Wo waren wir stehen geblieben? Richtig, unsere ersten Tage in Italien sind vorbei und wir haben schon viel zum Thema italienischer Fahrstil und überfüllte Großstädte erlebt. Nun wird es Zeit, zur Arbeit zu kommen.
Unsere Hauptaufgabe war, den zehnjährigen Sohn jeden Tag um halb fünf vom Schulbus abzuholen und die paar hundert Meter nach Hause zu begleiten. Dabei war es wichtig, dass wir pünktlich da sind, da er sonst nicht aussteigen durfte und zurück zur Schule fahren müsste. Dieser Punkt wurde uns gegenüber regelmäßig betont, bis wir uns irgendwann ein bisschen blöd vorkamen. Vor allem, weil es auch die folgenden Tage so weiter ging.
Wenn wir nicht gerade an der Bushaltestelle waren oder uns mit dem Kind beschäftigt haben, haben wir die Wohnung geputzt. Leider waren die Hosts auch dabei total kritisch, und haben z.B. mit dem Finger nochmal alle geputzten Regale auf Staub überprüft. Das hat uns schnell ziemlich genervt, weil wir das Gefühl hatten, dass sie uns gar nichts zutrauen und uns ständig überwachen.
Zusätzlich war die Gastfamilie zwar grundsätzlich nett zu uns, aber auf eine sehr distanzierte Weise. Letztendlich haben wir uns mehr wie Arbeiter gefühlt, die ein Zimmer in der Wohnung untergemietet haben, als alles andere. Dabei ist das eigentliche Ziel von Workaway, in der Familie integriert zu werden und für kurze Zeit als Teil dieser zu leben. Stattdessen wurde beim Essen kaum mit uns geredet und ab und an unser Verhalten spöttisch kommentiert.
Alles in Allem kann man also sagen, dass wir nicht so wohlgefühlt haben. Deshalb haben wir auch hier schon früher unsere Sachen gepackt und sind nach einer Woche wieder gefahren.
Was allerdings nicht heißen soll, dass wir nur schlechte Erfahrungen hatten in Italien, im Gegenteil.
Am Donnerstagvormittag sind wir mit den Fahrrädern nach Monza gefahren. Dort haben wir auf einem Markt Obst und Gemüse für uns und die Familie gekauft (war Teil unserer Arbeit, haben dafür Geld mitbekommen). Der Markt war sehr bunt und trubelig und wir überhaupt nicht an die für unsere Verhältnisse aufdringliche Art der Verkäufer gewöhnt.

Letztendlich haben wir uns für den Marktstand mit den angenehmsten Verkäufern entschieden 😅.
Anschließend haben wir uns beide ein Eis gegönnt. Sehr lecker und endlich nicht mehr so überteuert wie in der Schweiz. (Ich sag nur 3,60€ pro Kugel….)

Auf dem Rückweg sind wir wieder durch den großen Park geradelt. Dabei haben wir diesmal auch das Schloss gesehen (allerdings nur von außen, der Eintritt war uns zu teuer). Der Park selber ist auch sehr schön, überall Eichhörnchen und verschlungene Wege.

Da wir allerdings schon wieder nach Hause mussten, konnten wir nicht auch noch die bekannte Rennstrecke sehen.
Das holten wir dann einen Tag später nach. Schon morgens konnte man die Autos wieder hören, also radelten wir los. Angekommen im Park waren dann leider keine Geräusche mehr zu hören. Und tatsächlich: an der Rennstrecke konnten wir nur noch sehen, wie ein letztes Auto geparkt wurde. Wie ärgerlich, schon wieder verpasst. Dabei hätten wir wirklich gerne einmal die Rennautos über die Strecke flitzen sehen…
Allerdings fiel uns auf, dass ein einer Stelle das Tor zur Fahrbahn geöffnet war. Nach kurzem Überlegen siegte unsere Abenteuerlust und wir überquerten die Fahrbahn, um ein bisschen mehr zu erkunden. Bevor ihr jetzt denkt Leute, seid ihr verrückt geworden, so einfach auf ne Rennstrecke zu spazieren?!?!? – da waren Absperrungen auf der Fahrbahn, sodass klar war, dass hier so bald kein Auto lang fahren würde.
Damit ihr euch alles besser vorstellen könnt hier eine Karte des Parks mit den Wegen, die ich beschreibe. Kreuz 1 ist die Stelle, an der wir die Fahrbahn überquert haben.

Im Inneren der Fahrstrecke angekommen, standen wir plötzlich gegenüber der Tribünen. (2)

Auf dem Rückweg entdeckten wir dann einen kleinen Trampelpfad entlang der Fahrbahn und ich konnte Denise zu noch ein bisschen mehr Abenteuer überreden. (Schließlich heißt das hieß ja Abenteuerblog, da muss ich ja schon ein bisschen was bieten, ne? 😋 ) Am Ende des Weges erwartete und dann tatsächlich wieder Fahrbahn – eine Kurve. (3)
Und da wir nun richtig abenteuerlustig unterwegs waren, beschloss ich, die Fahrbahn zu erklimmen, um mir den Blick von ganz oben anzugucken. (Die Kurve ist geneigt, damit die Rennautos bei ihren hohen Geschwindigkeiten nicht herausfliegen können.) Allerdings ist so eine Kurve wirklich unglaublich steil. Leider kommt das auf keinem Bild wirklich rüber. Ich schaffte nicht die ganze Strecke nach oben. Die folgenden Bilder entstanden, während ich mich mit Händen und Füßen an der Wand abstützte.
Ich hätte es vermutlich auch noch die letzten Meter nach oben geschafft, aber dann ganz sicher nicht mehr herunter, denn ganz oben verlief die Strecke fast senkrecht nach unten. Echt schade, dass die Kameras sowas nicht so gut einfangen…
Das letzte Stück zurück zum eigentlichen Park legten wir sogar auf der Strecke selbst zurück und fühlten uns dabei auf unseren klapprigen Fahrrädern ein kleines bisschen wir Rennautos.
Dieses kleine Abenteuer gehört definitiv zu meines Highlights der Reise, wir hatten wirklich unglaublich viel Spaß dabei! 😇
Am nächsten Tag sind wir dann schon wieder (oder endlich?) abgereist – diesmal in Richtung Frankreich. Eigentlich wollten wir direkt nach Barcelona fahren, aber die Zugreservierung hätte uns Unmengen an Geld gekostet, über 100€ pro Person. Züge in Frankreich sind einfach unglaublich teuer… Stattdessen entschieden wir uns, die Regionalzugvariante ohne Reservierung mit zwei Reiseetappen zu nehmen. Leider mussten wir dafür sehr früh aufstehen, genau genommen sogar vor fünf Uhr morgens… Autsch. Es versprach ein sehr langer und anstrengender Reisetag zu werden, mit sechs Mal umsteigen und 15 Stunden reine Fahrzeit. Ob es auch wirklich so anstrengend wurde, werdet ihr dann im nächsten Beitrag erfahren! 😉
Und wer jetzt enttäuscht ist, dass wir überhaupt keine Rennautos haben fahren sehen: unser Gastvater zeigte uns am Abend ein Video, dass er mal von einer der Tribünen aus gemacht hatte. Dort war ein weniger bedeutendes Rennes zu sehen. Nachdem Denise ein paar Sekunden auf das Handy gestarrt hatte, kommentierte sie das Ganze nur mit einem Naja, sind halt einfach Autos, oder? Über dieses Spruch freue ich mich heute noch und mehr gibt es eigentlich auch nicht zu sagen. Wir hatten ohne die Autos definitiv mehr Spaß an diesem Tag!
Ich weiß, ich hänge inzwischen sehr hinterher… Es fehlen noch gute drei Reisewochen. Inzwischen bin ich doch tatsächlich wieder zu Hause – und natürlich prompt krank geworden. Danke dafür.


