Buenos Aires (1/2)

Über Buenos Aires haben wir uns vorher überhaupt nicht informiert. Wir wussten nur: Hauptstadt von Argentinien, international, viele Einwohner und ein krasser Kontrast zu Carlos Pellegrini.

Aber bevor wir dort ankamen, stand uns erstmal unsere erste Nachtfahrt bevor. Nachdem wir ganze sieben Stunden am Busbahnhof in Mercedes warten mussten, kam dann endlich gegen elf Uhr abends unser Bus. Leider zusammen mit einigen anderen Bussen, die ebenfalls alle nach Buenos Aires fuhren, sodass wir erstmal von einem Bus zum nächsten eilen mussten. Nervig.

Im Bus selber dann das nächste Ärgernis: unsere Plätze waren besetzt und wir nicht in der Lage, zu klären warum. Der in unserer Verwirrung dazugeholten Busfahrer fand dann heraus, dass die Klimaanlage auslief und einige Plätze volltropfte. Die betreffenden Fahrgäste waren deshalb unter anderem auf unsere Plätze geflüchtet . Blöderweise mussten nun wir auf uns zugeteilte Plätze ausweichen, sodass wir getrennt saßen. (Worauf wir uns beim Rucksack packen nicht vorbereitet hatten. Caro hatte so zum Beispiel fast kein Essen bei sich.) Ich wurde nach ganz vorne gesetzt, was ich vielleicht hätte genießen können, wäre der Platz nicht ebenfalls von der tropfenden Klimaanlage betroffen gewesen. Um die Nacht zusammenzufassen: es war beschissen. Kaltes Wasser tropfte die ganze Zeit auf meinen Hinterkopf und lief mir den Rücken herunter. Meinen Sitz konnte ich kein bisschen nach hinten lehnen, denn dann wäre ich dem Wasser noch viel stärker ausgesetzt gewesen. Wie immer war die Klimaanlage zu kalt eingestellt und mit meinen nassen Klamotten fror ich ganz furchtbar. Der Tag war lang gewesen und die Nacht davor kurz (ihr erinnert euch, nur etwa zweieinhalb Stunden Schlaf) und ich wollte einfach nur noch meine Ruhe und schlafen können. Stattdessen fühlte ich mich krank und elend und nickte immer nur kurz ein. Ich traute mich kaum, auf die Uhr zu schauen, weil ich nicht sehen wollte, wie viele Stunden noch vor mir lagen. Es ist wohl keine Überraschung, dass ich mich sehr freute, gegen halb acht am nächsten Morgen endlich anzukommen. (Da konnte ich dann auch endlich erfahren, wie es Caro ergangen war: keine Klimaanlage, aber eine äußerst unangenehme Sitznachbarin. Ansonsten ganz okay geschlafen.)

Immerhin ein schöner Sonnenaufgang

Nach dreißig Minuten Fußmarsch erreichten wir unser Hostel im Zentrum der Stadt und konnten glücklicherweise auch schon bald einchecken. Die nächsten Stunden verbrachten wir im Zimmer. Nach nur etwa fünf Stunden Schlaf innerhalb der letzten 48 Stunden war ich auch nicht zu viel mehr zu gebrauchen.

Später am Nachmittag zogen wir nochmal los, um die Gegend ein bisschen zu erkunden. Die Lage des Hostels war echt gut, denn total viele Sehenswürdigkeiten lagen nur wenige Blocks entfernt.

Am nächsten Morgen stürmte es und wir frühstückten erstmal ganz entspannt. Anschließend zogen wir los, da wir im großen Park in der Nähe spazieren gehen wollten. Vor Ort mussten wir aber leider feststellen, dass dieser wegen des schlechten Wetters vom Vormittag geschlossen worden war. Also musste eine Planänderung her. Als erstes liefen wir wieder zurück zum Bahnhof und kauften dort eine SUBE-Karte für jede von uns. Diese Karten kann man überall aufladen, um damit die Metro und die Busse zu bezahlen. So konnten wir uns jetzt auch zu etwas weiter weg gelehenden Zielen bewegen. Als erstes fuhren wir zum Friedhof Recoleta, der uns noch von Donna und Simon empfohlen worden war. Dort liegen viele berühmte Persönlichkeiten, die uns aber leider fast alle nichts sagten. 😅 Der Friedhof ist aber so oder so wahnsinnig beeindruckend. Schmale Wege schlängeln sich zwischen großen Gruften entlang, welche zum Teil schon sehr alt sind. Manchmal konnte man die Särge im Inneren sehen, was irgendwie sehr merkwürdig war. Der älteste Sag war etwa 200 Jahre alt. Ein komisches Gefühl, nur einen halben Meter von der letzten Ruhestätte eines Menschen entfernt zu stehen und nur die Hand ausstrecken zu müssen, um den Deckel des Sarges anheben n zu können. Viele Gruften waren sehr herausgeputzt, andere waren komplett heruntergekommen und verschüttet. Häufig führte auch nur eine enge Treppe nach unten und im obere Bereich war nur ein Altar zum Beten aufgebaut.

Anschließend setzten wir uns in den angrenzenden Park in den Schatten eines gigantischen Baumes.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg zurück zum Hostel. Dabei liefen wir an der Kirche des Friedhofs vorbei, der wir einen kurzen Besuch abstatteten.

Daneben lag ein Kulturzentrum, mit einem süßen Außenbereich, mit Liegestühlen und allem. Spontan beschlossen wir, hier ein wenig zu bleiben. Lesend ließen wir den Abend ausklingen.

Am nächsten Morgen stürmte es schon wieder. Also warteten wir wieder ein wenig ab, um dann nachmittags, als das Wetter endlich wieder aufklarte, bei einer Free Walking Tour mitzulaufen. Die Tour führte entlang vieler historischer Gebäude. Die meisten hatten wir schon auf eigene Faust besichtigt, aber es war schön, auch noch etwas zur Geschichte dahinter zu erfahren.

Zum Beispiel erfuhren wir, welchen Einfluss italienische, französische und spanische Architektur auf die Stadtgestaltung vor etwa zweihundert Jahren hatten. Gerade Städte wie Rom, Paris und Barcelona wurden als großes Vorbild genommen. Kein Wunder, dass wir uns von Anfang an an diese Städte erinnert gefühlt haben. Viele Gebäude weisen wirklich eine große Ähnlichkeit zu europäischen Altstädten auf. Dazwischen entdeckt man allerdings auch immer wieder scheußliche Betonbauten aus den siebziger Jahren. Damals wurden viele ältere Gebäude, die jetzt alle unter Schutz stehen, abgerissen, um mehr billigen Wohnraum zu schaffen. Schade.

Außerdem besuchten wir die Avenida 9 de Julio, die von den Argentiniern als breiteste Straße überhaupt bezeichnet wird. Das stimmt zwar nicht, das ist den Argentiniern aber egal. Die Straße wirkt wirklich unglaublich breit, (140 Meter, wenn ich mich richtig erinnere,) aber dabei zählen auch noch die daneben verlaufenden Straßen dazu, die eben nicht zur Avenida dazugehören.

Am Regierungsgebäude erfuhren wir außerdem etwas über die beiden Bewegungen Madres de Plaza de Mayo und Abuelos de Plaza de Mayo. Vor etwa 40 Jahren herrschte in Argentinien eine Militärdiktatur. Während dieser Zeit wurden viele Regierungsgegner entführt, gefoltert und dann verschwinden gelassen. Die Mütter dieser Leute, die Madres protestieren seitdem regelmäßig auf dem Plaza de Mayo vor dem Regierungsgebäude. Anfangs versammelten sie sich einfach nur auf dem Platz, da ein offener Protest viel zu gefährlich gewesen wäre. Bis heute sind die meisten Geschichten nicht geklärt worden und die Mütter wissen nicht, was auch ihren Kindern geworden ist. Für diese Aufklärung und eine strafrechtliche Verfolgung demonstrieren sie heute.

Die Großmütter, die Abuelas, sind dagegen auf der Suche nach ihren Enkelkindern. Die Kinder von Regierungsgegnern wurden diesen weggenommen und an andere Familien gegeben. Auch wenn auch dieses Vorgehen vertuscht wurde, werden tatsächlich immer wieder Enkelkinder gefunden. (Vor ein paar Monaten das letzten Mal, wenn ich mich richtig erinnere.)

Puh, ganz schön ernstes Thema. Und ganz schön traurige Geschichte des Landes. Dabei soll euch doch das Lesen meines Blogs Freude bereiten! Wie wär’s mit einem kleinen Ratespiel? Was glaubt ihr, was das hier für ein Gebäude ist?

Das Gebäude steht nämlich auch an dem Platz und wir sind vorher immer daran vorbei gelaufen, da wir es eben nicht erkannt haben. Dabei haben wir eigentlich sogar danach gesucht. Es handelt sich hierbei nämlich um (Trommelwirbel bitte) eine Kathedrale. Wer hätte das gedacht? Von außen erinnert das Gebäude schließlich mehr an einen antiken Palast. Im Inneren sieht aber alles wieder ganz normal kirchlich aus.

In der Kathedrale ist außerdem der General San Martín beerdigt. Der Name sagt euch was? Das liegt daran, dass in Argentinien alles mögliche nach ihm benannt ist. Irgendwann muss ich mal einen Beitrag zu wichtigen Personen Argentiniens machen, oder so was.

Später am Nachmittag entschieden wir uns, noch schnell in das bekannte Viertel La Boca zu fahren. Wir dachten eigentlich, dass das Viertel besonders für die abendliche Szene mit Bars und Tangotänzern. Vor Ort mussten wir schnell feststellen, dass wir uns in dem Punkt gerirrt hatten, denn es war überhaupt nichts mehr los. Das Gute daran war, dass wir ohne großes touristisches Gedränge die bunten Gebäude bewundern konnten. Dafür ist das Viertel nämlich bekannt. Aber obwohl es erst kurz nach sieben Uhr war und die Sonne gerade erst unterging (es also noch fast taghell war), fühlten wir uns nicht sicher und machten uns relativ bald wieder auf den Heimweg.

Am nächsten Tag mussten wir aus dem Hostel auschecken. Vorher starteten wir aber einen neuen Versuch mit dem Stadtpark und diesmal hatten wir tatsächlich Glück. Der Park war geöffnet und wir genossen den langen Spaziergang abseits des städtischen Trubels. Am Wasser setzten wir uns eine Weile hin und lasen mal wieder. Dabei haben wir uns natürlich einen Sonnenbrand geholt. Der letzte war ja auch schon echt wieder zu lange her… 🙄 Naja, der Fluss, an dem wir saßen, heißt Rio de la Plata (Fluss des Silbers) und ist der breiteste Fluss der Welt (48 km bis 220 km Breite).

Anschließend liefen wir zurück zum Hostel, wo wir unsere Backpacks gelagert hatten, um uns auf den Weg nach Martínez, ein Vorort von Buenos Aires, zu machen. Dort leben nämlich Verwandte von mir, die ich natürlich nur zu gerne kennenlernen wollte. Aber darüber lest ihr dann im zweiten Teil!

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