Eigentlich wollten wir ja von Paraty nach São Paulo weiter fahren.
Und eigentlich wollte ich gar nicht lange in Brasilien bleiben, da ich gerne spanisch sprechen möchte.
Und eigentlich müssen wir immer weiter nach Westen fahren.
Tja, stattdessen sind wir wieder zurück noch Osten, also zurück Richtung Rio de Janeiro. Warum das, fragt ihr euch?
Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir in Paraty viele Tipps von unseren Hostelmitbewohnerinnen bekommen haben. Die Ilha Grande, also die große Insel, gehörte auch dazu.
Die Insel liegt etwa mittig zwischen Paraty und Rio. Zuerst sind wir mit einem normalen (klapprigen) Linienbus zu der etwas mehr als zwei Stunden entfernten Stadt Angra dos Reis gefahren. Von dort fuhr dann eine Fähre etwa vierzig Minuten zu dem einzigen richtigen Ort auf der Insel, genannt Abraão. Dort lag auch unser Hostel.

Unsere Boot 


Unser Hostel 
Typische Straße
Da es erst Nachmittag war, konnten wir anschließend noch entspannt ein wenig am Strand liegen (diesmal besonders gut eingecremt) und einmal kurz ins Meer tauchen.
Die Ilha Grande wurde uns vor allem wegen der wunderschönen Wanderungen durch die Natur empfohlen. Also haben wir gleich geplant und uns für zwei Touren entschieden.
Die eine sollte von Abraão auf einen benachbarten Berg führen, der wegen seiner speziellen Steinformation an der Spitze den Namen Pico do Papagaio trägt, der Papageiengipfel.

Diede Tour wurde allerdings von mehreren Wanderapps als schwer eingestuft und am folgenden Tag sollten es über dreißig Grad werden. Deshalb entschieden wir uns für Tour Nummer zwei, die weitestgehend an der Küste bis zu einem berühmten Strand führen sollte. Perfekt. Dann können wir ja sogar zwischendurch immer wieder baden.

Nach einem schönen Frühstück stiefelten wir also gut gelaunt los.
Vielleicht hatten wir auch besonders viel Energie durch ein neu entdecktes Getränk vom Frühstück bekommen, genannt Guaraná. Es enthält Koffein und schmeckt (als gesüßtes Getränk) sehr lecker. Davon könnte ich jeden Morgen etwas trinken…
Die Energie hatten wir auch bitter nötig. Denn direkt am Anfang fer Tour wartete eine Steigung von etwa 350 Höhenmetern auf uns. Auf lehmigen Wegen ging es so immer weiter hinauf. Währenddessen kletterten die Temperaturen bald auf über dreißig Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. Glücklicherweise verlief der Weg durch den Wald, denn ich war auch so bald k.o.. Ich glaube, ich habe noch nie so geschwitzt. 😂
Die Ausblicke waren aber sehr schön.
Endlich waren wir oben znd sofort ging’s auf der anderen Seite wieder runter. Erst dann erreichten wir den ersten Strand.
Eigentlich wollte ich unbedingt ins Wasser, schließlich war ich total verschwitzt und überhitzt. Allerdings ging es relativ steil ins Wasser, mit starker Brandung und niemand anderes war im Wasser. Also wurde es doch nichts mit Schwimmen, stattdessen sind wir einfach direkt weiter.
Dieser Strand bedeutete auch, dass wir etwa die Hälfte der Wanderung geschafft hatten. Dafür haben wir etwa zwei Stunden gebraucht. Allerdings versprach die zweite Hälfte, deutlich leichter zu werden, da es nur noch zwei wesentlich leichtere Steigungen gab. Trotzdem zerrte der Weg an uns, schließlich waren wir ja schon k.o. vom ersten Teil und zusätzlich wurde es langsam Mittag und immer heißer.
Endlich am Strand Lopes Mendes angekommen, (gegen halb zwei, nach etwa dreieinhalb Stunden Wanderung,) wollte ich nur noch etwas trinken, essen und dann so schnell wie möglich im Wasser abkühlen.
Gesagt, getan.
Der Strand ist nicht nur wegen des weißen Sandes und dem klaren Wasser so bekannt, sondern vor allem wegen der großen Wellen, die sich sogar zum Surfen eignen.
Die Surfer müssen natürlich nicht den ganzen Weg mit ihrem Surfbrett laufen. Stattdessen fahren regelmäßig Boote von Abraão zu dem letzten Strand vor Lopes Mendes. Von dort sind es nur etwa fünfzehn Minuten Fußmarsch.
Da wir noch so k.o. waren, hatten wir überlegt, uns auch von einem dieser Taxi-Boote für ein paar Euro zurück bringen zu lassen, uns dann aber spontan dagegen entschieden. Von den anderen beiden Stränden fuhren schließlich auch Boote und dann hätten wir wenigstens einen Teil der Strecke zurück noch geschafft. An beiden Stränden hatten uns auch auf dem Hinweg diverse Leute ihre Abfahrtszeiten bis in die Abendstunden aufgedrängt. Jetzt, um vier, hatten wir also noch entspannt Zeit.
Kurz vor dem letzten Strand angekommen, nachdem wir die Hälfte des Rückwegs geschafft hatten, zogen auch Wolken auf und die Luft wurde drückender. Froh, noch vor dem Gewitter per Boot zurück nach Abraão gebracht werden zu können, betraten wir den Strand.
Nur… Es waren keine Boote mehr da.
Vergeblich suchten wir den Strand ab, aber niemand dort schien uns fahren zu können. Warum auch immer, vielleicht wegen des aufziehenden Gewitters, hatten alle Taxi-Boote an dem Tag schon zwei Stunden früher Feierabend gemacht.
Und was nun?
Umkehren war nicht wirklich eine Option, denn wer weiß, ob an den anderen Stränden noch ein Taxi fuhr.
Warten, ob bald wieder ein Boot auftauchen würde, war eigentlich auch zu riskant. Denn wenn nicht, würden wir nicht nur bei Gewitter an dem Strand festsitzen, sondern es wäre zusätzlich auch noch dunkel.
Also blieb uns nicht viel anderes übrig, als auch noch die letzte Etappe zu laufen.
(Bevor jetzt alle ganz entsetzt sind: Ja, wir sind in einen Wald auf einem Hügel gelaufen, während sich ein Gewitter dort gebildet hat. Aber: das Gewitter bildete sich auf der anderen Seite des Hügels und zog ganz klar sichtbar von uns weg. Und was hatten wir schon für eine Wahl?)
Im Eilschritt ging es also bergauf, immer höher und höher. Zum Glück hatte es sich merklich abgekühlt, ansonsten hätte ich das niemals geschafft. Es war auch so furchtbar anstrengend und nur die drohende Dunkelheit und die Angst vor dem Gewitter trieben uns voran.
Ihr könnt mir glauben, dass wir sehr erleichtert waren, als es endlich wieder bergab ging, da wir damit das Schlimmste geschafft hatten. Und noch viel erleichterter waren wir, als wir tatsächlich in Abraão standen, ohne nass geworden zu sein und noch bei Tageslicht. (Tatsächlich haben wir für den kompletten Rückweg etwa eine Stunde weniger gebraucht, als für den Hinweg, sei es wegen dem Zeitdruck oder einfach wegen fer kühleren Temperaturen.)
Bevor wir im Hostel ins Bett fallen konnten, mussten wir aber noch einen kurzen Umweg zum Supermarkt laufen. Dort kauften wir unter anderem auch eine günstige Limo zur Stärkung und gönnten uns eine riesige Maracuja.

Als wir den Supermarkt wieder verlassen wollten, regnete es in Strömen. Das Gewitter hatte uns endlich eingeholt – gerade zum richtigen Zeitpunkt. Und so saßen wir, wie viele andere auch, unter dem Dach vor dem Supermarkt auf dem Boden, aßen Cracker und tranken unser Zuckerwasser. Zwei Liter mit 5,4% Zucker und genauso schmeckte es auch. Egal, zum Kraft tanken bestens geeignet.
Und der Regen wurde immer stärker. Die Menschen auf dem Weg vor dem Supermarkt konnte man schön in zwei Gruppen einteilen: die einen hasteten so schnell es ging vorbei, den Regenschirm trotzig den peitschenden Böen entgegen gestreckt. Die anderen schlenderten in normalen Tempo vorbei, sie waren längst so durchweicht, dass es keinen Unterschied mehr machte. 😂
Die Minuten vergingen, der Wasserstand auf dem Weg erhöhte sich mehr und mehr, und nach und nach gehörten alle Passanten zur zweiten Gruppe, ob freiwillig oder nicht.
Wir hatten wirklich wahnsinnig Glück gehabt, denn bei diesem tropischen Wolkenbruch wurden die lehmigen Wege der Tour unpassierbar, die Abstiege zu Sturzbächen. Wir hätten es wohl nur noch auf dem Popo rutschend nach unten geschafft. 😅

Aber irgendwann ließ auch der Regen wieder nach und wir machten uns auf den Weg. Selbst mit Knöchelhohen Wanderschuhen keine leichte Aufgabe, da das Wasser regelmäßig so hoch stand, dass es uns von oben in die Schuhe gelaufen wäre. Bis wir das Hostel erreicht hatten, hatten wir aber den Dreh raus, schon vor jedem Schritt die Tiefe des schlammigen Wassers abschätzen zu können.
Im Zimmer erwartete uns unsere bolivianische Mitbewohnerin, die den Lopes Mendes Strand kurz vor uns ebenfalls zu Fuß verlassen hatte und völlig durchnässt war. Ein Blick auf uns und ein völlig verwirrtes Wie kann es sein, dass ihr nicht nass seid?? Für sie müssen wir wie Wasserbändiger gewirkt haben, die durch tropischen Platzregen laufen können, ohne einen Tropfen abzubekommen. 😂😂 (Die Avatar Anspielung ist übrigens beabsichtigt. 😉)

Ein Geier in der Sonne 
Spannende Wurzeln 


Mein Wasserfilter kommt zum Einsatz 

Der untere Pfeil gibt die Steigung besser wieder… In der Mitte kann man die Seile zum Hochziehen erkennen
So k.o. wie wir waren, stand es außer Frage, am nächsten Tag die noch wesentlich steilere Wanderung zum Papageiengipfel zu unternehmen und zusätzlich würden die Wege nun auch noch extrem rutschig sein.
Stattdessen ließen wir es ruhig angehen und frühstückten erst mal gemütlich. Es regnete eh immer noch.
Gegen Mittag brachen wir auf, allerdings zu einer wesentlich kürzeren Wanderung. Dabei sahen wir einen alten Viadukt und entspannten ein wenig an einem ruhigen Strand (mal wieder um zu lesen).

Unsere Tour (Rundweg) 




Und schon war die Zeit auf der Ilha Grande schon wieder vorbei. Im nächsten Beitrag geht’s weiter. 😉



















Der Papageienberg ist von weitem doch viel spannender anzusehen, warum also raufwandern… 😉
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