El Chaltén

Nachdem Papa sich beschwert hat, nie zu wissen, wo die ganzen Orte eigentlich liegen, von denen ich immer berichte, habe ich mal eine Karte eingefügt. Die Pins lassen sich leider nicht gut setzten, aber eine Orientierung solltet ihr trotzdem bekommen können.

El Chaltén ist ein kleiner Ort in Patagonien, nur drei Autostunden von El Calafate entfernt und hauptsächlich dafür bekannt, ein wahres Wanderparadies zu sein. Nachdem wir nur wenige Tage vorher im Nationalpark Torres del Paine unterwegs gewesen waren, freuten wir uns auf die Touren, als wir am 9. Februar 2020 dort ankamen. Da die Fahrt so kurz war, konnten wir noch am selben Tag loswandern.

Für den Anfang hatten wir uns eine kurze Tour ausgesucht, nur wenige Kilometer. Der Weg führte auf eine Anhöhe, von der wir einen schönen Blick über den Ort und auf den benachbarten See hatten. Unsere Zeit versprach wunderschön zu werden.

Für den nächsten Tag war das beste Wetter angekündigt worden, sodass wir uns direkt an die bekannteste Wanderung des Ortes machten: zum Hausberg Fitz Roy. Beziehungsweise zu der Laguna de los Tres, den eigentlichen Berg kann man nicht so einfach besteigen. Für die zehn Kilometer und etwa 750 Höhenmeter dorthin sollte man laut Infotafel am Nationalparkhaus etwa vier Stunden einplanen (Hinweg). Außerdem wurde der Weg als besonders steil bezeichnet und vor Wind und Regen gewarnt. Davon ließen wir uns aber nicht beirren und marschierten fröhlich los.

Der Weg führte abwechselnd über Wiesen und durch Wald, immer bergauf, aber nicht unangenehm steil. Zwischendurch hatten ir einen tollen Blick auf den Fitz Roy. (Allerdings auch, auf was noch vor uns lag, auch wenn uns das zu dem Zeitpunkt nicht so bewusst war.)

Anschließend führte der Weg für einige Kilometer fast eben durch die Landschaft und machte richtig Spaß beim Laufen.

Doch dann, der allerletzte Kilometer, der war fies. Jetzt verstanden wir auch die Warnungen, denn es wurde echt steil. Zwar mussten wir nicht gegen Wind und Regen ankämpfen, aber die Sonne machte das ganze auch sehr anstrengend. (Tatsächlich wird man auch überall vor der Sonne gewarnt. Durch die kühlen Temperaturen unterschätzen viele die UV-Strahlung, die ziemlich hoch ist. Sonnencreme Typ 50 und Kopfschutz sind bei klarem Wetter ein Muss. Unsere Cappies hatten wir natürlich vergessen, sodass wir uns unsere Schals um den Kopf wickelten, um keinen Sonnenstich zu bekommen.) Der steile Anstieg wurde dafür aber mit einem fantastischem Blick auf die Lagune und den Fitz Roy belohnt. Wie immer machten wir erstmal Pause und genossen die Aussicht. Wow, war das schön!!

Später liefen wir auch noch bis zum Wasser runter und bewunderten eine zweite Lagune (links von der ersten, in der gleichen Farbe, mit kleinem Wasserfall.) Auch der Blick zurück ins Tal war nicht zu verübeln.

Der Rückweg den steilen Teil hinunter war anstrengend, danach ging es. Wir waren trotzdem ziemlich k.o., als wir abends im Hostel ankamen.

Am nächsten Tag war das Wetter bedeutend schlechter und wir ließen es langsam angehen. Erst gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zu einem Wasserfall. Die Strecke war fast ebenerdig (zumindest im Vergleich zu unseren sonstigen Touren) und auch nur ein paar Kilometer lang. Dafür musste man Teile auf der Schotterstraße laufen und sich von Autos viel zu knapp überholen lassen. Zusammen mit dem kalten Wind und dem andauernden Regen definitiv nicht unsere Lieblingstour. Dafür aber ein angnehmer Pausentag mit einigen entspannten Stunden im Hostel.

Außerdem nutzen wir den Tag, um unserer Weiterfahrt am nächsten Tag zu buchen. Zumindest versuchten wir es, aber die Busse fuhren nur alle zwei Tage. Mist. Also würden wir noch einen weiteren Tag in El Chaltén bleiben. So eine schlimme Strafe war das nicht, schließlich wartetend noch einige Wanderungen auf uns.

Am folgenden Tag war das Wetter auch schon wieder um einiges besser und wir machten uns auf zu der wohl anspruchsvollsten Wanderung, die man an einem Tag schaffen konnte. (Mit eigenem Zelt hätten wir nämlich auch wieder Mehrtagestouren machen können. Also direkt vom Ort aus. Ein wirkliches Paradies für Wanderer.) Für die zehn Kilometer Hinweg waren wieder vier Stunden angegeben, diesmal allerdings mit 1000 Höhenmetern. Dafür sollte man besonders bei klarem Wetter mit einem fantastischem Panoramablick belohnt werden. Na dann mal los!

Der Weg startete an der selben Stelle wie die Halbtagestour am ersten Tag, löste sich dann aber schnell von den angenehmen Pfaden und führte kontinuierlich bergauf. Dabei liefen wir durch die wunderschöne, aber karge patagonische Landschaft und bewunderten eine Blumenwiese nach der anderen. Später erreichten wir ein Waldstück und genossen das besondere Licht, dass ich nur aus diesen Wäldern kenne. Dunkle, mit Flechten bewachsene Stämme und darüber, nur an der Krone, kleine, helle grüne Blätter, die den Wald total märchenhaft erscheinen lassen.

Nachdem wir das Waldstück hinter uns gelassen hatten, liefen wir als nächstes über Geröll, anfangs noch mit Gras bewachsen, irgendwann komplett kahl. Von dem stetigen bergauf waren wir inzwischen ziemlich angestrengt und freuten uns, als wir den letzten Hügel erklommen. Doch dann, Oh nein!, tauschte hinter der Kuppe des Hügels die eigentliche Steigung zum Ziel auf. In einem Blog ist die Rede von 350 Höhenmetern, also ein gutes Drittel aller Höhenmeter, vereint auf wenigen hundert Metern. Wir waren nicht die einzigen, die bei diesem Anblick stöhnten und einige Wanderer um uns herum beschlossen, einfach auf der Anhöhe davor zu bleiben. (Die ist tatsächlich auch schon als Zwischenziel vermerkt und ich kann es keinem verdenken, dort bleiben zu wollen. Zumal der Ausblick von dort auch nicht schlecht war.)

Naja, wir wollten nicht aufgeben und machten uns auf den Weg bergauf. Unterwegs bauchten wir zwar einige Stehpausen, (so haben wir Pausen beim Wandern genannt, wenn man so k.o. war, dass man einfach kurz mal stehenbleiben wollte, bis man wieder halbwegs klarkam,) und den letzten Teil mussten wir richtig klettern, aber dann war es geschafft und wir waren oben. Und was soll man sagen, der Ausblick war wirklich fantastisch. falls ihr mal nach El Chaltén kommen solltet, lauft unbedingt diese Tour und quält euch auch den letzten Teil nach oben.

Wunderschön. Aber kalt war es dort oben! Ich glaube, das war bei fast allen Wanderungen der Grund, warum wir den Rückweg angetreten haben. Nicht weil wir uns sattgesehen hätten, sondern weil wir ausgekühlt sind und uns dringend wieder bewegen wollten.

Der Rückweg fing ziemlich anstrengend an, vor allem der Teil zu klettern war eine Herausforderung. Nachdem wir das steile Stück hinter uns gelassen hatten kamen wir aber gut voran und marschierten munter bergab.

Wir hatten schon den Wald hinter uns gelassen und liefen durch die Gräser und Wiesen, als wir durch einen Abschnitt mit hohen Büschen kamen, durch die nur ein sehr schmaler Trampelpfad führte. Die folgende Situation zitiere ich wörtlich:
Was Caro sagt: Wir haben ein Problem!
Was ich denke: Haben wir vielleicht keine Tomatensauce gekauft?
Nein, unser Problem war tatsächlich größer als fehlende Tomatensauce. Ein Stier kam uns auf dem engen Pfad entgegen. Durch die hohen Büsche rechts und links blieb uns nichts anderes übrig, als den kehrt zu machen und zurück auf die letzte Wiese zu laufen. Dort befand sich ein großer Stein, auf den wir kletterten und warteten. Der Stier hatte es nämlich überhaupt nicht eilig. Irgendwann kam er aber dann doch aus dem Waldstück getrottet und nach einigem hin und her war unser Weg wieder frei. Ich glaube nicht, dass sich der Stier besonders für uns interessiert hat, aber für uns war das auf jeden Fall ein kleine Abenteuer.

An unserem letzten Tag wanderten wir natürlich auch wieder, allerdings eine leichtere Tour. Auf die neun Kilometer kamen dieses Mal nur 250 Höhenmeter. Das Wetter war wieder schlechter und wir liefen regelmäßig im Regen. Auch sonst war die Tour anstregend, vielleicht weil wir inzwischen schon so viele Wanderungen in den Beinen hatten. Deshalb sparten wir uns auch die letzten zwei Kilometer mit nochmal 100 Höhenmetern zum Aussichtspunkt und blieben an der Lagune sitzen. Der Blick auf den Gletscher war auch von dort schön, uns war kalt und durch den Regen und die Wolken war die Aussicht eh nicht so super.

Auf dem Rückweg passierte mir dann das, was bei so vielen Wanderungen vermutlich unvermeidlich ist: ich knickte um. Auch wenn meine Wanderschuhe vermutlich das Schliummste abgefangen hatten, wusste ich sofort, dass irgendwas nicht stimmte. Aber erstmal zurück zum Hostel. Zum Glück waren es dahin nur noch ein oder zwei Kilometer. Dort machten wir erstmal Pause, aßen zu Abend und ich konnte meinen Fuß etwas hochlegen. Als wir uns später auf den Weg zum Terminal machten, um unseren Nachtbus nach Bariloche zu nehmen, merkte ich den Fuß leider immer noch. Mist.

Die Fahrt nach Bariloche dauerte einen ganzen Tag und kostete uns ein Vermögen. (Etwa 100 Euro, für Südamerika ein wirklich unverschämter Preis. Leider liegt El Chaltén so abgelegen, dass die Möglichkeiten zu reisen sehr begrenzt sind und uns nichts anderes übrig blieb, als deinen der überteuerten Busse zu nehmen.) Obwohl wir nach Ushuaia fat dreimal so lange unterwegs waren, fanden wir beide diese Fahrt irgendwie total anstrengend. Dazu kam, dass wir das gereichte Essen nicht vertrugen und beide mit Bauchschmerzen zu kämpfen hatten. Nervig. Aber auch so eine Fahrt geht irgendwann vorbei und wir konnten in Bariloche in unsere Betten fallen.


Wusstet ihr schon, was das kleine Viereck auf der Karte neben El Chaltén zu bedeuten hat? Es sieht so aus, als läge dort zwischen Chile und Argentinien ein weiteres Land, denn rechts und links davon verlaufen die eigentlichen Ländergrenzen. Doch ein solches Land existiert nicht. Worum könnte es sich hierbei handeln? Scrollt ruhig nochmal hoch und schaut es euch an.

Was ihr dort auf der Karte sehen könnt, ist das Campo del Hielo Sur, auf deutsch südliches Eisfeld. Hatte ich vorher auch ich nie was von gehört, ist aber eigentlich ziemlich cool. Es handelt sich dabei um eine Eisfläche vom etwa 13.000 Quadratkilometern, die drittgrößte Eisfläche der Welt (nach der Antarktis und Grönland) und das größte Süßwasserreservoir in Südamerika. Da die Fläche immer noch nicht exakt vermessen werden konnte, (Teile konnten sogar noch nicht mal betreten werden,) vereinbarten Argentinien und Chile 1998, die Fläche zu einer besonderen Zone zu erklären und keinem der beiden Länder direkt zuzuordnen. Cool, oder? Und, wer hat’s gewusst?

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