Encarnación

So wie die Ilha Grande der Urlaubsort für viele Brasilianer ist, ist Encarnación der Urlaubsort der Paraguayer. Das liegt vor allem an dem großen Sandstrand der Stadt, da der Rio Paraná dort ein großes Becken bildet.

Als wir abends dort ankamen, war unser erster Eindruck sehr gut. Die Stadt ist sehr sicher und relativ sauber.

Unser Hostel lag perfekt zwischen Terminal und Wasser. Nachdem wir eingecheckt hatten, machten wir uns spontan auf den Weg zur Uferpromenade, um die Abendstimmung zu genießen.

Am nächsten Tag sahen wir uns die Innenstadt an, darunter auch den Parque de las Armas.

Außerdem besichtigten wir Treppen etwas außerhalb der Stadt, die man mit den Treppen in Rio de Janeiro vergleichen kann.

Anschließend schlenderten wir am Ufer entlang zurück zum Hostel. Dabei bekamen wir die Sonne ganz schön zu spüren, die ordentlich vom Himmel knallte. Dafür war die Aussicht auf Argentinien auch bei Tag sehr schön.

Am zweiten Tag besuchten wir die Jesuitenruinen in Trinidad, einem kleinen Ort etwa 40 Kilometer entfernt. Die einstündige Fahrt mit einem Fernbus kostete uns nur 10000 Guaraní, etwa 1,38€. Wie wir das schon kannten, mussten wir irgendwann am Straßenrand aussteigen, was uns auch halbwegs gelang. Anschließend führte uns Google Maps in Richtung der Ruinen. Die Temperaturen lagen mal wieder um die 40°C und die Sonne brannte vom Himmel. Nach einigen hundert Metern kamen die Ruinen in Sicht, nur den Eingang konnten wir nicht finden. So stapften wir weiter am Rand des Geländes entlang und folgten brav den Anweisungen von Google Maps. Das war zwar sehr anstrengend, dafür sahen wir aber ein paar sehr ländliche Häuser und bekamen einen Eindruck, wie die Menschen hier, abseits der Stadt, lebten. Die Häuser waren klein und sehr schlicht, aber die Menschen wirkten fröhlich.

Nachdem wir etwa zwei Kilometer um die Ruinen rumgelatscht waren, fanden wir endlich den Eingang. Dort kauften wir ein Eintrittsticket (25000 Guaraní, etwa 3,45€) und genossen für einen Moment die Klimaanlage im Infozentrum. Die Mitarbeiter waren sehr nett und wir freuten uns, unser spanisch etwas üben zu können.

Anschließend ging es wieder zurück in die pralle Sonne und die Ruinen besichtigen.

Infos über Ruinen

Die Hitze und die Sonne hatte uns merklich zugesetzt. Deshalb kam es uns nur gelegen, als nach ein paar Stunden ein Gewitter aufzog. Wir entschieden uns außerdem, nicht auch noch zu weiteren Ruinen in der Nähe zu fahren, da diese sich nicht wesentlich von den schon gesehenen unterschieden. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zurück, um den nächsten Bus nach Encarnación zu nehmen. Auf dem Weg kam uns dann eine eher unerfreuliche Erkenntnis: Google Maps hatte uns doch tatsächlich grade Mal 50 Meter vor dem Eingang in die falsche Richtung abbiegen lassen. Ansonsten hätten wir uns den langen Marsch in er prallen Sonne gespart und wären viel früher an den Ruinen gewesen. Das war’s mit Google Maps, ab jetzt probieren wir MapsMe. So was unnötiges aber auch.

Damit dieser Tag nicht mit einem negativen Bericht endet, hier noch unsere lieben Straßenhundfreunde von unserem Mittagessen an den Ruinen. Die beiden haben ganz artig neben uns gesessen und auf Krümel gehofft.

Unseren dritten und letzten Tag in Encarnación wollten wir entspannt am Strand verbringen. Erstmal stand aber mal wieder telefonieren an. So sind wir erst am Nachmittag zum Strand gegangen. War aufgrund der Hitze und Sonne aber vielleicht sowieso die bessere Entscheidung. Der eigentliche Strand, den wir bisher nur nachts gesehen hatten, lag ebenfalls nur wenige Minuten vom Hostel entfernt, und war tagsüber komplett überfüllt. Kennt ihr diese Standbilder aus Asien? So kam es uns vor. Nachdem wir uns ein kleines Plätzchen für unsere Handtücher gesucht hatten, ging es auch gleich ins Wasser. Leider durfte man nur etwa bis auf Hüfthöhe hinein. Und bei den vielen Menschen war schwimmen eh ein aussichtsloses Unterfangen. So saßen wir einfach eine Weile im warmen Wasser, um uns danach auf unsere Handtüchern zum trocknen zu legen. (Natürlich gut eingecremt.)

Eine Weile lagen wir so dösend in der Sonne. Wie auch schon am Strand in Barcelona und überall in Südamerika liefen auch hier Verkäufer von Kleinkram rum. Als einer davon Caro ansprach, reagierte ich deshalb erstmal gar nicht, öffnete nicht einmal meine Augen. Als der Mann aber nicht wie sonst einfach weiter lief, sondern weiter mit Caro sprach, wollte ich ihr dann doch helfen, ihn abzuwimmeln. Kleine Überraschung: statt eines Verkäufers stand neben uns nämlich das Militär.

Bevor ich einen Schreck bekommen konnte, klärte sich die Situation auch schon. Das Militär war da, um den Strand für eine Veranstaltung später am Abend zu räumen. Und sie sprachen deshalb natürlich auch nicht nur mit uns, sondern mit allen Leuten am Strand. Aber auch wenn die Leute ausnahmslos freundlich waren, der kleine Schock beim Augen öffnen ist mir im Gedächtnis geblieben. 😅

Wir fragten eine Polizistin und erfuhren, dass die Veranstaltung, eine Art Theater angeblich, in etwa einer halben Stunde anfangen sollte. Gerade genug Zeit für uns, zurück zu gehen, ein paar Snacks zu holen und etwas trockenes anzuziehen und wieder pünktlich zurück am Strand zu sein. Gesagt getan.

Wie die anderen warteten wir gespannt Absperrband auf die Vorstellung. In einer langen Reihe waren schon am Vortag große Fackeln aufgestellt worden, den ganzen Strand entlang, und wir waren sehr neugierig, was passieren würde.

Aber es ging einfach nicht los. Vielleicht war es noch zu hell. Also warteten wir.

Das erste, das uns und den anderen am Strand auffiel, waren die Boote, die um eine Ecke des Strandes auftauchten und still über das Wasser glitten. Als nächstes sahen wir die Menschen, die von beiden Seiten des Strandes auf uns zuliefen und die Fackeln entzündeten, bis der ganze Strand aus einer Reihe von Lichtern bestand.

Ein paar Leute standen in Gruppen zusammen am Strand. Nach einer Weile erkannten wir, was sie da machten: sie versuchten Himmelslaternen zu entzünden. Ich sage versuchten, da sie die meisten Laternen viel zu früh losließen und quasi in den Himmel warfen, sodass alle wieder in den See abstürzten. Ein paar Laternen schafften es aber und wurden von der Menge lautstark bejubelt.

Irgendwann waren die Fackeln heruntergebrannt und die Himmelslaternen davongeflogen (oder ertrunken 😅). Nur das angekündigte Theater hatten wir noch nicht gesehen. Nachdem wir ein bisschen am Strand entlang gelaufen waren, fanden wir eine Vorstellung, auf die diese Beschreibung zutraf. Viele Menschen tanzten zu Musik sowohl am Strand als auch im Wasser und stellten so eine Geschichte da. Wir konnten allerdings zu wenig sehen, als dass wir das Ganze verstehen konnten und so gingen wir nach zehn Minuten wieder.

Das war auf jeden Fall ein gelungener Ausklang unserer Zeit in Encarnación und in Paraguay allgemein. (Wir vermuten übrigens, dass die Feier etwas mit dem Fest der Heiligen Drei Könige zu tun haben könnte, denn es war der Abend zum 6. Januar und in Südamerika wird dieser Tag größer gefeiert.) Am nächsten Tag sollte es endgültig nach Argentinien gehen.

Morgens sahen wir uns noch die Kathedrale an, die ganz in der Nähe unseres Hostels stand und als sehr schön beschrieben wurde. Mir gefiel besonders, wie hell und offen es im Inneren wirkte.

Ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert, aber uns langfristiger Plan sah so aus, über Nordargentinien nach Nordchile und anschließend nach Peru zu fahren. Und nur wenn es sich am Ende noch ergeben würde, wollten wir in den Süden von Südamerika fahren, also Patagonien, und dann über Buenos Aires zurück fliegen. So der grobe Plan.

Als wir an den Ruinen in Trinidad waren, meinte ich scherzhaft, dass wir gerade ja eigentlich so nah an Buenos Aires wären, dass wir auch einfach noch dort vorbei fahren könnten. Der Gedanke setzte sich fest und mal wieder schmissen wir unsere komplette Planung über den Haufen (deshalb machen wir auch nur so ungern langfristige Pläne, das bringt bei uns nämlich eh nichts). Es würde also doch erst nach Buenos Aires und Patagonien gehen, dann erst nach Peru.

Und während wir so überlegten, wie wir am besten nach BA (Buenos Aires) kommen würden, viel Caro auf der Karte genau dazwischen ein Nationalpark auf. Zitat: „Guck mal, da liegt ja ein Nationalpark dazwischen, da könnten wir doch eigentlich auch noch hin, oder?“ Tja, genau so entstehen bei uns Pläne. Also war das jetzt unser nächstes Ziel.

Die Anreise schien sich allerdings als eher kompliziert zu erweisen (dazu im nächsten Beitrag mehr), sodass wir uns entscheiden, erstmal nur über die Grenze nach Posadas zu fahren und dort in Ruhe die Busse und Unterkünfte zu planen. Als auf nach Posadas!

2 Kommentare zu „Encarnación

  1. Avatar von Katharina Seele
    Katharina Seele 11. Februar 2020 — 10:04

    Lustig der Zeitsprung zurück, wenn man schon weiß, was ihr inzwischen alles erlebt habt. Aber schön, Bilder zu sehen und von Erlebnissen zu lesen, von denen du uns noch gar nichts erzählt hattest. Deine Lieblingskommentatorin.

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  2. Avatar von Jette

    .. toll dieses Fest am Strand! Aber ganz klar meine Lieblings Fotos: die zwei Hunde 💕

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