(Montag, 2.März 2020) Von der spektakulären Busfahrt von Santiago de Chile nach Mendoza durch die Anden war uns schon vorher immer wieder erzählt worden, sodass wir uns entschieden, diesmal zwei Fensterplätze zu buchen, um den besten Ausblick haben zu können. Und wir wurden nicht enttäuscht!
Die Landschaft um Santiago war von vorneherein karg gewesen, doch in Richtung der Anden wurde sie immer kärger. Staubige Böden mit Olivenplantagen, deren kleine Bäume bis zu zu dem hohen Bergen am Horizont reichten. Eine besondere Welt.
Dann erreichten wir die Anden und die Landschaft wurde wirklich spektakulär. Wir fuhren an der linken Seite eines Tals entlang, sodass wir mit unseren Plätzen auf der rechten Seite des Busses einen fantastischen Blick auf die Schlucht und die Berge auf der gegenüberliegenden Seite hatten. Die Bilder können wie immer nur einen kleinen Teil der atemberaubenden Kargheit der Berge wiedergeben:
(Auch wenn wir immer wieder bergauf gefahren sind und gerade an der einen Stelle die Kehren ganz schön zahlreich waren, sind die Anden so weit südlich noch nicht sehr hoch. Wir hatten also nicht mit Höhenproblemen zu kämpfen.)
Wie das bei Grenzübergängen immer so ist, hatten wir natürlich mega Verspätung. 🙄 Dabei sind wir gar nicht aus Chile ausgereist. (Fragt uns nicht wieso, eigentlich sind die immer mega streng damit, nur manchmal ist es dann doch egal… keine Ahnung. aber der ganze Bus ist nicht ausgereist, also wird das schon on Ordnung gewesen sein…) Die Einreisekontrolle hat ewig gedauert, da unser Angestellter sich wirklich alle Zeit genommen hat und dann kann das schnell mal anderthalb Stunden dauern, bis der ganze Bus durch ist. Außerdem wurde unser Handgepäck kontrolliert (vielleicht zum ersten Mal, keine Ahnung). Allerdings auch nur sehr halbherzig, also einmal Rucksack auf, die haben einmal reingeguckt und dann wieder zu. Naja, in Mendoza sind wir auf jeden Fall echt spät erst gewesen, die Fahrt hätte nur sechs oder sieben Stunden dauern sollen, glaube ich, und wir waren den kompletten tag unterwegs. Zum Glück haben wir den Bus schon morgens genommen.
Unser Hostel lag eine knappe halbe Stunde zu Fuß entfernt. Dank des langen Tages und dem wenigen Schlaf, den wir vorher bekommen hatten (ihr erinnert euch: wir waren bei Trinidad und ihrer Familie gewesen und am letzten Abend ist die älteste Schwester von ihrer eigenen Reise nach Hause gekommen und alle waren ganz lange wach…) waren wir echt froh, als wir endlich angekommen waren.
Trinidad hatte uns ein paar Orte genannt, die sie uns in Mendoza empfehlen würde, darunter einige Parks. Nur wenige Blocks entfernt lagen fünf kleine Parks (Pin auf der Karte), die wir uns als erstes anschauten. Unser Eindruck von sowohl den Parks als auch den Straßen war wirklich gut, alles wirkt sehr sauber und gepflegt. In einem Park wurden sogar gerade die Fliesen auf dem Boden gewischt! Eine schöne Stadt.
Jetzt ein kleines Rätsel: Auf dem folgenden Bild seht ihr einen Springbrunnen. In allen Parks war das Wasser in dieser Farbe, auch die Bäche der Stadt waren so gefärbt. Im Kopf noch ganz in Chile, hielten wir das erstmal für eine Protestaktion, doch in Wahrheit verbirgt sich dahinter ein ganz anderer Grund. Wer kommt drauf?
Im Anschluss machten wir uns auf den Weg zum großen Park San Martín. Was uns nicht ganz klar gewesen war, ist, das der Park eigentlich nicht so gut um spazieren geeignet ist. Stattdessen fuhren viele Autos durch, was den Park nicht eher unruhig machte. Auch fühlten wir uns nicht ganz sicher dort. Aber wir machten uns trotzdem auf den Weg, einen Hügel hinauf, den Cerro da la Gloria. Dort oben befindet sich das Monumento al Ejército de los Andes (Denkmal für die Armee der Anden, die für die Befreiung von Spanien kämpfte) und man hatte einen schönen Blick über die Stadt.

Denkmal 
Blick auf den Park und Mendoza im Hintergrund
Nach dem ganzen Gelaufe suchten wir uns einen Bus aus dem Park heraus bis zum Hostel. Unsere Haltestelle zum Einsteigen befand sich mitten an einer Straße, kein Schild zeigte an, dass hier ein Bus halten würde. Also warteten wir einfach und winkten jedem Bus wie wild zu. Irgendwann hielt auch einer, wahrscheinlich eher aus Mitleid. 😅 Aber egal, wir saßen im Bus und waren auf dem Rückweg.
Unser Zimmernachbar erklärte uns abends den Grund der rotgefärbten Gewässer: das Weinfest! Das Mendoza für Wein bekannt ist, wussten wir schon, aber wir hatten uns unbewusst genau die Woche ausgesucht, in der Mendoza das jährliche Weinfest gefeiert wurde. Deshalb war das Wasser gefärbt worden und wenn man’s weiß, sieht es auch echt aus wie Rotweinfontänen. Am Wochenende fanden die größten Feste stattfinden, mit Umzügen und allem, da waren wir leider schon wieder weg, aber schon unter der Woche wurde gefeiert. So machten wir uns abends nochmal auf den Weg zu einem der kleinen Plätze. Dort gab es Wein in Massen und Livemusik. Ein schöner Ausklang des Tages. 😇
Am nächsten Tag stand dann der eigentliche Weintag an. Mit dem Bus fuhren wir erstmal zu einem Vorort von Mendoza (Maipú). Dort mieteten wir uns zwei Fahrräder und machten uns auf den Weg zu den Weingütern. Das erste Weingut, „Bodegas López“, war uns von unserem Zimmernachbarn empfohlen worden. Dort sind die Führungen nämlich komplett kostenlos. Zeitlich kamen wir perfekt an für eine Tour auf spanisch. Unser spanisch war inzwischen auch echt nicht schlecht, vor allem das Hörverstehen war so viel besser geworden, sodass wir uns die Tour zutrauten. (Womit wir nicht falsch lagen, wir verstanden zu unserer großen Freude wirklich fast alles. Der Guide hat aber auch echt angenehmes spanisch gesprochen.)
Wir haben so viel gelernt! Ich habe mir tatsächlich irgendwann Notizen gemacht… Das wichtigste zusammengefasst:
- Das Weingut gibt es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts
- Argentinier trinken gerne ihren eigenen Wein, das Weingut exportiert fast gar nicht (von 22 Millionen Flaschen verlässt nur eine das Land)
- In den 30er Jahren gab es in Argentinien große Probleme mit den Trauben, die das Weingut glücklicherweise überlebt hat
- Das Weingut lagert in verschieden großen Fässern, die Lagerung dauert von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren
- Heller Rotwein ist junger Wein, durch die Oxidation wird der Wein mit der Zeit dunkler
- Der süße Weißwein enthält mehr als 20g Zucker pro Liter
Was ich aber am spannendsten fand, war das größte Fass des Weinguts. Es fasst 35700 Liter Wein, der dort zwei bis vier Jahre gelagert wird. Nachdem der Wein abgelassen wurde, muss das Fass erstmal mehrere Tage den Alkohol ausdampfen, erst dann kann es gereinigt werden. Um das große Fass nicht zu destabilisieren, muss die reinigenden Person allerdings durch die gleiche Öffnung ins Fass, durch die auch der Wein abgelassen wird. Und die ist winzig!!! Es gibt extra eine Firma, die solche kleinen und zierlichen Leute anstellt dafür. Nach einigen Tagen ist ein Teil des Alkohols zwar schon verflogen, trotzdem kann man sich im Fass nur mit Sauerstoffgerät aufhalten. Ich bin nicht klaustrophobisch, aber das wäre wirklich nichts für mich. Es ist eng, heiß, stickig und man ist in einem riesigen Fass gefangen. Nein, Danke.

35700 Liter Weinfass 
Winzige Öffnung, durch die ein Mensch ins Innere muss
Nach der Führung haben wir einen Rotwein und einen Weißwein probieren dürfen und das Museum des Weinguts besucht, in dem viele alte Instrumente ausgestellt waren. Das war auch echt spannend. Falls ihr jemals nach Mendoza kommt, das Weingut kann ich echt empfehlen. Es hat Klimaanlage (!!!), ist komplett kostenlos, toll strukturiert und die Führungen sind echt spannend.



Maschine zum Destillieren von 1903
Unser nächstes Weingut („Domiciano“) konnte da leider nicht heranreichen, war aber ansonsten auch ganz schön. Dort haben wir als ersten einen Teil der Weinreben gesehen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Pflanzen gezeigt bekommen. Von dem eigentlichen Verfahren konnte man nicht ganz so viel sehen, weil vieles hinter Mauern stattfand. Gelagert wurde der Wein in diesem Weingut in normalen, kleinen Fässern. Am Ende haben wir drei Weine probieren dürfen, dafür mussten wir hier aber auch umgerechnet ein paar Euro zahlen.
Unser letztes Ziel war kein Weingut, sondern ein kleiner Laden, der verschiedene Produkte aus eigenen Oliven verkaufte („Entre Olivos“, zwischen Oliven. Das stellte sich als echter Glückstreffer heraus, denn dort konnte man auch ein Tasting machen und die Sachen waren alle soo lecker! Ich glaube, wir haben 180 Pesos gezahlt (umgerechnet keine drei Euro) und dürften ganz viel probieren, viel mehr, als wir dachten. Als erstes wurden wir zu einem Tisch geführt, an dem es Weißbrot mit sieben verschiedenen Olivenauftrichen gab. Aufstriche aus grünen oder schwarzen Oliven, mit oder ohne Knoblauch, ein scharfer Aufstrich, Olivenöl, … lecker!
Der nächste Tisch war süß. Dort gab es die Dulce de Leche, die typische argentinische Karamellcreme. Hausgemacht, mit und ohne Kokos. Außerdem Schokocreme und Honig. Hmmmm.
Als letztes durften wir wir noch die fünf hausgemachten Liköre probieren. Bei der Hitze und nach dem ganzen Wein entschieden Caro und ich uns dafür, uns lieber einen Becher zu teilen. 😂
Wir probierten alle Sorten, dazu gehörte (von links nach rechts) das klassische hausgemachte Likör, dann verfeinert mit Kaffee, Likör Dulce de Leche, Schokoladenlikör, und Likör der Geschmacksrichtung Irish Cream. Alle echt gut, aber Schokolade fand ich natürlich am besten. 😇 Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten, kauften wir einen Aufstrich aus grünen Oliven (ohne Knoblauch).
Ein echt schöner Tag mal wieder. Wir haben viel gelernt und probieren dürfen. Auch war das Mal eine spannende Abwechslung, denn normalerweise sind wir ja immer viel am Wandern. Da einzige, was wir beide ein bisschen schade fanden, war, dass wir mit dem Fahrrad nur an viel befahrenen Straßen entlang fuhren. Wir hatten von anderen gehört, dass sie wirklich durch die Weinberge geradelt waren, was wir uns sehr schön vorgestellt hatten. Nichtsdestotrotz war es ein toller Tag!
Im Hostel hatten wir schon ausgecheckt, denn wir nahmen noch am gleichen Tag einen Nachtbus nach Córdoba. Doch unser Hostel war ziemlich groß, sodass es niemanden störte, als wir trotzdem noichmal die Küche nutzen, um uns etwas zum Abendessen zu machen. Das Hostel war glaube ich auch eins der günstigsten überhaupt, fünf Euro pro Nacht mit Frühstück, glaube ich. Dafür war der Herd aber auch wirklich abartig eklig. Ich fasse es nicht, dass wir tatsächlich aus dem Topf gegessen haben. 😅 Aber wir waren zu dem Entschluss gekommen, dass, wenn wir es nicht mehr abwaschen konnten, es wohl auch nicht so viel in unser Essen übergehen würde. Trotzdem… Den Herd werde ich nicht vermissen.



















Juchhuuu, endlich einmal wieder einen blog. Danke :D, die Lieblingskommentatorin
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