– Drei brasilianische Städte –
Ich dachte, ich fasse diese drei Städte mal zusammen, da wir sie alle nacheinander erlebt haben. (Und außerdem hänge ich soweit hinterher, dass ein bisschen zusammenfassen vielleicht nicht schadet. 😅)
Der Hauptunterschied der Städte ist definitiv ihre Größe.
Während in São Paulo knapp 12 Millionen Menschen (was die Stadt zur Größten ganz Südamerikas macht), leben in Curitiba knappe 2 Millionen Menschen und in Cascavel nur etwa 350.000.
Curitiba liegt einige hundert Kilometer westlich von São Paulo und Cascavel nochmal einige weitere hundert Kilometer westlich von Curitiba. Daher eigneten sich alle Städte gut auf unserem Weg nach Paraguay.
Aber der Reihe nach.
Eigentlich wollten wir ja schon von Paraty nach São Paulo fahren, haben aber stattdessen noch den Abstecher zur Ilha Grande gemacht.
Von dort gestaltete sich die Abreise insoweit schwierig, dass wir sowohl Fähre als auch Fernbus nicht vorher buchen konnten. (Häufig braucht man hier zur Buchung online eine brasilianische Steuernummer, genannt CPF, und die haben wir nun mal nicht.) Uns blieb also nichts anderes übrig, als alles durchzuplanen und zu hoffen.
Da ich hinterher hänge, gehe ich jetzt nicht auf die Details ein. Bei der Fährfahrt gab es ein paar Probleme (konnten nirgendwo ein Ticket kaufen, wussten nicht welches Boot, Boot überfüllt, konnten erst nicht mit Karte zahlen), aber letztendlich schafften wir es trotzdem nach Angra dos Reis. Dort fanden wir ohne großes Verlaufen die Busstation und auch der Kauf des Bustickets verlief ohne Probleme. Damit war der stressigste Teil geschafft und wir konnten ein Hostel buchen. (Könnten wir vorher nicht, da zu viel auf dem Weg hätte schief laufen können.) Der Busbahnhof in São Paulo war riesig und anfangs konnten wir unsere Uber nicht finden. Aber irgendwann hatten wir Glück.
Unser Fahrer setzte uns in einer dunklen Straße ab, die wir ansonsten vermutlich eher nicht betreten hätten. Schnell stellte sich die Straße aber einfach als ruhige Wohngegend heraus und unser Hostel sah von außen wie ein normales Wohnhaus aus. Auch der Raum mit der Rezeption wirkte ziemlich schick. Sehr cool. Leider waren nur die auf den ersten Blick sichtbaren Räume so herausgeputzt. Unser Zimmer dagegen wirkte eher schmutzig, im Boden fehlte ein Stück Laminat und die Türklinke zum Bad war abgebrochen. Nun ja. Allgemein haben wir uns in diesem Hostel am wenigstens wohl gefühlt, denn unser Zimmer schien ansonsten nur aus Einzelgängern zu bestehen und niemand sprach miteinander. Zumindest hatten wir einander, ansonsten wäre es dort echt einsam gewesen.
Und nun zu São Paulo. Unsere Vorstellung war vorher die einer großen, lauten, dreckigen und überfüllten Großstadt gewesen. Das traf aber bei weitem nicht auf die Teile der Stadt zu, die wir zu sehen bekamen. Schon am ersten Abend, auf dem Weg zum Hostel, erinnerte mich die Stadt vor allem an Frankfurt. Moderne Hochhäuser an einem Fluss. Caro meinte, sie würde die Stimmung an New York erinnern, zumindest an das New York aus Fernsehsendungen. Allerdings stehen die Häuser in New York viel gedrängter. Am folgenden Tag sah ich auch eine Ähnlichkeit mit München. So oder so, nicht die volle, schmutzige Großstadt, die wir erwartet hatten.
(Ich dachte echt, ich hätte da Bilder gemacht… Sorry 🤷🏻♀️)
Am nächsten Tag haben wir Sightseeing gemacht. Dazu gehörte für uns die Avenida Paulista, eine berühmte Einkaufsstraße im Zentrum, und der Park Ibirapuera, ein großer, angeblich sehr hübscher Park.
Für diesen Tag waren über dreißig Grad und Sonne angesagt worden, also wappneten wir uns mit viel Sonnencreme und Wasser und los ging’s.
Was wir nicht wussten, auf der Avenida Paulista fand an diesem Tag eine große Veranstaltung statt. Die ganze Straße war gesperrt und es tummelten sich Menschen, Straßenstände und Kleinkünstler. Sehr cool, und was ein Glück wir hatten, ausgerechnet an dem Tag da zu sein. Eine Zeitlang ließen wir uns treiben.
Pause machten wir in einem kleinen, hübschen Park direkt an der Avenida Paulista.
Da alle Leute von dieser Brücke ein Foto von der Straße machten, haben wir auch eins gemacht. Keine Ahnung, was das Besondere hier ist, wir sind einfach dem Herdentrieb gefolgt. 😂
In dem Park merkten wir auch, dass die Sonne fast im Zenit stand, und das, obwohl wir immer noch so weit vom Äquator entfernt sind. Kein Wunder, dass es auf der Av. Paulista keine schattige Straßenseite gab!

Trotzdem haben wir sehr darauf geachtet, so viel wie möglich im Schatten zu sein und auch mit Sonnencreme nachgecremt. Und (Spoiler!!) einen Sonnenbrand haben wir diesmal auch nicht bekommen (seit Rio sind wir aber auch besonders vorsichtig). 😇
Von der Avenida Paulista sind wir etwa vierzig Minuten zu dem Park gelaufen. Kurz bevor wir ankamen, sahen wir dann diese schöne Überraschung:

Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!! Anders als der Name erwarten lies, fanden wir allerdings nur einen Stand mit Churros. Diese waren auch relativ teuer, aber egal. Lecker war’s! 😍😇
Das war übrigens auch das erste Mal, das wir Essen von Ständen auf der Straße gekauft haben. Aus Angst, uns den Magen zu verderben, haben wir darauf bis jetzt immer verzichtet. Obwohl das Essen manchmal echt soo lecker aussah! 😍 Aber die Churros wurden frisch fritiert und unsere Mägen hatten schließlich auch schon Zeit, sich ein wenig an Südamerika zu gewöhnen.
Anschließend ging’s zum Park. Dort fiel als erstes dieser gigantische Weihnachtsbaum auf.

Riesig!! Danach saßen wir erstmal ein wenig am Ufer des Sees (natürlich im Schatten) und haben – wer hätte das gedacht – gelesen. Später haben wir uns noch mehr vom Park angeguckt und wieder gelesen bzw Blog geschrieben. (Ich glaube, da habe ich gerade am Paraty-Beitrag gearbeitet.)

Leider bekam ich im Laufe des Nachmittags Kopfschmerzen und als wir den Park wieder verlassen haben, kam auch noch Schwindel dazu. 😦 Blöd. Dabei hatten wir viel getrunken und waren auch die meiste Zeit im Schatten gewesen. Ein Sonnenstich konnte es also eigentlich nicht sein. Trotzdem ging es mir abends nicht wirklich besser. Mitten in der Nacht wachte ich erst auf, weil mir wahnsinnig kalt war und später dann kochendheiß. Da habe ich mich einfach nur überhitzt und ausgetrocknet gefühlt. Und die Kopfschmerzen waren auch wieder da.
Nach dem Frühstück ging es mir ein wenig besser, aber am Busbahnhof war mir wieder total schwindlig. Die ganze Fahrt nach Curitiba (ich glaube, dass waren so sechseinhalb Stunden) habe ich geschlafen oder vor mich hingedöst. Zu den Kopfschmerzen waren jetzt auch Bauchschmerzen gekommen (die haben sich immer abgewechselt) und mir war wieder total kalt. Dementsprechend k.o. kam ich in Curitiba an.
Von Curitiba hatten wir bisher nur Positives gelesen. Es sollte sich um eine sehr europäische Stadt handeln, grün und mit preisgekröntem Bussystem.
Der erste Eindruck entsprach dem so gar nicht. Überall lag Müll und es stank. Gut, vielleicht hatten wir einfach Pech im Viertel.
Am nächsten Tag ging es mir etwas besser. Als erstes sind wir los, um Wäsche zu waschen. Jaa, wir hatten die ganzen zwei Wochen vorher ohne Wäsche zu waschen überlebt. Allerdings war es jetzt auch überfällig. Während die Wäsche lief, sind wir in den angrenzenden botanischen Garten. Dieser sollte besonders schön sein. Letztendlich war es aber eher ein ganz normaler Park. Trotzdem hübsch. (Zu meiner Enttäuschung gab es dort auch keine Gewächshäuser mit Buchen und Eichen oder Heide. Sehr schade. Die Hälfte der Pflanzen aus unserem botanischen Garten wuchs dort schließlich schon frei, da hätte man ruhig mal ein paar fremde Pflanzen einbringen könnten…)
Das offizielle Highlight des Parks ist definitiv das (einzige) Gewächshaus.
Leider ging es mir zu dem Zeitpunkt schon wieder so schlecht, dass ich abbrechen und zurück zum Hostel musste. Auf dem Weg wurde mit total übel und im Hostel ging es mir einfach nur elend. Während Caro los zog, um Curitibas Innenstadt zu erkunden, lag ich mit Wärmflasche im Bett und hab geschlafen. Vielleicht hatte ich mir ja doch was eingefangen…
Laut Caro war die Innenstadt nicht so schön wie erhofft (und sie hat sich dort überhaupt nicht wohlgefühlt), aber sie hat trotzdem ein paar Fotos für mich und euch gemacht.



Diese Art von Pflaster gab es schon in Rio überall, scheint hier sehr beliebt zu sein 


Da uns die Stadt bis jetzt nur enttäuscht hatte und das Wetter am nächsten Tag auch nicht so gut sein sollte, beschlossen wir, den zweiten Tag komplett im Hostel zu verbringen. Ich habe wieder viel gedöst und endlich mal mit Freunden telefoniert. Zum Glück haben wir uns im Hostel wohlgefühlt. Die Stimmung war dort wieder ähnlich familiär wie in Paraty.
Außerdem waren wir nochmal im Park (botanischer Garten), den ich dieses Mal schon wieder mehr genießen konnte. Während wir auf einer Bank Pause gemacht haben, kamen dann plötzlich diese Schnuckelchen hinter uns aus dem Gebüsch. So süß!!

Das war definitiv unser Highlight des Parks!! Aber auch sonst gab es viele Tiere im Park, besonders Vögel. Und schöne Pflanzen.
Am nächsten Tag ging es mir glücklicherweise schon wieder besser (allerdings ging es dafür Caro nicht mehr gut, wir haben aber auch Pech und wir konnten wie geplant nach Cascavel weiterreisen.
Aus dem Bus konnten wir dann auch endlich ein paar schönere Ecken Curitibas sehen und auch nochmals das Bussystem bewundern. In der Mitte der Straße sind nämlich zwei extra Fahrbahnen nur für Busse, sodass diese nie im Stau stehen. Außerdem sind die Busse besonders lang, eher wie Straßenbahnen.
Während der Busfahrt fiel mir auf, wie sehr sich die Landschaft geändert hatte. Vorher hatten wir uns im Gebiet des atlantischen Regenwaldes befunden und das hatte man gesehen. (Ihr erinnert euch: alles grün.) Jetzt sah es plötzlich aus wie zu Hause.

In Cascavel kamen wir in einem günstigen Hotel unter, das auch genauso aussah, wie ein typisches Hotel. Es gab keine Hostels bzw. war alles ausgebucht. Das Hotel hatte aber eigentlich ganz gute Bewertungen und hieß lustigerweise Hotel Joia. Der erste Eindruck war in Ordnung, allerdings funktionierte das WLAN nicht und an der Rezeption wurde ich nur auf portugiesisch zugetextet.
Aber dann der große Spaß: beim Duschen stand der Wasserhahn in der Dusche unter Strom. Nur ganz leicht, aber ein blödes Gefühl war es trotzdem.
Am nächsten Tag haben wir uns die Stadt angeschaut. Dazu gehörte die moderne Kirche und ein Park (mal wieder).

Die Kirche 
Süß gewachsene Bäume 
Blick auf den See im Park
Im Park waren ziemlich viele Tiere (alle wild lebend), daher gibt es hierzu noch mal eine extra Galerie

Capivaras (Hausschweingroße Meerschweinchen) 

Affen 

Großes Reptil gut getarnt neben dem Baumstamm
Abends stand wieder eine Dusche an. Nur leider stand der Duschhahn jetzt so sehr unter Strom, dass wir wirklich kleine Stromschläge abbekommen haben. So macht Duschen keinen Spaß. Stattdessen zu duschen habe ich nur das Wasser wieder ausgestellt, und zwar mithilfe meiner Socke, anders wollte ich den Wasserhahn echt nicht mehr anfassen.
Am nächsten Tag sind wir zum Glück wieder abgereist, zur nächsten Stadt. Foz de Iguaçu bietet aber (statt Stadtparks) den Iguaçu-Nationalpark, dessen Wasserfälle eines der sieben Naturwunder der Welt. Diese haben wir natürlich auch besucht. Ein erstes Foto findet ihr seitdem auf der Startseite des Blogs, den Rest könnt ihr dann im nächsten Beitrag lesen. 😘
Um eine andere Frage mal zu beantworten: Ja, wir können hier weiterhin als Vegetarier leben. Das liegt allerdings nur daran, dass wir für uns selbst einkaufen und kochen. Und dabei müssen wir manchmal auch echt aufpassen, denn Dinge wie Tomatensauce beinhalten Fleisch häufig schon von Vorneherein. Und das Bewusstsein für unsere Art zu essen fehlt immer wieder merklich. Für viele Menschen hier scheint es einfach noch keim Begriff zu sein, ohne Fleisch leben zu wollen. Das haben wir zum Beispiel in Cascavel wieder gemerkt, als ein anderer Hotelgast beim Frühstück im Sandwichmaker Schinken gebraten hat. Das war bestimmt nicht böswillig, aber für uns schon ziemlich blöd, da danach alles fettig war und nach Fleisch geschmeckt hat. Bitte nicht nachmachen!
Gute Neuigkeiten!! Caro hat herausgefunden, warum ihr nicht mehr kommentieren konntet und jetzt sollte es wieder gehen! 😇
















