Im ersten Teil über Santiago hatten wir ja noch im Hostel gelebt. In diesem zweiten Teil zogen wir um zu einer Freundin von mir. Trinidad war vor ein paar Jahren für drei Monate bei uns an der Schule und wir haben seitdem Kontakt gehalten. Sie lebt mit ihrer Familie am Rand von Santiago, sodass wir erstmal eine knappe Stunde Bus fahren mussten. Vorher mussten wir aber zuerst einmal überhaupt einen Bus erwischen. Unsere Haltestelle wurde nämlich gerade umgebaut und die Busse hielten, wo immer sie wollten (nur nicht da, wo wir standen natürlich). Außerdem machten sich manche Busfahrer auf der mehrspurigen Straße nicht mal die Mühe, an den Rand zu fahren. Wir brauchten alleine eine ganze Stunde, bis wir endlich im Bus saßen. Mit vollen Rücksäcken in der prallen Sonne, na Danke auch.
Endlich angekommen wurden wir sehr herzlich von der Familie empfangen. Die beiden jüngsten Geschwister (9 und 11) hatten keine Scheu und plapperten munter drauf los. Das war nach dem langen Tag und auch ganz allgemein ein wenig zu schnell und zu viel spanisch auf einmal. 😅 Aber alle waren sehr geduldig mit uns und mit der Zeit konnten wir uns immer besser mit allen unterhalten. Die paar Tage dort haben unserem spanisch so viel gebracht!
Am Abend zeigte uns Trinidad noch ihre Universität in der Nähe und den wunderschönen Ausblick von dort über Santiago. (Auf Bildern leider nicht mal halb so schön, deshalb gibt’s keine Fotos.) Sie zeigte uns auch das Sternbild Kreuz des Südens, das aus viel Sternen besteht. Ist ein wenig wie der Polarstern der Südhalbkugel.
Am nächsten Tag (Freitag, der 28. Februar übrigens) machten wir uns zu dritt auf zu Trinidads Lieblingsmuseum, dem Präkolumbianischem Kunstmuseum. Das Museum vermittelt einen tollen Eindruck über die verschiedenen Kulturen und ihre Kunst, im Verlauf der Geschichte und von Region zu Region. Wir lernten viel über die Maya, Mapuche, Azteken, Inka und einige mehr. Dazu gehörten zum Beispiel Mayahieroglyphen, Opferrituale, Handelsrouten, etc.
Ein Volk, die Wayuu (Kolumbien und Venezuela), glauben, dass die Seele im Fleisch einer Person gefangen ist. Nach dem Tod werden die Menschen erst normal beerdigt. Ein paar Jahre später gräbt man den Leichnam wieder aus und trennt das restliche Fleisch von den Knochen und beerdigen nur die Knochen in speziellen Urnen. Dadurch geht die Seele des Verstorbenen im Jenseits weiter und kann nun auch nicht mehr gerufen werden.
Die Maya verwendeten zum Zählen ein System aus Punkten (jeder Punkt zählt eins) und Strichen (jeder Strich zählt fünf). Die Striche werden horizontal gemalt und die Punkte darüber. Eine 13 ist also zwei horizontale Striche mit drei Punkten darüber.
In vielen Kulturen findet man außerdem einen Jaguar. Die Tiere haben im südlicheren Teil der Anden nie gelebt, sind aber auch dort ein mächtiges Symbol der Stärke geworden.


rituelle Vase 
Kokablätter in der Mund (rechte Wange) 









Das Museum war echt spannend und machte uns Lust auf Peru. (Im ehemaligen Inkazentrum Cusco gibt es besonders viel zu lernen, leider haben wir es dahin nicht mehr geschafft.)
Im Anschluss lernten wir noch Trinidads Oma kenne, die im bekannten Bankenviertel Santiagos lebt. Dort kann man die Wirtschaft und das Geld praktisch schmecken, während man zwischen den Wolkenkratzern hindurchläuft.
Santiago ist definitiv eine wohlhabende Stadt, aber die Schere zwischen arm und reich klafft auch hier stark auseinander, was eben auch zu Protesten führt. Besonders junge Leute und Studenten sehen keine Chancengleichheit und protestieren gegen die soziale Ungerechtigkeit. Studieren ist in Chile zum Beispiel ziemlich teuer und das kann sich nicht jede Familie leisten.
Anschließend besuchten wir noch einen hübschen park mit Flamingos und anderen bunten Vögeln.
Wie in Südamerika üblich gab es erst spät am Abend etwas zu essen, sodass wir nach Mitternacht total k.o. ins Bett fielen.
Am Samstag waren wir in Valparaíso, einer Stadt am Pazifik, die für ihre bunten Häuser und ihre Kunst bekannt ist. Dazu bekommt ihr einen extra Beitrag!
Am Sonntag, unserem letzten Tag in Santiago, sind wir mit Trinidad und zwei deutschen Mädchen, die wir in Puerto Natales kennengelernt hatten und die als Au-Pairs in Santiago waren, zum Bahai Tempel gefahren. Dort konnten wir uns gleich einen Vortrag zu dem Tempel anhören. Der war zwar auf spanisch, aber ich versuche trotzdem mal, das wichtigste wiederzugeben. Die Tempel gibt es auf der ganzen Welt und ihre Anhänger glauben daran, dass alle Weltreligionen im Prinzip das Gleiche meinen, sodass Anhänger aller Religionen dort willkommen sind. Trinidad, die katholisch erzogen wurde, stellte dazu viele Fragen, denen ich irgendwann nicht mehr folgen konnte. Die Tempel sind alle sehr schlicht im Inneren und es lassen sich auch keine Symbole irgendwelcher Religionen finden. Auch Musikinstrumente haben dort keinen Platz. Es herrschte ein strenges Ruhegebot und wir durften auch unsere Handys nicht benutzen (weder für Fotos, noch im spanische Inschriften zu übersetzen oder ähnliches). Von außen sehen einige Tempel, wie auch der in Santiago, aber eher ungewöhnlich aus. Alle Tempel haben aber gemeinsam, dass sie neun Türen haben, um die Offenheit aller Religionen gegenüber zu repräsentieren.
Von dem Tempel hatte man wieder einen schönen Blick über die Stadt. Aber auch der Smog war wieder nicht zu übersehen. Laut Trinidad war er aber auch besonders schlimm zu der Zeit, da durch das Wetter und die umliegenden Hügel kaum Wind wehte.
Am Abend kam Trinidads ältere Schwester nach Hause, die drei Monate in Spanien gewesen war. Es gab Kuchen und wir haben uns alle lange und gut unterhalten. Es war echt schade, dass wir am nächsten tag wieder fahren mussten, denn die Familie war einfach nett und wir fühlten uns dort sehr wohl. Aber Santiago hatte uns mal wieder gezeigt, dass wir Großstädten nicht ganz so viel abgewinnen können und wir hatten alles gesehen, was wir sehen wollten.
Es wurde Zeit für unsere nächsten Ziele!



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