Valparaíso

Valparaíso ist eine Hafenstadt mit etwa 250.000 Einwohnern, die westliche von Santiago de Chile liegt und uns immer wieder empfohlen wurde. Ursprünglich wollten wir auch gleich mehrere Tage dort verbringen, aber unsere Gastfamilie meinte, ein Tag würde auch ausreichen, sodass wir nur einen Tagesausflug dorthin machten.

Am Samstag, dem 29. Februar 2020, brachen wir schon früh auf, sodass wir gegen elf (nach etwa zwei Stunden Fahrt) in dem Ort ankamen.

Vorweg: Valparaíso ist vor allem bekannt für die große künstlerische Szene dort. Die Häuser sind alle bunt und viele Künstler haben in der Stadt ihr zu Hause gefunden. Aber mit Kunst gehen häufig auch Drogen einher, die Schattenseite der Stadt. Wie immer sollte man besonders bestimmte Viertel eher meiden. (Dort gibt es für Touristen aber eh nichts zu sehen…) In den letzten Monaten hatte sich Valparaíso außerdem einen Namen gemacht bezüglich der Proteste. Diese waren dort nämlich besonders ausgeartet. (Später erfuhren wir, dass in der Nacht vor unserer Ankunft ein Denkmal eingeschmolzen wurde, in dem dort Feuer gelegt und Böller gezündet wurden…) Die Stadt hat es also in sich.

Am Terminal fiel uns als erstes auf, wie kalt es war. Eine Hügelkette direkt vor der Stadt hielt alle Wolken über der Stadt, es nieselte und war mehr als zehn Grad kälter als in Santiago. Uff.

Außerdem gerieten wir direkt am Terminal mal wieder in Bedrängnis durch die zahlreichen Straßenverkäufer, die sich auf alle Touristen stürzten. Nervig!! Auf dem Bürgersteig lagen zusätzlich noch überall Hundehaufen verteilt. Es war kalt, laut, voll und dreckig. Unser erster Eindruck der Stadt war also eher enttäuschend.

Unser erstes Ziel, ein Platz auf Meereshöhe (Plaza Victoria), war von den Protesten ziemlich mitgenommen und wurden von eher zwielichtigen Gesellen bevölkert. Wir blieben also nicht lange, sondern machten uns gleich auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: dem Museum im ehemaligen haus des Schriftstellers Pablo Neruda. Der Eintrittspreis lag mit knapp zehn Euro eigentlich über dem, was wir ausgeben wollten, aber Trinidad hatte sehr von dem Haus geschwärmt und draußen war es durch den stärker gewordenen Regen auch eher ungemütlich.

Valparaíso liegt an einem steilen Hang, was den Weg zum Museum eher beschwerlich gemacht hat (an vielen Stellen gibt es deshalb übrigens auch Aufzüge in den Straßen), aber dafür hatte man von oben einen schönen Blick bis zum Meer. Es gab Audioguides auf deutsch, sodass wir während der Besichtigung viel lernen konnten. Das Haus, auch La Sebastiana genannt, besteht aus fünf Stockwerken, die jeweils einem Zweck gewidmet sind (Wohnbereich, Schlafzimmer, Arbeitszimmer,…). Nach oben hin werden sie immer kleiner, bis ganz oben nur noch ein Raum übrig geblieben ist. Viele Fenster mit Blick aufs Meer zeigten die ganze Pracht Valparaísos. (Oder hätten sie bei schönem Wetter gezeigt, denn durch die Wolken war alles ziemlich diesig…)

Im Anschluss fuhren wir mit einem Bus zum nächsten Ziel, dem Plaza Bismarck. Dort gab es nicht viel zu sehen, aber der Blick war schön. Die Busfahrt selber war aber mal wieder ein kleines Abenteuer gewesen. Der Busfahrer raste mit dem kleinen Bus um die Kurven und hielt bei jedem Stopp fast schon unwillig mit Vollbremsung und auch nur für ein paar Sekunden. Wir waren froh, dass wir überhaupt an der richtigen Haltestelle aus dem Bus kamen und auch, dass wir ab dort wieder gut zu Fuß gehen konnten. 😅😂

Unsere nächste Station war eine Dulcería, die besonders die kleinen Geschwister von Trinidad ganz toll fanden. Aufgemalte Ameisen auf den Bürgersteigen wiesen uns den Weg. Dort gab es hauptsächlich Bonbons zu kaufen und man konnte auch bei der Herstellung zugucken. ALs kleines Dankeschön für unsere schöne Zeit kauften wir Trinidads Familie eine kleine Dose Bonbons (und uns natürlich auch eine. 😇)

Anschließend schlenderten wir durch den Cerro Alegre, dem besonders bekannten Viertel Valparaísos mit viel Straßenkunst. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten die Stadt endlich ein bisschen genießen.

Auf dem Rückweg liefen wir durch ein paar weniger touristische Gassen, weshalb es wahnsinniges Glück war, das wir dort die schönsten Malereien überhaupt entdeckt haben. Zufällig trafen wir dort auch auf eine Streetart-Stadtführung, der wir ein bisschen lauschten. Ein Mann machte sich, berechtigterweise, Sorgen, dass solche Kunstwerke wie dieses durch Graffitis zerstört werden könnten. Zu unserer Erleichterung erklärte der Guide, dass ihm der Künstler erzählt habe, dass er diese Bilder mit einem speziellen Lack geschützt habe. Graffitis ließen sich so einfach wieder abwaschen. Das fanden wir sehr beruhigend. Natürlich sind nicht alle Kunstwerke der Stadt so geschützt, was wirklich schade ist, aber diese Bilder waren nun mal unsere absoluten Favoriten!

Gegen 18 Uhr fuhr unser Bus zurück nach Santiago. Nach zwanzig Minuten Fahrt war wieder strahlend blauer Himmel und in Santiago gingen wir auch noch um neun Uhr abends in der Hitze ein…

Von Valparaíso wird immer so geschwärmt und deshalb waren Caro und ich insgesamt, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Wenn ich mir jetzt die Bilder ansehe, ist es, als hätte ich eine andere Stadt fotografiert, denn in unserem Kopf ist die Stadt nicht so schön abgespeichert, leider. Dazu hat bestimmt auch das Wetter beigetragen, aber auch der Dreck und die Zerstörung. Die Stadt hat an dem Tag irgendwie eher die hässliche Seite raushängen lassen. Schade. Glücklicherweise macht man nur von den schönen Dingen Fotos, sodass ich mithilfe der Bilder langsam meine Erinnerung verschönern kann… 😇

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