Italien (1/2)

Unsere Hosts in Italien wohnen in der Nähe von Mailand, was für uns sehr praktisch war, da wir nicht so weit fahren und kein extra Geld für eine Sitzplatzreservierung in einem High-Speed-Zug ausgeben mussten. Trotzdem fuhren wir mit gemischten Gefühlen los.

Zum einen, weil (zumindest bei mir) die Reisemotivation massiv gelitten hatte. Da wir in Ungarn ja quasi keine freie Zeit hatten, kamen wir in der Schweiz relativ erschöpft an und genossen die freie Zeit sehr. Die Vorstellung, uns wieder an ungewohnte Zustände gewöhnen, an fremde Tagesrythmen anpassen und eventuell wieder zu viel arbeiten zu müssen, schreckte uns ein bisschen ab.
Vor allem aber hatten die Hosts auf einen Videocall zuvor bestanden. An sich eine sehr gute Sache, anfangs wollte ich das auch vor jedem Besuch machen. Allerdings entpuppte sich das Gespräch mehr wie eine Befragung, bei der uns die Gastmutter kein einziges Mal angelächelt hat, sondern sich nur zu allem Notizen machte. Komisches Gefühl, aber mehr Optionen hatten wir nicht und wir ja immer wieder fahren, sagten wir uns.

Endlich angekommen ließen sie am Bahnhof auch etwas auf sich warten. Von dem langen Tag (zusätzlich zur Zugfahrt hatten wir ja auch noch Bern am selben Tag abgeschaut) erschöpft, saßen wir also auf einer Bank und warteten.
Letztendlich stellten sie sich dann doch als nett heraus, auch die Mutter. Da sie aber schon im Voraus erklärt hatten, dass sie neun Uhr abends zu spät fänden, um noch mit uns zu essen, gingen wir relativ direkt ins Bett.

Am nächsten Tag, einem Samstag, hatten wir frei. Da wir gerade erst angekommen waren, hatten wir noch nicht wirklich Pläne. Beim Frühstück wurden wir dafür von unseren Gasteltern quasi bombardiert mit Vorschlägen.

Dazu gehörte natürlich ein Besuch in Mailand, wo zufällig auch gerade Fashionweek war. Außerdem der königliche Park mit der bekannten Rennstrecke in Monza. (Tatsächlich lag die Strecke so nah, dass man fast durchgängig Rennautos gehört hat.) Und Monza als Stadt selber.

Kurz darauf fanden wir uns im Auto wieder, um kurz ein paar Formalitäten zu erledigen. (Eine unserer Hauptaufgaben war, den zehnjährigen Sohn vom Schulbus abzuholen, da er ansonsten nicht aussteigen durfte und dafür mussten wir als neue Personen angemeldet werden.) Nur kurz dachten wir zumindest. Stattdessen lernten wir einen weiteren Park kennen und wurden anschließend in der Gegend herumgefahren.

Denise war vorher noch nie in Italien und hatte auch nicht vom Klischee des italienischen Fahrstils gehört. Schon das Abholen vom Bahnhof stellte für sie also einen mittelschweren Schock da, denn unser Gastvater fuhr sehr italienisch. Auch ich fühlte mich alles andere als wohl im Auto. Während unserer Tour wurden diverse Kurven geschnitten, über rote Ampeln gefahren, Geschwindigkeitsbegrenzungen ignoriert und mindestens einmal hätte es beinahe gekracht. Währenddessen zeigte der Gastvater munter auf diverse Kreuzungen und ratterte dabei Wegbeschreibungen und Ausflugsziele runter, die wir uns in der Geschwindigkeit und unter den Umständen eh nicht merken konnten. Somit war seine Tour zwar bestimmt nett gemeint, für uns aber vor allem viel Stress und wir waren froh, wieder aussteigen zu können. 😅

Am Sonntag, den 22. September, sind wir dann nach Mailand.

Erinnert ihr euch noch an die Probleme mit dem Auto, bevor ich nach Amsterdam bin? Dieser Fluch hat wieder zugeschlagen, nur diesmal auf die Fahrräder, die uns zum Bahnhof bringen sollten.

Von den vier uns zur Verfügung stehenden Fahrrädern waren natürlich alle komplett platt. Zwei hatten außerdem einen losen Lenker und waren deshalb überhaupt nicht fahrbar. An sich kein Problem, die übrigen zwei hätten ja gereicht. Nur ließ sich das eine nicht aufpumpen.

Ein Nachbar, der zufällig vorbeikam, wollte uns helfen, scheiterte aber auch. (So unfähig sind wir dann auch nicht, es ging tatsächlich nicht.) Das Ventil war kaputt. Obwohl er kein Wort englisch und wir kein italienisch sprechen, schafften wir es irgendwie, uns zu verständigen und er bot uns eines seiner Fahrräder an. Ziemlich cool, so liebe Hilfe zu bekommen, trotz der Sprachbarriere. Definitiv ein Highlight des Reisens.

Am späten Vormittag erreichten wir dann endlich Mailand und stiefelten los in Richtung Innenstadt.

Galleria Vittorio Emanuele II, eine Einkaufsgalerie aus dem 19. Jahrhundert mit ausschließlich Luxusboutiquen

Dank der Fashionweek waren unglaublich viele Menschen unterwegs und wir beide bekamen schnell Kopfschmerzen. Nach einer Pizza und einer kleinen Pause ging es uns aber schon wieder besser. 😇

Duomo, eine bekannte Kathedrale in Zentrum

Am Ende sind wir noch zum Schloss gelaufen und haben uns dort ein wenig umgeschaut. Allerdings muss ich sagen, dass wir nicht lange geblieben sind. An dem Tag hat uns der Trubel der Stadt ziemlich zugesetzt und wir waren beide müde und hatten Kopfschmerzen. Also machten wir uns nach ein paar Stunden vom Schloss aus auf den Rückweg zurück zum Bahnhof.

Außenmauer des Schlosses

Falls ihr jetzt gerade denkt: Halt, du warst dort während der Fashionweek und willst echt gar nichts dazu schreiben?!? Nun ja, weder Denise noch ich wurden als Model entdeckt und deshalb sprechen wir nun nicht mehr darüber.

Spaß beiseite, so viel haben wir gar nicht davon mitbekommen. Einmal haben wir eine kleine Leinwand gesehen, an der man Model auf dem Laufsteg sehen konnte. Das haben wir ein paar Minuten beobachtet, aber das war’s dann auch an Fashion.

Nicht, dass wir es nicht versucht hätten. (Obwohl wir uns beide nicht so sehr für Mode interessieren, aber wenn man schon mal da ist…) Online hatten wir eine öffentliche Veranstaltung gefunden, zu der wir gegangen sind. Statt eines öffentlichen Laufstegs fanden wir aber nur einen ganz normalen Hauseingang vor. Nach kurzem Zögern haben wir uns sogar reingewagt und sind in einem kleinen Palast gelandet. Die prunkvolle Raumgestaltung und der rote Teppich war vielleicht beeindruckend, aber statt großer Show hatten einfach ein paar Leute Makeup und einige Kleider ausgestellt. Nicht viel zu sehen und fehl am Platz haben wir uns auch gefühlt. Um wirklich was zu sehen, muss man Karten zu den eigentlichen Shows haben und irgendwie groß in der Branche sein. So schlimm war’s für uns aber wirklich nicht.

Ich wünschte, ich könnte berichten, dass der Tag damit geendet hat, dass wir zurück zum Bahnhof und ab nach Hause sind. Leider nicht. Stattdessen sind wir mitten in einen großen Streik geraten und alle unsere Züge fielen entweder aus oder hatten unglaubliche Verspätung. Zum Glück hatten wir kurz vorher Kekse gekauft, die haben wir dann gefuttert. (Ihr merkt schon, Essen hilft immer 😉.) Am Bahnsteig trafen wir außerdem eine nette Argentinerin, mit der wir uns ein wenig unterhalten haben und ich ein bisschen spanisch üben konnte.

So waren wir letztendlich doch ganze acht Stunden in Mailand und ganz schön geschafft, als wir endlich wieder zu Hause waren. Nicht unbedingt die besten Bedingungen, um in eine ganz neue Arbeitswoche zu starten… wie es uns dann letztendlich erging und wie warm wir noch mit den Hosts werden konnten, könnt ihr dann im nächsten Beitrag lesen… 😘

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