(Sonntag, 8. März 2020) In Salta kamen wir früh am Morgen an, nach einer weiteren Nachtfahrt. Nachdem die Fahrt nach Bariloche so anstrengend gewesen war, wollten wir eigentlich keine Nachtbusse mehr nehmen, aber wie immer liefen die Dinge natürlich völlig anders als geplant. Früh am Morgen mussten wir zusätzlich auch noch den Bus wechseln, um nach Salta zu kommen. Der ursprüngliche Bus für weiter nach Jujuy, einer anderen Stadt in der Nähe Saltas. Das war ursprünglich nicht geplant gewesen (wir glauben, dass die Planänderung des Busunternehmens an unserer Verspätung lag), deshalb war unserer Verwirrung anfangs natürlich groß.
Gegen sieben oder halb acht waren wir dann in Salta und mussten erst einmal unseren Weg zum Hostel finden. Nachdem wir endlich eine Bushaltestelle gefunden hatten und dann sogar endlich ein Bus auftauchte, stellte sich heraus, dass in Salta weder die Argentinien übliche SUBE-Karte (eine wiederaufladbare Karte für allen öffentlichen Nahverkehr, die wir schon in Buenos Aires genutzt hatten) gültig war, noch die Karte, die wir uns in Córdoba angeschafft hatten. Ein netter Busfahrer nahm uns trotzdem ein paar Stationen mit, sodass wir unserem Hostel wenigstens ein wenig näher kamen. Anschließend mussten wir laufen.
Salta war immer als schöne Stadt beschrieben worden, aber unserer erster Eindruck war vor allem Dreck und Müll, der auf den Straßen lag. Vermutlich hatte in der Nacht eine große Party stattgefunden und es hatte noch niemand aufgeräumt. Sicher fühlten wir uns auch überhaupt nicht.
Endlich am Hostel angekommen dann die nächste Enttäuschung: Um die Uhrzeit (halb neun etwa) konnten wir noch nicht einchecken, was erstmal nicht überraschend war, aber wir sollten das Hostel sogar wieder verlassen. Normalerweise darf man trotzdem immer in die Gemeinschaftsräume benutzen, nur eben nicht aufs Zimmer. Immerhin die großen Rucksäcke konnten wir dalassen, bevor wir wieder weggeschickt wurden.
Viel zu müde, um irgendetwas zu unternehmen, setzten wir uns auf Bänke nicht weit vom Hostel und suchten erstmal unser spärliches Frühstück zusammen. Es gab trockene Brötchen und die Olivenpaste, die wir in Mendoza gekauft hatten.
Am gleichen Tag buchten wir übrigens auch unseren Rückflug nach Hause. Am 22. April wollten wir mit einen Direktflug von Lima (Hauptstadt von Peru) nach Madrid fliegen. Von dort wäre Caro weiter nach Deutschland gereist, während ich mich mit Denise (ihr erinnert euch, mit Denise war ich schon in Europa unterwegs) in Dublin getroffen hätte und erst Anfang Mai nach Hause gekommen wäre. Ein bisschen aufgeregt waren wir schon und es war komisch, unserer Reise damit ein endgültiges Ende zu setzten. Natürlich hatten wir keine Ahnung, wie anders alles kommen würde und dass uns gerade mal noch eine Woche in Südamerika vergönnt war….
Nachmittags machten wir uns auf den Weg zum Museum MAAM (Museo de Arqueología de Alta Montana de Salta), dass uns von einem Zimmernachbarn empfohlen wurde. Wir hatten wenige Erwartungen, aber das Museum war echt spannend! Es ging um die Inka, und deren Kultur und Geschichte. Mir war gar nicht klar gewesen, wie groß das Reich der Inka gewesen ist! Das Zentrum lag dort, wo heute Cusco, eine Stadt im Süden Perus, liegt. Zwischen Salta und Cusco lagen aber nicht nur einige hundert Kilometer, sondern eben auch die Anden mit Pässen auf 5000 Meter Höhe. Und trotzdem waren die Inka bis in den Norden Argentiniens vorgestoßen. Beeindruckend.
Ab und an opferten die Inka ihren Göttern Kinder. Diese Kinder wurden oben auf den Bergen unter Steinen begraben und sind mumifiziert. Im Museum befinden sich ein paar dieser Kindermumien, die man dort auch sehen kann. Ein bisschen gruselig, wenn ich ehrlich bin, aber auch total faszinierend. Die Kinder sind wahnsinnig gut erhalten. In der Ausstellung selber durfte man keine Fotos machen, aber im Informationsraum danach schon, in dem u.a. Dokumentationen über die Bergung der Mumien liefen. Dort habe ich einen Bildschirm abfotografiert:
Der 8. März ist übrigens auch Weltfrauentag. Als wir aus dem Museum kamen, war am Plaza 9 de Julie, dem Hauptplatz der Stadt, an dem auch das Museum lag, wahnsinnig viel los. Jede Menge Demonstranten und Plakate.
Am nächsten Tag stand mal wieder Planung an. In Salta bieten viele Reiseveranstalter Tagestouren in die Umgebung an, die preislich aber extrem variieren. Außerdem mussten wir den nächsten Bus buchen. Das stellte sich mal wieder als kompliziert heraus, denn natürlich fuhren die Busse nicht regelmäßig oder auch nur täglich und wir wollten natürlich am völlig falschen Tag fahren… Nachdem wir eine weitere Nacht im Hostel gebucht hatten, kauften wir Tickets für einen Bus, der am Mittwoch, dem 11. März fuhr, und, ihr habt es geahnt, natürlich ein Nachtbus war. Der dritte in Folge. 🙄😂
Danach hatten wir keine Motivation mehr, auf den Hügel der Stadt zu laufen (es war auch wirklich heiß an dem Tag), sondern liefen zurück zum Plaza 9 de Julio und holten uns beim Grido einen ganzen Kilo Eis. 😍 (Den wir aber nicht sofort auf einmal aufaßen, sondern im Hostel ins Gefrierfach legten. 😉)
Durch das ganze Gelaufe durch die Stadt haben wir aber immerhin einen schönen neues Eindruck der Stadt bekommen.
Außerdem fanden wir auf dem Platz eine Gruppe Folkloretänzer. Eigentlich hatten wir extra eine spezielle Bar suchen wollen, in der diese Tänzer auftraten, deshalb freuten wir uns, schon tagsüber die Tänzer beobachten zu können. Die Gruppe bestand aus zwei Pärchen, die immer abwechselnd tanzten. Die nordargentininschen Tänzen sind Mischung aus spanischer Volksmusik und präkolubianischen Tänzen der Ureinwohner. Die Musik war meistens fröhlich und die Tänze schnell, mit vielen kleinen Schritten und Hüpfern. Wie immer kann ich leider kein Video einfügen, aber ich kann euch gerne eins zuschicken, denn es lohnt sich. Am Ende haben wir auch einige Pesos an die Tänzer gespendet.
Am nächsten Tag stand eine Tagestour mit einem Reiseveranstalter an. Wir hatten uns entschieden, zu den Salinas Grandes zu fahren, einer großen Salzfläche im Norden Saltas. (Die meisten aus unserem Hostel hatten sich gegen diese Tour entschieden, weil sie eh noch zu der großen Salzwüste in Bolivien wollten. Da wollten wir zwar auch unbedingt hin, aber durch die Unruhen in Bolivien waren wir vorsichtiger geworden und dachten uns: Besser, wir sehen zwei Salzwüsten, als gar keine. Tja, als hätten wir’s gewusst, am Tag vor unserer Abreise zu der bolivianischen Salzwüste saß ich schon im ersten Flugzeug nach Hause…)
Wir wurden morgens (halb acht) direkt am Hostel abgeholt. In einem Kleinbus, mit schätzungsweise fünfzehn anderen Leuten machten wir uns auf den Weg. Die Tour leitete eine Argentinierin, die sowohl auf spanisch als auch auf englisch mit uns allen redete.
In Salta war die Umgebung noch relativ grün (dort bleiben die Wolken nämlich hängen), aber schon bald wurde die Landschaft kärger, die Bäume weniger, bis die Landschaft an unsere Andendurchquerung von Santiago nach Mendoza erinnerte. Außerdem wuchsen überall Kakteen. Bevor wir in die Anden hereinfuhren, hielten wir kurz an, um den Ausblick auf einen Hügel mit sieben Farben zu bewundern. (Im Nachhinein ein kleiner Trost, denn die spektakulären Regenbogenberge in Peru haben wir ja auch erstmal verpasst).
Anschließend ging es hoch in die Anden. Der Pass, den wir überqueren mussten, lag fast 4200 Meter hoch. Unsere Tourleiterin informierte uns über verschiedene Symptome der Höhenkrankheit und was dagegen hilft. Wir hatten vor allem Kopfschmerzen, was aber auch einfach daran gelegen haben könnte, dass so viel darüber geredet wurde. Und kurzatmig waren wir natürlich auch. Das ist ziemlich spannend, man keucht zwar nicht, aber die Atemfrequenz steigt schon merklich an.

Fahrt nach oben 
Höchster Punkt 
Vicuñas mit Jungtier 😍😍 
Fahrt nach unten nach dem Pass (die kleine weiße Stelle zwischen den Bergen ist die Salzwüste)
An den Salinas Grandes durften wir nur 30 Minuten bleiben. Klingt hart, schließlich, war das das Ziel dieser Tagestour, aber dort ist die Sonneneinstrahlung extrem stark, zum einen durch die Höhe, zum anderen reflektiert das Salz noch zusätzlich. Die Zeit haben wir genutzt, die atemberaubende Kulisse aufzunehmen: weißer Boden bis zum Horizont, ganz in der Ferne die Berge. Darüber tiefblauer Himmel mit weißen Wattewölkchen. Atemberaubend.
Im Anschluss fuhren wir noch zu dem kleinen Ort Purmamarca, bei dem wir auf dem Hinweg schon kurz für den farbigen Hügel gehalten hatten. Der kleine Ort lebt definitiv vom Tourismus, aber hat sich trotzdem kaum verändert. Ein Fotovergleich mit meiner Oma, die dort vor etwas 25 Jahren war, zeigte die selbe Straße mit den selben Häusern.
Der Ort war echt süß. Voll mit Tourishops und Marktständen, bei denen wir echt in Verlockung kamen. Aber eigentlich wollten wir ja erst am Ende unserer Reise in Peru Souveniers kaufen… Ein buntes Haargummi kauften wir uns dann aber doch beide. 😇 Außerdem genossen wir die einzigen vegetarischen Empanadas, die wir finden konnten, und leckere Tortillas. Die Kirche des Dorfes wurde schon 1648 erbaut, was aber noch recht jung ist im Vergleich zu dem etwa tausend Jahre altem Johannisbrotbaum daneben.

Typische Gebäude mit farbigen Bergen im intergrund 
Kirche 
Johannisbrotbaum
Auf der Rückfahrt zum Hostel schliefen wir, wie die meisten unserer Gruppe. Der Tag war lang und voll gewesen, mit unfassbar vielen Eindrücken, Kakteen, bunten Bergen, einer Salzwüste und dünner Luft. In Salta kamen wir erst im Dunklen wieder an. Während wir alle nach und nach an unseren Unterkünften ausstiegen, sangen die Argentinier traditionelle Partylieder.
Ein besonderer Tag.
Unseren letzten Tag verbrachten wir erstmal mit Packen (mal wieder) und unterhielten uns mit Leuten aus dem Hostel. Als es nachmittags wieder abkühlte machten wir uns auf den Weg zum Cerro San Bernardo, den Stadthügel von Salta. Durch die Hitze und Feuchtigkeit hatten wir auch mal wieder ein richtiges Dschungelgefühl und ich kam ordentlich ins Schwitzen. So powerten wir uns auf dem Weg nach oben (jede Menge Stufen 😅) noch einmal richtig aus vor der kommenden Nachtfahrt und wurden mit einem schönen Blick über die Stadt belohnt.
Um Mitternacht holte uns ein Taxi vom Hostel ab und brachte uns zum Terminal. Von dort fuhren wir nach San Pedro de Atacama (Chile), dem ungeplant letzten Ort unserer Reise. Doch, wie auch schon Salta, verabschiedete sich auch dieser Ort mit spektakulären Erlebnissen von uns. Bleibt gespannt! 😉













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