Ich bin seit einer Woche in Belgien und habe inzwischen schon eine Menge Dinge erlebt, also nichts wie los und alles mit euch teilen! 😀
(Tatsächlich ist es inzwischen schon so viel geworden, dass ich einen extra Beitrag zu den ganzen Städten machen werde, damit dieser Eintrag nicht den Rahmen sprengt.)
Am Sonntag vor einer Woche (4. August) bin ich in Hoogeveen aufgebrochen. Auf dem Weg zu meinen neuen Hosts in Izegem (Südwesten von Belgien) musste ich in Antwerpen umsteigen und habe die Gelegenheit gleich für eine Erkundungstour genutzt. Anschließend ging’s weiter mit dem Zug, bis ich kurz vor sieben endlich bei meiner neuen Gastfamilie ankam.
Meine erste Begegnung mit der Mutter Leen und dem zwanzig Monate alten Liam war sehr nett, allerdings von dem Nervenzusammenbruch Liams geprägt, der völlig verzweifelte, als der heißgeliebte Zug wieder abfuhr.
Zu Hause angekommen war das zum Glück wieder vergessen und ich lernte Vater Nick und Hund King kennen. Nach einem Abendessen für mich, ein bisschen Smalltalk, einer heißen Dusche und einer kurzen Haustour, bin ich an diesem Abend schon ziemlich früh ins Bett gefallen und habe wie ein Stein bis zum nächsten Morgen geschlafen.
Meine täglichen Aufgaben in Izegem: Staubsaugen, mit dem Hund spazieren gehen, Abendessen kochen. Klingt alles machbar. Den ersten Spaziergang habe ich zusammen mit der Familie gemacht, um Gegend und Hund kennenzulernen. In direkter Nähe zum Haus verläuft ein Kanal mit ein paar Bäumen, wo man sehr schön spazieren gehen kann.
Nach dem Spaziergang hatte ich ein bisschen Zeit, die Innenstadt von Izegem zu erkunden (klein, aber schön, Fotos folgen eventuell noch) und dann war auch schon die große Probe gekommen: schmeckt denen, was ich koche?!? Ich hatte Spaghetti mit einer Gemüse-Sahne-Pfanne gekocht, eins meiner Lieblingsessen. Zum Glück fanden sie es auch gut 😀 .
Abends, nachdem Liam im Bett war, saßen wir dann zusammen auf dem Sofa und haben überlegt, ob und wenn ja was wir fernsehen möchten (immerhin gibt es ja eine kleine Sprachbarriere, auch wenn in Belgien das meiste in den Originalsprachen mit Untertiteln gesendet wird). Beim Kochen hatte ich mich mit Nick ein wenig unterhalten und wir haben festgestellt, dass wir alle noch nicht die so gelobte deutsche Netflixserie Dark kennen. Da es schön spät war, wollten wir nur eine Folge gucken und einfach mal in die Serie reinschnuppern. Wer Dark kennt, den wird es nicht überraschen, dass wir stattdessen direkt drei Folgen gesehen haben. 😀 Die Serie ist wirklich spannend und sehr zu empfehlen!
Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass e eben doch etwas anderes ist, direkt in der Familie zu leben, denn ich war abends echt erschöpft (vielleicht auch immer noch von dem langen Tag zuvor). Als Leen einmal die Rinde vom Brot geschnitten hat, bevor sie es Liam gab, hatte ich tatsächlich einen Gedankengang wie Komisch, dass sie die Rinde abschneidet für das Kind, ob das wirklich das beste ist, immerhin sind da ja die meisten Vitamine… Ohne Kommentar. 😀
Am Dienstag sind wir alle zusammen ans Meer gefahren. Allerdings so weit in den Norden, dass wir tatsächlich wieder in den Niederlanden waren, wenn auch nur grade so. Der Strand war aber echt schön und gut für Hund King geeignet. Ich habe – natürlich – Muscheln gesammelt und bin barfuß in den Wellen spazieren gegangen. Zurück zu Hause habe ich dann gefüllte Paprika gekocht und wir haben weiter bis spätabends Dark geguckt.
Mittwoch war mein freier Tag und den habe ich genutzt, um Brügge zu erkunden.
Donnerstagabend war dann Babysitten für mich angesagt. Es lief überraschend gut, vor allem wenn man die wirklich große Sprachbarriere zwischen Liam und mir betrachtet. (Ich habe meistens deutsch mit ihm gesprochen, da das am ähnlichsten zum Flämischen ist, aber die größte Teil der Kommunikation verlief immer über Tonlage, Mimik und Gestik.) Wir hatten sogar einen eigenen kleinen Tanz zu seiner Spielzeugmusik, den wir ein paar mal getanzt haben. Ein sehr entspannter Abend.
Samstag ist die Familie nach Gent gefahren und hat mich mitgenommen, sodass ich eine weitere Stadt erkunden konnte. Abends bin ich nach Hause gefahren, mit King spazieren gegangen und habe ihn und mich gefüttert und dann hieß es putzen und packen. Das war meine letzte Aufgabe, das Bad zu putzen und alles zu wischen. Dafür hatte ich das komplette Haus für mich alleine.
Mir sagen immer wieder Leute, dass sie es krass finden, einfach so in fremde Familien zu fahren. Es ist natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden, aber man darf nicht vergessen, dass die Familien auch eine fremde Person zu sich aufnehmen. In diesem Fall haben sie mir ihren Hund, ihr Kind und ihr komplettes Haus anvertraut, obwohl sie mich nur ein paar Tage kannten.
Sonntag habe ich alles zu Ende geputzt und gepackt, King gefüttert und ein letztes Mal spazieren geführt und gegen Mittag ging’s los in Richtung Brüssel, zur nächsten Städtetour. Anschließend ging’s direkt weiter zu meinen neuen Hosts.
Dort (in der Nähe von Aarschot) bin ich gegen halb sieben angekommen, hab kurz geduscht und dann gab es Abendessen. Hier habe ich auch zum ersten Mal einen anderen workawayer getroffen. Nach dem Essen haben wir zu dritt (der wokawayer aus Spanien, einer der Söhne und Ich) die Küche aufgeräumt und uns dabei ganz gut unterhalten, sodass das Eis gebrochen war.
Am nächsten Morgen durfte ich dann bei einem ganz spannenden Projekt mithelfen. Diese Hosts waren nämlich mit die ersten, die ich überhaupt kontaktiert habe und ich bin sehr happy, dass sie mich genommen haben. Denn sie bauen sich ein eigenes Haus mit Stroh und Lehm. Tatsächlich läuft das Projekt schon seit drei Jahren und inzwischen steht schon alles, nur noch im Erdgeschoss müssen die Wände gemacht werden. Also habe ich geholfen, diese mit einem Gemisch aus Lehmerde, Wasser und ein bisschen Zement (nicht notwendig, aber macht es noch ein bisschen stabiler) einzustreichen, sodass langsam eine (gerade!!!) Wand entstand. (Die Wand gerade zu machen ist tatsächlich manchmal eine ganz schöne Herausforderung.)

Am zweiten Tag stand leider nur Gartenarbeit an und nun geht es tatsächlich schon wieder nach Hause morgen früh. Aber mit den Hosts ist abgesprochen, dass ich nächstes Jahr wieder komme, denn ich bin sehr gespannt, wie sich das Projekt entwickelt und was aus meiner ( 😀 ) Wand wird.
Okay, ich habe es tatsächlich geschafft! Juhu, jetzt fehlen nur noch die einzelnen Städte und ein Fazit der ersten Etappe. Aber weil dieser Beitrag immer noch Willkommen in Belgien heißt (angefangen natürlich schon vor einer Woche), werde ich es jetzt mal gut sein lassen. Bilder folgen noch.
Ich hoffe, ihr hattet bis hierhin Spaß beim Lesen und begleitet mich auch noch gerne auf meinen nächsten Reisen. 🙂
