Unser Pick-up holte uns um sieben Uhr morgens am Hostel ab. Kein Problem, ich konnte dann ja einfach im Auto weiterschlafen. Dachte ich zumindest. Denn unser Fahrer sprach nicht nur fließend englisch, sondern kannte sich auch mit allen möglichen Themen aus. Das Gespräch, das sich zwischen ihm und Simon (ihr erinnert euch, wir sind mit einem Pärchen aus England unterwegs) entwickelte, war viel zu spannend, um schlafen zu können.
Auch wenn das Ganze nicht schon etwas her wäre (über einen Monat, upsi), könnte ich euch nicht alles gelernte wiedergeben, dafür waren es zu viele und zu komplexe Informationen. Aber ich gebe jetzt mal kurz mein Bestes.

Als erstes haben wir etwas über die politische Situation in Argentinien erfahren. Unser Fahrer berichtete uns über die Unzufriedenheit der Bevölkerung und seinen Hoffnungen für das Land. Laut seiner Aussage war Argentinien Ende des 20. Jahrhunderts auf gutem Wege, ein Land wie Kanada oder Australien zu werden, den Ruf des Landes, den Tourismus und die Ökonomie betreffend. Allerdings kamen vor zwanzig Jahren die seiner Meinung nach falschen Leute an die Macht, die Argentinien herunterwirtschafteten. Auch wenn sich die Regierung vor einigen Jahren wieder geändert hat, müsse das Land sich immer noch davon erholen. Auch die starke Inflation des argentinischen Pesos sieht er darin begründet. Ich kann hier nur seine Ansicht weitergeben, ich kenne mich viel zu wenig aus, um eine eigene Meinung zu haben. Spannend zum zuhören war es auf jeden Fall.
Anschließend erzählte er uns von der politischen Geschichte von Argentinien, Paraguay, Brasilien und Uruguay. Paraguay war nämlich mal viel größer. Die Grenzen, wie wir sie heute kennen, sind unter anderem durch die Entscheidung und Fehler eines Mannes namens López (glaube ich) und seines Sohnes vor etwa 150 Jahren (glaube ich) entstanden. Von der Kriegsgeschichte Südamerikas hatte ich noch gar keine Ahnung, weshalb ich äußerst interessiert zuhörte.
In Südamerika gibt es auch eine Art Länderbund, der uns schon an den Wasserfällen aufgefallen ist, denn Leute aus diesen Ländern zahlen zum Beispiel weniger Eintritt. Daraus entwickelte sich ein Gespräch über die Unterschiede zur EU und die Vor- und Nachteile dieser. Auch sehr interessant. Genauso wie die Informationen über englische Geschichte und Politik, die wir gleich mitbekamen.
Beim Thema Migration konnten wir auch mal ein bisschen mitreden, wenn auch erstmal sehr vorsichtig. Der Schock aus Mbocayaty saß (und sitzt immer noch) tief. Zum Glück waren sich alle im Auto mehr oder weniger einig, sodass überhaupt keine unangenehme Situation entstand.
Nachdem wir nach etwa einer oder anderthalb Stunden Fahrt von einer asphaltierten Straße auf einen Schotterweg abgebogen waren, fuhren wir nun entlang des Nationalparks in Richtung Carlos Pellegrini. Unser Fahrer (ich wünschte, ich wüsste seinen Namen noch…) erklärte uns nicht nur komplexe Themen, sondern hielt auch immer wieder an, sodass wir uns ein paar Tiere anschauen konnten. So hatten wir schon vor unserer Ankunft Ñandus gesehen, Vögel, die aussehen wie kleine Vogelstrauße, Störche, jede Menge verschiedener Raubvögel, Kaimane und Sumpfhirsche, eine Hirscheart, deren breite Hufe besonders gut für sumpfige Gegenden geeignet sind.

Sumpfhirsch 
Kaiman
Außerdem erklärte uns die Geschichte des Nationalparks ein wenig. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, wurde das Gebiet erst im Dezember 2018 zum Nationalpark erklärt. Natürlich wurde auch schon davor auf Naturschutz geachtet, aber dies war nicht immer so.
Momentan habe ich nicht die nötige Internetverbindung, um alles gründlich zu recherchieren. Deshalb kann ich nur aufschreiben, was uns erzählt wurde und woran ich mich erinnern kann. Angaben also alle ohne Gewähr 😉
Laut unseres Fahrers wurde ein Großteil des Sumpfgebiets von einem reichen Pärchen gekauft, um es zu schützen und zu retten und anschließend dem Nationalpark übergeben. Den Gründern von der Marke The North Face. Angeblich haben die das auch an anderen Orten gemacht, um die Natur dort zu schützen. Muss ich mal genauer recherchieren, aber klingt nach ner ziemlich coolen Aktion. (Ansonsten wird der Kauf von Länderrein durch woghhabende Ausländer von vielen Argentiniern kritisch gesehen, da es Preise in die Höhe treibe und Auswirkungen auf die einheimischen Strukturen habe, so unser Fahrer.)
Am späten Vormittag erreichten wir den Ort Carlos Pellegrini. Unser Gasthaus war super süß und die Besitzerin sehr nett. Es gab sogar einen Pool! Was bei der Hitze, die schon vormittags kaum auszuhalten war, ein wares Geschenk war.

Unser Gasthaus von außen
Mit Donna hatte ich Telefonnummern getauscht und wir verabredeten uns zum Wandern am Nachmittag. Vorher zogen Caro und ich aber los, den Ort ein wenig zu erkunden.
Viel gab es nicht zu sehen, aber irgendwie war das eine Attraktion für sich. Zur Mittagszeit waren alle vernunftbegabte Menschen in ihren Häusern, statt in der Sonne zu verglühen. Dementsprechend war niemand außer uns zwei Pappnasen unterwegs und die Straßen ausgestorben.

Hauptstraße 
Ein wenig Schatten im Park
Nicht, dass es dort jemals trubelig zugehen würde, egal zu welcher Zeit. In dem Ort ist so wenig los, dass sogar die Pferde frei herumlaufen können, wie Straßenhunde. Ziemlich cool.

Als wir uns um vier mit Donna und Simon trafen, waren es über vierzig Grad und die Sonne knallte vom Himmel. Trotzdem machten wir uns auf den Weg. Außerhalb des Ortes lag ein kleines Nationalparkhaus, ehrenamtlich betrieben, und ein paar Wege zum Wandern. Allerdings ist das nicht wirklich das richtige Wort, da alles komplett flach und der längste Weg etwa zwei Kilometer lang ist.



Weg zum Nationalpark 

Karte des Nationalparks
Wegen der Hitze schafften wir trotzdem nicht alle Wege. 😅 Als erstes liefen wir den kürzesten Weg, da dieser durch ein kleines Waldstück ging und wir dringend Schatten brauchten. (Grün auf der Karte.)
Nach zehn Minuten waren wir allerdings schon wieder zurück. Diesmal entschieden wir uns für den Weg am Wasser entlang, da wir diesen für den wichtigsten hielten (braun). Über Stege liefen wir direkt an den Sümpfen entlang und bekamen einen schönen ersten Eindruck der Natur vorort.


Hirschkuh 
Na, wie viele Capivaras findet ihr?
Über manche Tiere freut man sich, über andere weniger. Zur zweiten Seite gehörte definitiv meine nächste Tierbegegnung. Im einen Moment tauschte ich mich noch mit Simon über den Brexit und ähnliches aus, im nächsten Moment machte ich leicht quitschend einen Schlenker zu Seite. Direkt neben meiner Hand sonnte sich nämlich eine kleine Schlange in der Sonne. Oder hatte sich gesonnt, denn die Schlange fand mich anscheinend genauso prickelnd wie ich sie und flüchtete in den Sumpf. Das alles ging so schnell, dass niemand ein Bild von der Schlange machen konnte. Schade eigentlich, denn jetzt im Nachhinein wüsste ich total gerne, was für eine Schlange das war. Falls sich jemand mit südamerikanischen Sumpfschlangen auskennt: dieses Exemplare war etwa armlang, so dick wie mein kleiner Finger und leuchtend grün-gelb, ohne nennenswertes Muster.

Zurück am Nationalparkhaus liefen wir nochmal zwei Capivaras über den Weg. Obwohl Donna und Simon schon über ein Jahr in Südamerika unterwegs waren, hatten sie noch nie welche gesehen und waren entsprechend begeistert. Also stand erstmal ein großes Fotoshooting an.
Abends haben wir uns mit den beiden (Donna und Simon, nicht den Capivaras) noch im einzigen wirklichen Pub des Ortes auf was zu Trinken getroffen. Caro und ich teilten uns dabei zwei Cocktails. Zum einem eine Piña Colada, da das der einzige Cocktail war, den wir kannten. Für unseren zweiten ließen wir uns vom etwas verwirrten Barkeeper beraten (auf spanisch selbstverständlich) und entschieden uns für einen Cocktail mit Schokolade. Zum einen, weil wir mal wieder auf Schokoladenentzug waren, zum anderem, weil wir echt neugierig waren, wie das so schmeckt. Fazit: lecker. Wie Fertigkakao mit Wodka (nach Simon und mir) oder Rum (nach Caro).
Am nächsten Morgen war schon wieder frühes Aufstehen angesagt, denn wir hatten eine Bootstour gebucht. Aufgrund der Hitze fahren diese nur morgens und abends. Aber alle empfahlen uns die frühe Tour, da um diese Zeit mehr Tiere aktiv sind. Also standen wir um kurz vor sieben am Bootssteg, selbstverständlich mit schicken orangenen Schwimmwesten.
Die Tour war wirklich wunderbar. Wir haben so viele verschiedene Tiere gesehen. Gleich am Anfang schaltete unser Guide den Motor aus und schob uns Mithilfe eines langes Bambusstabs zwischen dem Schilfgras hindurch. So kamen wir ganz nah heran an Sumpfhirsche, Capivaras und Kaimane.

Sumpfhirsche 
Kaiman direkt neben unserem Boot
Anschließend fuhren wir zu einer der Inseln auf dem See, wo wir viele verschiedene Vögel und – natürlich – wieder Capivaras sahen. (Um Carlos Pellegrini ist es echt schwerer, keine Capivaras zu sehen, als alle zehn Minuten welche zu entdecken. Ein Traum.) Zu den Vögeln gehörten Störche, Reiher, Raubvögel und Chajas. Chajas sind große, für die Gegend typische Vögel, die für ihre Monogamie bekannt sind. Man sieht sie deshalb auch immer zu zweit. Ein einzelner Vogel bedeutet, dass dessen Partner verstorben ist und dieser nun alleine ist und für den Rest seines Lebens um seinen verlorenen Partner trauert. Zum Glück haben wir fast nie einzelne Tiere gesehen. (Auf deutsch heißen Chajas übrigens Halsband-Wehrvogel. 😂 Auch englisch ist nicht wirklich überzeugend: Southern Screamer. Da gefällt mir Chaja echt besser! 😂😂 Der Name kommt übrigens vom Ruf der Vögel, der ähnlich wie Chaja (gesprochen tschacha) klingt.)

Badenes Capivara 

Zwei Chajas am Ufer 
Spannender Vogel 
Chaja im Anflug 


Aufgeschreckter Vogel 
Storch 
Kaiman 
😍😍
An einem anderen Ufer fuhren wir auf bis einen Meter Nähe an einen Kaiman heran, ziemlich beeindruckend!! Wieder hatten Caro und ich Glück, denn wir durften ganz vorne im Boot sitzen und hatten deshalb den besten Blick.

Als wäre das alles nicht schon atemberaubend genug gewesen, entstand auf unserem Rückweg noch ein Regenbogen über den Inseln, unter dem eine Hirschkuh graste. Fast schon ein bisschen kitschig, ich weiß.
Und weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, gibt’s hier noch ein paar Fotos vom Wasser:

Atemberaubender Himmel spiegelt sich auf dem Wasser 
Unser Boot 
Die Sonne kommt raus!
Nach der Bootstour stand dann erstmal Frühstück für Caro und mich an. Das war ebenfalls fantastisch!!

Glücklicherweise hatten wir unsere Bootstour so früh gemacht, denn nach dem Essen schlug das Wetter um und ein Sturm zog auf. Selbst der Strom fiel aus. (Okay, da waren wir sogar drauf vorbereitet, so selten passiert das in Carlos Pellegrini nämlich nicht. In jedem Blogbeitrag war davon berichtet worden. 😅)
Also verbrachten wir den restlichen Tag im Zimmer. Unser Ausritt am Abend fiel ebenfalls ins Wasser (haha). Aber wir konnten einen Termin für den nächsten Morgen ausmachen, also war das nicht weiter schlimm.
Erst am Abend kam die Sonne wieder raus und ich bin losgezogen, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Dabei entdeckte ich einen kleinen Aussichtsturm mit fantastischem Blick. Direkt am Wasser, mit hunderten Glühwürmchen um mich herum (die hier aus irgendeinem Grund blinken, statt nur zu leuchten…).
Am nächsten Tag durften wir reiten!! 😍 Glücklicherweise hatte sich das Wetter inzwischen auch wieder beruhigt und es herrschten angenehme zwanzig Grad. Da der Ausritt erst um neun war, konnten wir sogar voher noch frühstücken.
Unser Guide stellte sich als klassicher Gaucho (quasi ein südamerikanischer Cowboy) heraus. Er trug sogar die typischen Klamotten: eine weite Hose und flache, einfache Schuhe. Wie alle im Ort sprach auch er nur spanisch, allerdings hatte er offensichtlich schon genug Touristen getroffen, um auch ein vereinfachtes spanisch zu beherrschen. Trotzdem sind Caro und ich sehr stolz, uns die ganzen zwei Stunden mit ihm unterhalten zu haben. Dabei erzählte er uns viel über das Leben in Carlos Pellegrini (er war dort aufgewachsen) und wir versuchten umgekehrt, von Deutschland zu erzählen. Außerdem tauschten wir uns über verschiedene Reitstyle aus, denn er ritt ganz anders als wir das gelernt haben. Nur mit einer Hand, weit nach hinten gelehnt. Die Füße trieben viel weiter hinten am Bauch, wurden aber besonders im Tran und Galopp nach vorne gestreckt. Auch die Hilfen sind ganz anders. Das wir nur mit kleinen Bewegungen der Finger lenken, fand er sehr komisch, denn die Pferde dort werden mit Bewegungen der ganzen Hand über den Pferdehals gelenkt (ein absolutes No-go bei uns).
Pferde, ganz entspannt vor, während und nach dem Ausritt
Die Pferde waren super brav. Wir ritten über die Weiden seiner Familie und er erzählte uns viel über die Pflanzen und Tiere dort. Eins unserer absoluten Highlights war auf jeden Fall das Eulenpärchen, dass an einem Zaunpfahl nistete. Leider habe ich fast alle spanischen Wörter, die unser Guide uns beigebracht hat, bereits wieder vergessen. 😅 Auch Bilder gibt es kaum, denn mein Handy blieb was die ganze Zeit in meiner Bauchtasche verstaut.
Nach dem Ausritt sind wir noch einmal zurück zu den Wanderwegen und den Teil gelaufen, den wir das letzte Mal nicht geschafft hatten (roter Weg). Das war wieder sehr schön.

Stege durch den Wald 


Capivaras in der Ferne 
Landschaft um uns herum
Abends haben wir uns mit Donna und Simon zum Essen getroffen. Es gab Empanadas, Pommes und Salat für Caro und mich. Anschließend habe ich Caro noch schnell den Sonnenuntergang vom Aussichtsturm gezeigt. Danach wurden wir zu einer Nachtwanderung abgeholt.

Bei dem Gasthaus arbeitete auch ein Typ, den wir anfangs immer wieder um Auskunft fragten. Nachdem er uns allerdings zu den Pferden in die völlig falsche Richtung geschickt hatte, verloren wir unser Vertrauen in ihn und fragten danach nur noch die eigentliche Besitzerin des Gasthauses. (Hätte der Ausritt am ersten Tag stattgefunden, hätten wir ein echtes Problem gehabt, da wir den Hof einfach nicht hätten finden können.) Die Nachtwanderung hatten wir wieder am Campingplatz gebucht (dort war auch die Bootstour gestartet), und für vier Personen. Aber weil dann doch der Typ vom Gasthaus zwischengeschaltet war, ging wieder alles drunter und drüber. Statt am Campingplatz zu starten, wurden wir plötzlich am Gasthaus abgeholt, zu früh, und im Auto war nur Platz für zwei. Also mussten wir erstmal Donna und Simon finden und uns anschließend zu viert auf die Rückbank des kleinen Autos quetschen.
Auch die Nachtwanderung selber war nicht so der Hit. Unser Guide schien selber keinen großen Plan zu haben und leuchtete einfach nur immer wieder scheinbar wahllos ins Gebüsch. Tiere sahen wir auch nicht wirklich (außer natürlich Capivaras) und statt nach zwei Stunden mussten wir auch schon nach einer wieder zurück. Durch Vollmond und Wolken könnten wir leider auch nicht den angeblich sehr beeindruckenden Sternenhimmel sehen. Aber wir vier haben uns gut unterhalten, immerhin das.

Anschließend besuchten wir wieder den gleichen Pub und tranken Piña Colada und den Schokodrink. (Bier für Donna und Simon). Die zweite Runde Cocktails ließen wir den Barkeeper etwas aussuchen. Als Resultat bekamen wir einen Drink wie der Schokodrink, aber noch mit Kaffe, und etwas blaues, wovon wir nicht wissen, was es war.


Igelgroße Kröten leisteten uns wie jeden Abend Gesellschaft
Der Barkeeper meinte es anscheinend gut mit uns, denn die Drinks bestanden gefühlt zur Hälfte aus reinem Alkohol. So waren wir, als wir gegen halb drei, nach einigen Stunden spannender Gespräche, alle gut betrunken. 😂 Der Abend war echt schön.
Dummerweise hatte ich mir schon vorher einen Plan in den Kopf gesetzt und den wollte ich auch immer noch durchziehen: früh aufstehen und den Sonnenaufgang über dem See bewundern. Der war allerdings schon vor sechs Uhr morgens, mir stand also eine kurze Nacht bevor.
Caro erklärte mich schlichtweg für verrückt, aber mir war es ein Anliegen und ich wusste, dass ich mich ärgern würde, wenn ich nicht gehen würde. Oder vielleicht war es auch reine Sturheit. So oder so, nach weniger als zweieinhalb Stunden Schlaf stand ich wieder auf und machte mich auf den Weg zum Aussichtsturm. (Vielleicht half der Restalkohol, den ich bestimmt noch hatte, denn das Aufstehen fiel mir tatsächlich nicht mal schwer…)
Das Dorf brummte um diese Zeit (halb sechs) bereits schon vor Leben. Keine Menschen, aber ansonsten war so ziemlich jedes Lebewesen wach. Hähne krähten, Hunde bellten, in der Ferne waren außerdem diverse Zikaden, Vögel und ab und an Eulen zu hören. Unterwegs lief ich Kühen über den Weg. Eine ganz einzigartige Stimmung, denn irgendwie lag über allem, trotz der ganzen Aktivität und den Geräuschen, noch der für diese frühe Morgenstunde typische schläfrige Schleier. Ich hätte niemals zu laut gesprochen.
Am Aussichtsturm angekommen war der Himmel schon rosa-rot und die Sonne bereit aufzugehen. Perfektes Timing. 😇
Insgesamt verbrachte ich über eine Stunde dort und sah zu, wie die Sonne langsam in dem Himmel stieg und sich die Wolken erst rosa verfärbten und dann wieder langsam verblassten. Um mich herum flogen Papageien und andere Vögel und gelegentlich hörte ich vom Wasser ein lautes Platschen, wie von einem Kaiman oder Capivara. Die Zeit war magisch. Es war so friedlich, dass ich selbst jetzt, einen Monat später, noch davon zehren kann. Bilder können das besser ausdrücken, als es mir möglich ist.

Die Sonne kommt hervor 
Rosa Wolken über dem See 

Alles in goldenes Licht getaucht 

Sonne über den Feldern 

Wilde Papageien 
Immer noch leere Straßen 
Mond 
„Mein“ Aussichtsturm
Irgendwann konnte ich mich losreißen und machte mich auf den Rückweg. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und auch ein paar Menschen unterwegs. Caro hatte noch ein paar Stunden Schlaf verdient, deshalb verbrachte ich den restlichen Morgen lesend in der Hängematte.

Nach einem letzten fantastischen Frühstück mussten wir schon wieder auschecken und um eins ging es per Pick-up nach Mercedes. Diesmal ohne Donna und Simon und auch ohne interessante Gespräche. Stattdessen holte mich die Müdigkeit ein, aber auf dem Mittelsitz und ohne Kopfstütze (übrigens auch ohne Anschnallgurt, Sicherheit wird hier nicht so groß geschrieben) blieb mir nichts anderes übrig, als wach zu bleiben, irgendwie.
Und so schnell war unser Abenteuer Carlos Pellegrini auch schon wieder vorbei. Aber dafür, dass der Ort besonders für sein Vogelreichtum bekannt ist, habt ihr bis jetzt noch viel zu wenige Vogelbilder gesehen. Deshalb gibt’s hier mal eine Sammlung der schönsten restlichen Fotos:

So ein langer Hals 
Diese Vögel gab’s wirklich überall 
Männchen im Flug 
Weibchen hofft auf Krümel von uns 
Kolibri 😍
Am Busbahnhof in Mercedes trafen wir dann auch Donna und Simon wieder. Anfangs warteten wir gemeinsam darauf, dass die Ticketschalter öffneten, später auf unserer Busse. Die beiden wollten nach Uruguay, während unser Ziel Buenos Aires lautete. Deshalb war irgendwann auch der Moment des Abschieds gekommen. Wir hatten eine echt schöne Zeit mit den beiden!

Nach sieben Stunden Wartezeit kam dann auch endlich unser Bus. Unsere erste Nachtfahrt, wie das wohl gelaufen ist? Da müsst ihr euch, fürchte ich, bis zum nächsten Beitrag gedulden… 😋 (Aber ich bin dran, keine Sorge!) Oder mal bei Caros Blog vorbei schauen, die hat nämlich schon über Buenos Aires geschrieben.

Ich weiß, ich hänge echt hinterher. Es ist in letzter Zeit einfach so viel passiert, da habe ich kaum die Zeit zum schreiben gefunden. Zur Orientierung für euch, ein Beitrag ist ganz schön aufwendig. Für diesen habe ich vielleicht vier bis sechs Stunden am Text gesessen und nochmal zwei Stunden an den Bildern. Jaa, wirklich so viel. Aber ich versuche trotzdem wieder aufzuholen!!












