Kurz vor der chilenischen Grenze wachte ich wieder im Bus auf, die Sonne war inzwischen aufgegangen und beleuchtete die Landschaft um mich herum. Zwei Dinge fielen mir auf: ein markanter Berg im Hintergrund, der sich nach einer kurzen Recherche als mein allererster Vulkan entpuppte, und eine ganz besondere Baumart, für die die Region auch bekannt ist, die Araukarien. Ein sehr faszinierender Anblick und ganz offensichtlich nicht mehr patagonisch.
In Pucón kamen wir kurz vor Mittag an. Nachdem wir so früh aufgestanden waren (um fünf), legten wir uns erstmal kurz hin und machten uns erst am späten Nachmittag auf erkundungstour. Wie gewohnt lief ich im Zwiebellook mit langer Hose, T-Shirt und Fleece los. Schnell merkten wir aber, dass das Klima in Pucón anders war als noch auf der anderen Seite der Anden in Argentinien. Denn auch wenn wir uns gar nicht weit nach Norden bewegt hatten, waren es hier fast dreißig Grad, während es in Bariloche und San Martín de los Andes meistens nicht über zwanzig Grad kam und wir nur selten im T-Shirt unterwegs sein konnten. Ein weiteres Zeichen, dass wir Patagonien nun endgültig hinter uns gelassen hatten.
Pucón ist ein süßer, kleiner Ort, der ganz offensichtlich gut vom Tourismus leben kann. Und was man dort alles machen kann! Da bleiben wirklich kaum Wünsche offen. Und wir standen vor den zahlreichen Anbietern und konnten uns kaum entscheiden: Ausritte, Rafting-Touren, geführte Vulkanbesteigungen, Entspannung in einer der vielen Thermen, Wanderungen durch Araukarienwälder, Paddeln auf dem See und vieles mehr, genug für zwei Wochen Aufenthalt. Nur für den Geldbeutel ist der Ort nicht gut, denn die Preise haben es in sich. Deshalb entschieden wir uns, nur eine Aktivität zu machen. Die Vulkanbesteigung war als Aushängeschild des Ortes mit über 100 Euros natürlich am teuersten. Wir hätten uns vielleicht aber trotzdem zu so viel Geld überwunden, immerhin steht man nicht alle Tage an einem Vulkankrater und schaut sich Magma an, aber mein Knöchel war für die extrem anspruchsvolle Tour (1400 Höhenmeter über Geröll und Eis) einfach noch nicht wieder fit genug. Deshalb ließen wir dieses Highlight aus. (Knöcheltechnisch bestimmt die bessere Entscheidung, inzwischen denke ich allerdings doch etwas wehmütig zurück und hätte die Tour gerne gemacht. Nächstes Mal!!) Auch gegen den Ausritt entschieden wir uns letztendlich. Die Entscheidung fiel auf die vulkanischen Thermen, doch davon gab es auch eine Menge, die sich alle sehr Unterschieden. Am Ende buchten wir eine der teuersten Touren zu den Termas Geométricas, die besonders naturbelassen war, (also keine Schwimmingpooloptik,) und besonders gut bewertet wurde. Nachdem alles geplant war, bummelten wir noch ein wenig durch den Ort, bevor wir müde im Hostel ins Bett fielen. (Ihr erinnert euch, wir waren um fünf Uhr morgens aufgestanden…)
Am nächsten Morgen (21. Februar 2020) konnte Caro ausschlafen, während ich wieder im Morgengrauen aufstand, diesmal aus einem ganz anderen Grund. Um sieben Uhr morgens (chilenische Zeit) wurde zu Hause meine Oma beerdigt und ich wollte währenddessen ein wenig für mich sein und aus der Ferne an sie denken. Dafür setzte ich mich im Sonnenaufgang ans Ufer des Sees und besuchte später auch noch den Friedhof des Ortes.

Sonnenaufgang in der Bucht 
Ureinwohner vor dem Villarica Vulkan
Zu der Therme ging es erst abends los (17:30), denn dann ist die Stimmung dort besonders schön. Doch zuerst mussten wir über zwei Stunden in einem kleinen Bus über die Straßen und Feldwege rumpeln. Vor Ort angekommen spürte ich sofort, dass dieser Ort wirklich etwas besonderes war. Die Anlage erstreckt sich über etwa 1,2 Kilometer durch eine schmale Schlucht. Das heiße Wasser aus dem Erdinneren fließt dort natürlich entlang und wird nur zwischendurch immer wieder in die zahlreichen kleinen Becken abgeleitet. Diese sind sehr naturbelassen und in die felsigen Wände der Schlucht gehauen, mit verschiedenen Pflanzen ringsherum. Dazwischen führt ein leuchtend roter Steg über das Wasser von Becken zu Becken. Zwischen den Holzplatten stieg der Dampf des heißen Wassers auf. Es roch leicht nach Schwefel, aber nicht unangenehm.
Nachdem wir uns umgezogen hatten, sperrten wir auch unsere Handys ein, die brauchten wir beim Baden schließlich nicht, sodass wir leider kaum Bilder gemacht haben. (Hier findet ihr aber fantastische Bilder auf Ecosia und könnt euch einen schönen Eindruck verschaffen.)
Da die Sonne inzwischen schon weg war (20.30 etwa), freuten wir uns sehr auf die heißen Becken. Die ersten waren uns allerdings doch etwas zu überfüllt. Schließlich fanden wir ein ganz kleines Becken, dass unter einem Felsvorsprung versteckt war. Wie an jedem Pool gab ein Schild am Rand die ungefähre Wassertemperatur an: 44°C. Kalt wie uns war, klang das super. Nachdem unsere Beine kurz gekocht wurden, begriffen wir, warum dieser Pool leer gewesen war und auch, dass die angegebenen Temperaturen nur mit Vorsicht zu glauben sind, denn das Wasser war wesentlich heißer. Von Becken zu Becken arbeiteten wir uns zum Ende des Steges vor, an dem ein schön angeleuchteter Wasserfall auf uns wartete. Dieser diente allerdings hauptsächlich als Fotomotiv, denn das Wasser war nur wenige Grad kalt und selbst für meine schneeerprobten Füße viel zu kalt.
Als es langsam dunkel wurde, wurden an jedem Pool Kerzen entzündet und die Stege mit Lichterketten beleuchtet, während über uns die Sterne funkelten. Magisch und wunderschön. Der Ausflug war definitiv etwas ganz besonders und ganz anders, als unsere sonstigen Aktivitäten.
Nach drei Stunden machten wir uns wieder auf den Rückweg und kamen gegen eins in Pucón an.

links der Steg, rechts spiegeln sich die Kerzen im Wasser
Am nächsten Tag planten wir eine Wanderung im Nahe gelegenen Nationalpark Huerquehue. (Na, wie habt ihr das ausgesprochen? Das sieht irgendwie nicht spanisch aus, oder? Ist es auch nicht, denn wir waren jetzt im Gebiet der Mapuches angekommen.) Nachdem wir erst so spät abends wieder zurückgekommen waren, verschliefen wir den ersten Bus zum Nationalpark und konnten deshalb erst gegen Mittag aufbrechen. Am Parkeingang mussten wir immer eine Eintrittsgebühr zahlen, außerdem kamen unsere Sonnencreme und unserer Insektenschutz mal wieder zum Einsatz. Es war inzwischen ziemlich heiß und schwül und wir schon ohne Bewegung am Schwitzen. Definitiv ganz anders als in Patagonien hier.
Unserer Wanderweg hieß Tres Lagos und führte zu drei verschiedenen Seen. Dafür mussten wir aber erstmal ziemlich viel bergauf. Dafür waren die Ausblicke am Ende umso schöner. Leider reichte unsere Zeit nicht mehr, auch um die Seen herumzulaufen, da wir rechtzeitig wieder am Nationalparkeingang seien mussten für den letzten Bus zurück nach Pucón.
Die Busse sind eher ausgebaute Sprinter und bieten daher nicht viel Platz, sind dafür aber besser auf den engen und kurvigen Schotterstraßen unterwegs. Auf dem Rückweg hatten wir großes Glück, einen Sitzplatz bekommen zu haben, denn es warteten wesentlich mehr Menschen auf den Bus als Plätze vorhanden waren. Caro hat es in ihrem Blog sehr schön zusammengefasst: in Südamerika wird das dann halt passend gemacht, aber die Rückfahrt war wirklich sehr kuschelig.



Blick auf See, Villarica Vulkan im Hintergrund. Am hinteren Ufer des Sees sind wir etwa gestartet 



Araukarien vor türkisfarbenem See
Zurück in Pucón mussten wir leider schon wieder packen, denn unsere Zeit in dem süßen kleinen Urlaubsort war schon wieder vorbei. Im Nachhinein wären wir beide aber bestimmt auch gerne noch länger geblieben!


habe mich wieder an die Araukarien in Italien u. Spanien erinnert. Dein Bild mit dem Vulkan ist superb und Deine Beschreibungen der Therme auch, Wunderschöne Bilder! Doti
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