San Carlos de Bariloche wird häufig als die Schweiz Südamerikas bezeichnet. Bei unserer Ankunft (am 14. Februar 2020) sahen wir auch schon vom weiten die Berge und blauen Seen, die mich wirklich ein wenig an die Schweiz erinnerten. Vom Nahem fallen dann aber doch die Unterschiede auf. Vor allem die Wälder sind noch sehr patagonisch, die typischen Bäume und Sträucher wie vorher auch schon, gemischt mit Pflanzen aus nördlicheren Regionen. (Bariloche wird übrigens auch immer wieder als Tor von Patagonien bezeichnet. Wer vom Norden in den Süden reist, sieht hier zum ersten Mal patagonische Landschaft.)
Nachdem wir nach 24 Stunden Fahrt am ersten Abend erstmal ziemlich k.o ins Bett gefallen sind, erkundeten wir nach einem phänomenalen Frühstück (das beste der Reise, würde ich sagen. Es gab einfach alles!) die Stadt. Bariloche ist im Winter der Skiort Argentiniens, dementsprechend fanden wir viele überteuerte Outdoor- und Markenläden. Generell war die Innenstadt super touristisch. Ziemlich anstrengend. Da Bariloche auch für Schokolade bekannt ist, holten wir uns in einem der teuren Geschäfte eine kleine Schachtel Schokolade, die wir selber zusammenstellen konnten. (Dabei lernten wir ein paar neue Vokabeln, denn natürlich kannten wir nicht alle Sorten. Als wir den Verkäufer fragten, was denn Maní wäre, meinte dieser nur: maní es maní. Sehr hilfreich. Verstanden haben wir es erst, als er noch hinzufügte, dass man das häufig zu Bier bekommen würde. Erdnüsse. Tadaa, wieder was gelernt.)

Platz mir Rathaus 
Erinnert ihr euch an die Mütter und Großmütter, die für Klarheit über ihre ermordeten und verschwundenen Familienmitglieder demonstrieren? Die Kopftücher sind ihr Zeichen. 
Unsere Schokolade für etwa 7,50€
Anschließend mussten wir das Hostel wechseln. Nachdem wir umgezogen waren, entspannten wir uns erstmal ein wenig. Mein Knöchel tat leider immer noch weh, war aber zum Glück nicht dick geworden. Ich verordnete mir selbst Ruhe und entschied, erstmal nicht damit ins Krankenhaus zu gehen. (Wir hatten unterwegs mal einen Blick ins Wartezimmer einer Notaufnahme geworfen. Diesmal war das Krankenhaus nicht privat sondern öffentlich und deshalb schon etwas heruntergekommen. Außerdem hätten wir vermutlich mehrere Stunden warten müssen und das war es mir nicht wert gewesen.)
Abends zogen wir aber nochmal los, mit zwei Frauen aus unserem Zimmer, einer Deutschen und einer Argentinierin aus Buenos Aires. Wir gingen alle zusammen was trinken und hatten einen schönen Abend.
Am nächsten Tag blieb ich knöchelbedingt im Hostel, während Caro wandern ging. Sie versprach mir viele Fotos und ich nutzte die Zeit für Blog schreiben und erste Uni-Recherchen. Abends stellte sich heraus, dass die Tour so einfach zu laufen war, dass ich entschied, sie am nächsten Tag doch selber zu versuchen.
Nach einer knappen Stunde Fahrt in einem überfüllten Linienbus, dafür aber mit tollem Blick auf den See, kam ich am Parque Municipal Llao-Llao an. Der Rund war insgesamt knapp zehn Kilometer lang und leicht zu begehen. Gleich am Anfang lief ich durch einen Wald mit besonders hohen Bäumen, die toll im leichten Wind rauschten. Anschließend kam ich zum Bosque de Arrayanes, übersetzt Myrtenwald, allerdings wird er auf deutschen Blogs als Zimtwald bezeichnet. Diesen Namen finde ich auch wesentlich passender, denn die Bäume sehen tatsächlich aus, wie meterhohe Zimtstangen.



Zimtstangen-Ast
Der weitere Weg führte durch verschiedene Wälder, mit immer wieder tollen Blicken auf verschiedene Seen.

Einer der vielen Strände (gab auch Sandstrände, alle sehr unterschiedlich) 
Riesiger Baumstamm 
Hohe Bäume
Gegen Ende der Wanderung gab es noch einen Aussichtpunkt, für den man allerdings zwanzig Minuten steil bergauf laufen musste. Da mein Knöchel bis dahin aber gut mitgemacht hatte, beschloss ich, mir den Ausblick auch noch zu gönnen. Das war definitiv die richtige Entscheidung!
Caro hatte die Tour ja schon am Vortag gemacht, (für uns beide übrigens die erste Tagesaktion ohne den jeweils anderen,) und war an diesem Tag auf einen anderen Berg gewandert. Die Tour war sehr anspruchsvoll, dafür gab’s am Ende aber auch echt schöne Ausblicke. Hier könnt ihr Caros Wanderung nachlesen (etwa auf der Hälfte des Beitrags).
Am nächsten Tag wollten wir schon wieder abreisen. Allerdings lag das Terminal ein wenig außerhalb des Ortes und wir hatten bisher noch kein Ticket kaufen können. (Online hatte es mal wieder nicht funktioniert.) Am nächsten Morgen frühstückten wir also erstmal (das Frühstück war im zweiten Hostel übrigens katastrophal, eine halbe Scheibe Toast und Marmelade etwa, weshalb ich immer noch mehrere Tassen heißes Wasser mit Milchpulver trank, um irgendwie satt zu werden,) und machten uns anschließend auf den Weg zum Terminal. Wir verpassten beinahe unsere Haltestelle, wurden aber von jemandem im Bus darauf hingewiesen und der Busfahrer hielt nochmal für uns an. Das ist das schöne in Südamerika, irgendwie passen die Menschen mehr gegenseitig auf sich auf.
Im Terminal angekommen waren natürlich alle Busse ausverkauft, bis auf einen, der allerdings erst abends fuhr. Wir wollten aber eh wieder nur ein paar Stunden weiter, deshalb war das kein Problem. Unsere großen Rucksäcke gaben wir am Terminal für wenig Geld ab und machten uns anschließend auf zum Schokoladenmuseum der Stadt.
Dieses stellte sich als kleiner Geheimtipp heraus, denn 1. roch es fantastisch dort, 2. kostete der Eintritt nur etwa zwei Euro, 3. war das Museum echt spannend und 4. bekam man Kakao gratis dazu. Was will man mehr?
Die Führung war zwar auf spanisch, aber wir lernten trotzdem einiges über Kakao, die Herstellung von Schokolade und vor allem über die Geschichte der Produktion. Einige Beispiele:
1828 erfand der Holländer Conrad Van Houten eine Presse, um die Kakaobutter von der restlichen Schokoladenpaste zu trennen.
1870 startete Rudolph Lindt seine Schokoladenproduktion in der Schweiz.
Heiße Schokolade wurde früher zeitweise als Getränk für Frauen angesehen, die sich dafür regelmäßig trafen und dann bis zu sechs Tassen hintereinander tranken.
Hernán Cortés sagte 1519, dass eine Tasse dieses wunderbaren Getränks ausreiche, um einen Mann einen Tag ohne Essen wandern lassen zu können.
Die Azteken, die Kakao durch die Maya kennenlernten, tranken bei den Zeremonien für ihre Götter häufig cacahuatl, ein kaltes und würzig bis bitteres Getränk.
Kakaobohnen waren früher ein wichtiges Handelsgut, unser Sprichwort Geld wächst (nicht) an Bäumen lässt sich darauf zurückführen.
Laut Judith Viorst erkennt man wahre Stärke daran, dass derjenige es schafft, eine Tafel Schokolade mit den Händen in vier Stücke zu brechen, aber nur eines davon zu essen.
Der Kakao, von dem die Rede ist, lässt sich übrigens nicht mit unserem fadem, wässrigen Kakao vergleichen. Wir durften alle mal echten Kakao probieren, der so viel Kakaobutter enthielt, dass die Flüssigkeit vom Becher abperlte und besser schmeckte als jeder andere Kakao, den ich je getrunken habe (einschließlich der Kakaos aus südeuropäischen Ländern, die eher an flüssigen Pudding erinnern und wirklich toll sind). Selbst geschmolzene Schokolade kommt gegen den Kakao nicht an, denn ohne Zusatzstoffe schmeckt’s eben am besten.
Nach der Führung, die etwa eine halbe Stunde dauerte, konnten wir noch die großen Figuren aus Schokolade bestaunen. Vom Verkaufsraum (quasi Museumsshop und Café zusammen) aus konnte man außerdem in die Produktionshallen gucken und der Herstellung der Schokolade zugucken, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. An manchen Tagen gibt es auch Führungen durch die Hallen, die ich mir total spannend vorstelle.

Bester Kakao 
So viel Schokolade 
Na, wer erkennt die hier wieder?
Bevor unser Bus gegen 18 Uhr fuhr, hatten wir noch ein wenig Zeit, die wir am See saßen und lasen. Zumindest, bis uns ein gefährlich aussehender Vogel unser Mittagessen streitig machen wollte.
Später mussten wir noch am Terminal warten und dann war unser Bus da und wir ließen Bariloche und damit auch Patagonien endgültig hinter uns. Ein bisschen komisches Gefühl, denn Patagonien war ein Traum von mir gewesen, wo ich immer mal hin wollte, und jetzt war’s abgehakt von meiner Liste. Aber ich freute mich auch auf die Wüsten und Urwälder, die noch vor uns lagen!







Ich habe natürlich alle gelesen, sind das wirklich schon 50? Bin froh, dass es noch nicht der letzte war. Die Lieblingskommentatorin
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