Nach Martínez, dem Vorort von Buenos Aires, mussten wir etwa eine halbe Stunde Zugfahren. Den Preis hatten wir vorher schon online herausgefunden (Cómo Llego, die App für öffentlichen Nahverkehr in Buenos Aires), aber nicht so recht glauben können. Doch es stimmte tatsächlich: für die halbe Stunde zahlten wir pro Person 15,5 Pesos, etwa 23 Cent. Wenn nur Bahnfahren in Deutschland auch so günstig wäre!!
Nach einem Fußmarsch erreichten wir das Haus von Anamaria, bei der wir die nächsten Tage lieberweise unterkommen durften. Wir hatten sogar die obere Etage mit eigener Küche ganz für uns. Was ein Luxus.
Ich hatte ja im letzten Beitrag erwähnt, dass wir Verwandte von mir besuchen. Es hat eine kleine Weile gedauert, bis ich selber komplett die Verwandtschaftsverhältnisse durchstiegen hatte. 😅 Anamaria ist die Schwester von Carlitos und dessen Exfrau Röse ist die Cousine meiner Oma. Nur so zur Orientierung.
Anamaria und Ramona, ihre Alltagshelferin, haben uns ganz lieb mit Pizza empfangen und wir haben uns ein wenig unterhalten. Ramona spricht allerdings nur spanisch und nach einer Weile merkten wir, wie lange wir an dem Tag schon wieder unterwegs waren und zogen uns ein wenig zurück.
Später am Abend hat uns spontan Angelika (die neue Frau von Carlitos) abgeholt und mitgenommen in ein großes Einkaufszentrum. Praktisch, einkaufen mussten wir nämlich eh noch. Allerdings sind wir als erstes in der Shopping-Abteilung gelandet und haben aus Spaß ein paar Sachen anprobiert. Tja, so ziemlich alle Sachen haben uns gepasst und gefallen. Mist, das passte so gar nicht zu unserem Vorsatz, erstmal keine Souvenirs mehr zu kaufen. Nach längerem hin und her entschieden wir uns beide für das gleiche Kleid.
Anschließend kauften wir im Supermarkt mit dem passenden Namen „Jumbo“ ein. Der Laden war echt gigantisch und wir hatten ein wenig Zeitdruck, da wir pünktlich wieder am Treffpunkt mit Angelika sein wollten. Zum Glück haben wir alles rechtzeitig gefunden. An der Kasse dann mal wieder festgestellt, dass wir das Gemüse vorher hätten abwiegen lassen müssen. Das ist hier häufig so und diesmal hatten wir sogar nach einer Theke Ausschau gehalten, sie nur einfach nicht gesehen. Während Caro zurück lief, wartete ich an der Kasse, erklärte der Verkäuferin unseren Reisepass und hoffte, dass unsere Kreditkarte akzeptiert werden würde. Wurde sie zum Glück. 😅😇 Das war schließlich ein für unsere Verhältnisse sehr teurer Einkauf. Ganze 982,14 argentinische Pesos haben wir gezahlt, also fast 15 Euro. Soll ja auch für mehrere Tage reichen das Essen.
Anschließend lud uns Angelika zum Essen ein, was wir sehr gerne annahmen. Das „kleine Abendessen“ bestand aus zwei Salaten, Brot, Sojaschnitzeln für uns, Gemüse und Kartoffelbrei. Zum Nachtisch gab es Eis. Wir waren im Paradies. Das Essen war wahnsinnig lecker und die Gespräche entspannt. Gegen Ende des Abends fanden uns auch die beiden großen Schäferhunde weniger aufregend, die uns vorher immer wieder aufgeregt beschnüffelt hatten.
Am nächsten Tag schliefen wir erstmal ein wenig aus und frühstückten entspannt. Um kurz nach zwei holte uns Röse ab und nahm uns mit nach Tigre, einem kleinen Ort im Norden. Dort liegen im Flussdelta viele bewohnte Inseln, die wir uns in einer einstündigen Bootstour angeschaut haben.
Besonders die Häuser sind mir in Erinnerung geblieben, beziehungsweise deren Unterschiedlichkeit. Von großen Fachwerkhäusern und kleinen, skandinavisch angehauchten Holzhäusern über Häuser, die ich so nur aus Andalusien und Bildern aus Afrika kenne, bis zu modernen Bauten mit großen Fenstern und klaren Kanten, war alles dabei. Viele Häuser standen auf Stelzen, um bei Hochwasser möglichst wenig Schaden zu bekommen.
Unser großes Ausflugsschiff konnte natürlich nur die großen Kanäle befahren. Die kleinen, ruhigen Seitenkanäle faszinierten mich aber mindestens genauso und machten mir Lust auf eine Erkundungstour im Kajak.
Auf der anderen Seite des Kanals wartete eine tolle Eisdiele auf uns. Ich habe mich für Maracuja und Schokolade Orange entschieden.

Danach sind Caro und ich noch ein wenig am Ufer entlang geschlendert, während Röse in einem Café auf uns gewartet hat. Ein sehr schöner Ausflug!

Am Samstag (18. Januar) haben wir wieder bis zehn geschlafen und ganz gemütlich gefrühstückt. Um halb eins haben wir uns auf den Weg zurück nach Buenos Aires und in das Viertel La Boca gemacht, um dort an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Bei Tag sieht das Viertel so anders aus als abends!
Das Viertel La Boca sah früher (vor etwa 200 Jahren) mal ganz anders aus. Dort liegt nämlich der erste Hafen der Stadt. Buenos Aires war damals auch nicht so groß und wohlhabend, sondern eher eine kleine Hafenstadt. Auch wenn die Stadt selber keine große Rolle spielte, der Hafen war sehr wichtig für den Kontinent. Denn damals gab es den Panamakanal natürlich noch nicht. Deshalb musste jedes Schiff, dass auf die andere Seite von Südamerika wollte, um den Süden herum fahren. Buenos Aires war der Hafen, um Vorräte aufzufüllen und alles vor der beschwerlichen Reise zu erledigen. Daher stammt auch der Name der Stadt: Buenos Aires bedeutet übersetzt Gute Luft und entstand als Bitte der Seefahrer an die Heilige Santa María del Buen Ayre für gute Winde, die sie schnell und sicher über das Meer zu bringen sollten. Die Arbeiter am Hafen bestanden hauptsächlich (95% etwa) aus immigrierten Italienern, die direkt am Hafen in sehr einfachen Häusern wohnten. Um diese vor Wind und Wetter zu schützen, strichen sie die Häuser mit allen Resten der Schiffsfarben an, die übrig blieben. Dadurch entstanden die kunterbunten Häuser, für die das Viertel unter anderem bekannt ist. Allerdings waren die Häuser damals nicht vergleichbar gestrichen wie heute. Die Farben leuchteten nicht so und waren ohne Regelmäßigkeit aufgetragen worden. Die Hafenwand soll an die ursprüngliche Färbung erinnern:

Der Kontrast zwischen den bunten Häusern und der harten Arbeit der Seeleute wurde bald zu einem beliebten Motiv für Künstler und die Kunst ein weiter wesentlicher Bestandteil des Viertels. Genauso wie der Tango, für den das Viertel ebenfalls bekannt ist.
Heute ist das Viertel sehr touristisch, aber immer noch arm, und ganz anders als der Rest der Stadt. Die Bewohner nennen das Viertel auch República de la Boca, sehen es also eher als kleinen Staat als als Stadtteil.

Tagsüber ist es viel voller 
Kunst an den Hauswänden 


Tangotänzer auf der Straße 

Bolzplatz
Die Kunst widmete sich aber auch der traurigen argentinischen Geschichte, die ich schon im letzten Beitrag erwähnt habe. An einer Mauer kann man die Mütter und Großmütter sehen, die für ihre Kinder und Enkel auf die Straße gehen, und die Sonne, die, erzürnt über die Geschichte, daneben vom brennt.
Anschließend besuchten wir das Fußballstadion im Viertel (allerdings nur von außen), und lernten etwas über die Geschichte des Vereins und dew Sports im Viertel. Das Stadion ist außergewöhnlich klein, da der Verein nur zwei Blocks Fläche con der Stadt bekam. Die Tribünen sind deshalb sehr steil und ragen zum Teil sogar über den Bürgersteig. Dadurch liegt das Spielfeld auch sehr nahe an der Straße. Durch einen Spalt im Tor konnten wir sehen, dass es nur etwa zehn Meter von uns entfernt lag. Die Farben des Vereins sind Blau und Gelb. Warum? Lange konnten man sich nicht einigen, da viele Farben schon vergeben an andere Vereine waren. Ihr erinnert euch, La Boca ist eigentlich ein Hafenviertel. Und so entstand schließlich die Idee, die Vereinsfarben nach der Flagge des nächsten einfahrenden Schiffes zu gestalten. Tja, dieses kam aus Stockholm und deshalb zieren nun die schwedischen Farben das Stadion.

Tribüne 

Blick aufs Spielfeld 
Fußball ist im Viertel aber generell ein großes Thema, nachdem Maradona (einer der besten Fußballer jemals) in seiner Jugend in eben diesem Verein gespielt hatte. Die Hoffnung der großen Karriere liegt über jedem Bolzplatz.

Maradona 
Messi
Nach dieser spannenden Tour machten wir uns wieder auf den Rückweg nach Martínez. Aber am nächsten Tag ging’s gleich schon wieder nach Buenos Aires, diesmal zu einem bekannten Markt, der nur Sonntags stattfindet. (19. Januar.) Dort schlenderten wir ein wenig durch die Gegend und bewunderten die handgefertigten Kunstwerke, wie Schmuck, Schnitzerein, Lederarbeit und Gemälde. Außerdem entdeckten wir einen wirklich einzigartigen Second-hand-laden, in den wir ursprünglich nur vor der Hitze flüchteten. Das Angebot dort war absolut schräg. Bunt zusammen gewürfelt und immer wenn ich dachte, verrückter ginge es nicht mehr, wurde ich schnell eines besseren belehrt.
Bevor wir uns wieder auf dem Heimweg machen konnten, mussten wir erst noch die Bustickets für die nächste Fahrt kaufen. Also ging’s zum Terminal. Nach langem hin und her und vielen Planänderung kauften wir schließlich gleich mehrere Tickets. (Über die Fahrt habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben, da erfahrt ihr mehr dazu.) Leider konnten wir nicht wie erhofft schon am nächsten Tag fahren, sondern erst Dienstag. Aber so hatten wir die Möglichkeit, uns noch einmal in Ruhe Tigre anzuschauen und auch Röse noch einmal wieder zu sehen.
In Tigre gibt es nämlich ebenfalls einen Markt, den Hafen der Früchte, Puerto de Frutas. An dem Tag war es wahnsinnig heiß, und wir krochen eher über die Straßen und schmolzen in der heißen Mittagssonne. Was wir nicht bedacht hatten, war, dass wegen eben dieser Mittagssonne die meisten Leute Siesta hielten und die Stände verweist und geschlossen waren. Nur ein paar Läden waren geöffnet, in denen wir die Klimaanlage und auch das Fehlen der Menschenmassen genossen.
Am Abend trafen wir uns noch einmal mit Röse und fuhren zusammen mit Anamaria und Ramona zu einem kleinen Restaurant am Fluss. Von dort aus hatten wir einen fanatischen Blick auf Buenos Aires, eine wunderschöne Abendstimmung und leckere Pommes.
Ein toller Abschluss unserer schönen Zeit in Buenos Aires!

Da heute ja internationaler Frauentag ist, hier noch eine Bank aus Tigre. Die Inschrift lautet: En memoria de todas las mujeres asesinadas por quienes decían amarlas. Die Bank ist also im Gedächtnis an all die Frauen errichtet worden, die von Menschen ermordet wurden, die sagten sie zu lieben.























