnen auch nichts, denn der nächste Abschnitt war einfach nur gemein und eklig. Ein Schotterweg, der steil und ohne Abwechslung gerade nach oben führte. Kein Ende in Sicht.

Nach gefühlten Stunden erreichten wir endlich ein kleines Waldstück und machten erstmal Rast, um wieder Kraft zu tanken. Gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg. Weit konnte es schließlich eh nicht mehr sein. Oder?
Unsere Laune fiel schlagartig ab, als wir weit in der Ferne kleine bunte Punkte zwischen dem Geröll des Berges erkannten. Wie, da mussten wir auch noch hoch?!? Verdammt.




Der letzte Abschnitt war auch wirklich nochmal fies. der Trampelpfad war nur in den Kies des Geröllfeldes reingelaufen und immer wieder rutschten wir weg. Zusätzlich hatte es angefangen zu nieseln und der steile Hang bot gar keinen Schutz mehr vor dem eisigen Wind. Der Weg schien sich schier endlos hinzuziehen und es war kein Ende in Sicht. Aber, stur wie wir sind, stapften wir natürlich bis nach ganz oben.
Der Gletscher entpuppte sich mehr als matschiges Schneefeld, aber egal, wir waren bis ganz nach oben gelaufen. wir hatten es endlich geschafft! Zwischendurch haben wir tatsächlich auch immer wieder Leute gesehen, die abgebrochen haben…) Nach ein paar Fotos stärkten wir uns erstmal, bis uns so kalt war, dass wir wieder los mussten.





Der Rückweg war nicht wirklich angenehmer als der Hinweg. Immerhin konnten wir diesmal uns entgegenkommende Wanderer ein wenig motivieren, indem wir ihnen sagten, dass es nicht mehr so weit wäre. Das hätten wir auf dem Geröllfeld auch gut gebrauchen können. Der steile Schotterweg war unangenehm für Knöchel und Knie, aber irgendwann hatten wir auch das geschafft. Und der Weg durch den Wald und durch den Ort bis zum Airbnb (die zweite Hälfte des Weges etwa) flog danach nur so dahin. Trotzdem waren wir echt froh, uns wieder in unsere Betten fallen lassen zu können. Hunger hatten wir zum Glück erstmal keinen, denn nach dem fiesen Schotterweg hatten wir uns erstmal eine heiße Schokolade und Kuchen in einem süßen kleinen Café gegönnt (war leider dafür auch sehr teuer, umgerechnet etwa 7,50€). Sehr lecker!

Später am Abend versuchten wir, den Reiseblog wiederzufinden, der diese Wanderung als moderat eingestuft hatte, denn das war sie unserer Meinung absolut überhaupt nicht. Aber wir konnten nichts mehr finden und alle anderen Blogs nannten diese Tour ebenfalls anspruchsvoll. Hätten wir das im Vorhinein gewusst, hätten wir die Wanderung wahrscheinlich trotzdem gemacht, uns aber nicht so wahnsinnig unsportlich währenddessen gefühlt. 😅

Für den dritten tag hatten wir eigentlich eine kürzere Tour am Wasser eingeplant. Leider mussten wir dafür erstmal kilometerlang durchs Industriegebiet laufen, weshalb wir relativ schnell abbrachen. (Busse gibt es zwar in Ushuaia, aber keine der beiden Linien haben wir wirklich mal rumfahren gesehen und auch Haltestellen waren nicht wirklich existen.) Stattdessen streiften wir noch ein wenig durch die Stadt, erklärten die Museen als überteuert und landeten schließlich auf zwei Liegestühlen in der Nähe des Wasser, wo wir beide erstmal unsere Bücher lasen, bis uns mal wieder zu kalt wurde. (Falls sich wer die ganze Zeit fragt, warum wir denn überall unsere Bücher hinschleppen: wir nutzen da eine ziemlich coole App auf unseren Handys. Dort kann man sich mit dem Stadtbibliotheksausweis anmelden und so quasi kostenlos und unbegrenzt Bücher lesen. Viele finden das Lesen auf Smartphones eher gewöhnungsbedürftig, aber fürs Reisen ist es wirklich ideal, da das Ganze auch offline funktioniert. Und an das Lesen gewöhnt man sich wirklich schnell, das könnt ihr mir glauben. Die App heißt Onleihe und ich kann sie wirklich empfehlen. (Und nein, ich kriege für diese Empfehlung kein Geld! 😋))






Abends machten wir uns nochmal auf den Weg zu einem Pub in der Stadt. Das Busunternehmen, bei dem wir die Weiterfahrt gebucht hatten, hatte uns nämlich je einen Gutschein für ein Bier in eben diesem Pub mitgegeben. Ushuaia ist bekannt für Bier und gratis ist nun mal gratis, nicht wahr? 😇 Allerdings konnten wir es auch erst nicht so richtig glauben. Ein Kellner (der glücklicherweise gutes englisch sprach, im Pub war es für unser spanisch einfach zu laut) erklärte uns, dass wir je ein kleines Bier (in speziell kleineren Gläsern) unserer Wahl haben könnten. Nachdem er mir etwa dreißig verschiedene Sorten runtergerattert hatte (ausgerechnet mir! Ich kenne etwa drei Biersorten 😅), entschieden wir uns für zwei, die spannend klagen und deshalb auch so ziemlich als einzige im Kopf hängen geblieben waren. Ich hatte ein rotes Irisches mit Karamell und Caro ein Schwarzes mit Gras. Dazu gab es sogar gratis noch Popcorn. Wie cool!

Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe wieder los, denn unser Bus fuhr schon um sieben Uhr morgens. Bei Fernbussen sollte man immer so fünfzehn Minuten mindestens früher da sein, also mussten wir gegen viertelnach sechs vom Airbnb losstiefeln. Netterweise bekamen wir trotzdem ein Frühstück. Der Grund für diese frühe Stunde war vermutlich, dass die Fahrt alleine schon etwa zehn bis zwölf Stunden dauern würde, aber mit dem Grenzübergang ist man schnell auch mal ein paar Stunden länger unterwegs. So würden wir wenigstens nicht im Dunkeln ankommen. Wo es hinging? Nach Punta Arenas, südlichste größere Stadt Chiles und bekannt für ….. Trommelwirbel, bitte ….. Pinguine!!


