Erstes Ziel der zweiten Etappe: Polen.
Diesmal bin ich unterwegs mit meiner Freundin Denise. Der Plan ist, zwei Monate zusammen durch Europa zu reisen. Die hoffentlich größte Ausgabe dieser Reise haben wir auch schon gemacht, nämlich unser Interrailticket. Stolze vierhundert Euro hat das gute Stück gekostet, aber dafür können wir jetzt an 15 Tagen innerhalb dieser 2 Monate in ganz Europa fast jeden Zug nehmen.
Am Samstag ging es endlich los, für mich erst gegen neun Uhr, während Denise schon eineinhalb Stunden früher starten musste, um rechtzeitig in Göttingen zu sein. Und der Tag sollte noch lang werden. Vierzehn Stunden, um genau zu sein. Nach einem Aufenthalt in Berlin und Warschau und einer Zugverspätung von etwa 40 Minuten (Ursache ist uns ein Rätsel, standen einfach ne Dreiviertelstunde am Bahnhof in Warschau rum) kamen wir endlich um kurz vor elf bei unseren neuen Hosts zu Hause an. Diese leben etwas abgeschieden in der Nähe von Ciechanow (gesprochen Tschihanof). Dort lernten wir auch gleich die anderen Workawayer kennen: ein Pärchen aus England, das schon seit sechs Jahren auf Reisen ist, und einen Italiener, der überhaupt kein englisch spricht. Interessante Mischung auf jeden Fall. Anschließend sind wir ins Bett gefallen, denn irgendwie ist reisen, selbst wenn man den ganzen Tag nur im Zug rumgesessen hat, manchmal ganz schön anstrengend.
Frühstück gab es zu unserem Glück erst gegen zehn. 😊 Dazu gehörten auch frische Wachteleier aus dem Garten, die zwar schwer zu pellen, aber dafür echt lecker waren. Allerdings stießen wir auch auf ein Hindernis, ob das jetzt kulturell war oder einfach an der Familie lag, wissen wir nicht, aber unsere Gastfamilie hat keine Messer für jede Person gedeckt, sondern einfach ein paar auf den Tisch gelegt, die dann von allen benutzt wurden. Leider funktionierte das nicht so unbedingt, da die anderen Workawayer damit auch nicht vertraut waren, sodass wir immer wieder gar kein Messer hatten. Ich hab dann einfach immer Eier gegessen, das ging schließlich ganz ohne Besteck. 😉 (Und in den folgenden Tagen bestand das Problem zum Glück nicht mehr, da dann wir Workawayer den Tisch gedeckt haben und Besteck endlich reichlich vorhanden war (oder wir zumindest wussten, wo wir etwas nachholen konnten).)
Am Sonntag hatten wir dann auch gleich einen freien Tag und sind mit Fahrrädern zu einem in der Nähe gelegenem See gefahren, um dort zu picknicken und zu lesen.
Ab Montag ging’s dann ans Arbeiten. Am ersten Tag haben wir im auf dem Grundstück gelegenem Waldstück gearbeitet und trockenes Gestrüpp und Baumstämme rausgeholt und verschiedenen Schrott und Müll weggeräumt. Am zweiten Tag haben wir die Trümmer eines alten Gewächshauses zerlegt und einen Zaun abgebaut. Am dritten Tag haben wir Feuerholz gestapelt (größtenteils aus den Trümmern des Gewächshauses) und anschließend für alle gekocht. Abends haben wir außerdem ein großes Lagerfeuer gemacht (mit dem Holz, dass wir am Montag gesammelt hatten) und den anderen Stockbrot gezeigt, was begeistert gegessen wurde. Am vierten Tag haben wir angefangen, den Keller zu entrümpeln, zu putzen und aufzuräumen. Damit haben wir am Freitag weitergemacht und nach der Mittagspause noch den Kühlschrank geputzt. Und dann war die erste Woche schon geschafft. Es ging dann doch schneller als anfangs gedacht. Denn zusätzlich zu der ungewohnten körperlichen Arbeit haben wir auch jeden Tag an die sechs Stunden gearbeitet (statt vier bis fünf, wie auf dem Profil angegeben). Unser Tag sah damit etwa so aus: Frühstück um zehn, ab elf arbeiten, zwischen zwei und drei kure Pause und zwischen halb fünf und fünf Mittagessen. Danach frei. Zwischen neun und zehn dann nochmal Abendessen. Am Ende der Woche hatten wir uns aber gut daran gewöhnt.
Die Wochenenden waren frei und wir hatten geplant, samstags Warschau zu besichtigen und am Sonntag einen eher entspannten Tag zu haben und vielleicht den Park in der Nähe zu besuchen.
Samstagmorgen bereiteten wir uns also auf einen schönen Städtetrip vor. Auch meine über Nacht gekommenen Halsschmerzen und Schnupfen sollten uns nicht aufhalten. Im Zug nach Warschau kam dann auch Fieber dazu, aber da waren wir ja schon unterwegs und ich wollte mir den Tag nicht von so ner blöden Krankheit kaputtmachen lassen. Punkt! Am Ende waren wir sechs Stunden in Warschau und auch wenn es mir echt schon mal besser ging, bereue ich es nicht, mitgekommen zu sein.

Dafür habe ich den Sonntag dann komplett im Bett verbracht. 😅 Auch am Montag konnte ich nicht so wirklich mithelfen, sodass Denise allein weiter im Keller arbeiten musste. Dafür hat sie aber wahnsinnig viel geschafft. Als ich ihr für die letzte Stunde dann doch noch zur Hilfe bekommen bin, konnte ich ihr nur noch beim Wischen des Bodens helfen. Denise, falls du das hier liest: nochmal Respekt an dich!!
Am Dienstag, unserem letzten Tag, war ich tatsächlich wieder fast ganz gesund und konnte normal mitarbeiten. Ich hätte es auch nicht gedacht. Wir haben die letzten Schliffe in unserem Raum im Keller gemacht und (weil wir gerade so drin waren) auch noch den Raum unter der Treppe geputzt. Man erkennt es kaum wieder. Ernsthaft, es sieht aus wie ein anderer Raum. Wir haben leider kein Vorher-Bild gemacht bzw. machen dürfen, aber auf allen Regalen lag Gerümpel, Müll, etc, ohne jede Ordnung, der Boden war mit einer zwei Zentimeter dicken Schicht aus Dreck bedeckt und es stand so viel rum, dass man den Raum kaum betreten konnte. Und so sieht es jetzt aus:


Eingekochtes 
Die Zuckerwatte aus Spinnenweben
Die Gastmutter war sehr happy. 😊 Und wir sind froh, komplett fertig geworden zu sein und nicht ein halbfertiges Projekt zu hinterlassen. Unsere letzten zwei Arbeitsstunden haben wir damit verbracht, die ersten Weintrauben dieses Jahres auf dem Grundstück zu ernten. Diese werden bald zum hauseigenen Wein verarbeitet, welcher sogar verkauft wird.
Unsere Hosts haben aber nicht von Weinverkauf gelebt. Stattdessen war der Gastvater Künstler und die Familie lebt vom Verkauf seiner Bilder. Die hingen auch überall und ab und an haben wir auch kurz in seinem Atelier ausgeholfen (nicht beim Malen, sondern eher Farbe und Bilder aufräumen, etc.). Er freut sich natürlich, wenn seine Bilder gesehen und verkauft werden, und ich nehme an, dass ihr euch freut, viele Fotos und Bilder zu sehen, also sind hier ein paar:

Adams Facebookseite
Auf YouTube gibt es auch ein paar Videos über die Produktion seiner Bilder und Figuren. Außerdem hat ein vorheriger Workawayer ein Video von dem Grundstück und der Umgebung gedreht. Wer also gerne mal genauer sehen möchte, wo und wie wir in Polen gelebt haben, kann gerne mal ins Video reinschauen.
Und dann war unsere Zeit in Polen auch schon wieder zu Ende. Unser nächstes Ziel: Wien. Allerdings nur für zwei Nächte, als Zwischenstopp auf dem Weg nach Ungarn. Italien und Spanien stehen anschließend auch noch auf dem Plan.



Guten Morgen, schön einen neuen Eintrag zu lesen. Einige Infos, die du noch gar nicht erzählt hattest. Gute Fahrt nach Ungarn, die Streber Kommentatorin 😊
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Danke nochmal nachträglich 🙂
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Ich biete Dir auch ein Workaway.. das ist ja nicht zu fassen,was ihr alles schafft! Habe auch sooo viele unerledigte Projekte 😂😘
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Ist kostenfrei sich als Host zu registrieren… 🙂 komme dich aber gerne auch so besuchen :*
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