Jetzt ist es ja leider doch schon ne ganze Weile her, seit ich das letzte Mal geschrieben habe und dementsprechend ist auch eine Menge passiert. Ich bin inzwischen nicht mal mehr in den Niederlanden. Stattdessen sitze ich grade in dem Auto einer neuen Familie, auf dem Weg ans Meer. Aber der Reihe nach.
So richtig von meinem Alltag berichtet habe ich das letzte Mal vor fast zwei Wochen. Da hatten wir gerade unseren ersten freien Tag und wollten zum See und picknicken. Das war am Mittwoch. Am Freitagabend haben unsere Hosts uns zum Grillen eingeladen (mit extra vegetarischen Würstchen für mich 😀 ), um uns noch ein wenig besser kennenzulernen. Die beiden sind echt super nett und war ein sehr schöner Abend.
Anfang der nächsten Woche ist es dann endlich ein wenig abgekühlt und hat sogar geregnet. Endlich wieder ein wenig länger schlafen 😀 !
Am Montag hat Johanna mich an ihre Haare gelassen, schneiden und färben. Hatte mit beidem keine Erfahrung, deshalb noch mal Hut ab an Johannas Vertrauen in mich! Letztendlich ist es aber auch ganz gut geworden, sind beide zufrieden. 😀
Dienstag waren wir in Amsterdam.
Leider hatten unsere Hosts am Dienstag selber keine Zeit, die Paddocks abzuäppeln, sodass am Mittwoch gleich die doppelte Ladung auf uns gewartet hat. Das war scheiße, im doppelten Sinne.

Unsere Motivation hat deshalb zum Ende hin auch rapide abgenommen. Und auch die vorher noch ach so süßen Pferde haben wir zunehmend als Belastung empfunden. Gegen Ende muss ich eine richtige Spaßbremse gewesen sein, denn man durfte mich weder probeweise anknabbern noch in meine Schubkarre steigen und diese dabei umschmeißen.
Wir hatten Glück, denn während unserer zweiten Woche war eine Art Volksfest im nächsten Ort, sodass wir ein bisschen niederländische Kultur schnuppern konnten. Am Donnerstagabend sind wir ein wenig durch die Fußgängerzone geschlendert. Neben den üblichen Fahrgeschäften haben wir auch einen Wettkampf entdeckt, den wir so noch nie gesehen haben. Dabei sind immer zwei Männer
gegeneinander angetreten und haben Balken aus Holz, geschätzte 1,5m lang, so
weit wie möglich geworfen. Kommentiert wurde das ganze auch, allerdings sprach
derjenige so schnell, dass wir kein Wort verstehen konnten. Ich habe leider
kein Bild davon und weiß auch nicht, wie das Ganze heißt, deshalb kann ich euch
nicht wirklich mehr darüber erzählen.
Anschließend haben wir uns mit einem Eis an einen Kanal gesetzt und den Tag
entspannt ausklingen lassen.
Am Freitag hatten wir dann plötzlich schon unseren letzten gemeinsamen Abend. Und den haben wir tanzend, putzend und singend verbracht. Der ganz klare
Song dieser Reise: Alive von Empire of the Sun.
Samstag hieß es dann ein allerletztes Mal: misten, füttern, tränken. Anschließend habe ich Johanna zum Bahnhof in Hoogeveen gebracht (übrigens mit einem neuen Auto, konnten den Caddy gegen einen Renault 206 eintauschen. Ein klares Upgrade, der hatte nicht nur Zentralverriegelung und eine heile Windschutzscheibe, sondern auch ein RADIO!!!) und plötzlich war ich alleine.
Als uns unseren Hosts von dem Volksfest im Nachbarort erzählt haben, haben sie auch von einem sogenanntem Autorodeo gesprochen, das Samstagnachmittag stattfinden würde und wohl ziemlich cool sei. Ich hatte keine Ahnung, was das sein könnte, also warum nicht ab ins Auto und herausfinden? (Kurz hab ich gezögert, ganz alleine hinzufahren, ist das nicht vielleicht komisch oder langweilig? Dann ist mir klar geworden, dass ich für die nächsten zwei Wochen alleine reisen und mit dem Gedankengang überhaupt nichts erreichen oder erleben würde… ich Dummerchen. 😂 )
Am Veranstaltungsort angekommen, habe ich sofort eine große Menschenmenge gesehen, die um ein Feld in der Größe eines kleines Fußballfeldes herumstanden und jubelten, buhten, anfeuerten und anscheinend eine Menge Bier tranken.
Das erste was ich von dem ganzen Spektakel sehen könnte, war, wie große Traktoren einige ziemlich lädierte Autos vom Platz getragen haben und ich dachte schon, ich hätte alles verpasst. Doch dann rief der Moderator (der dieses Mal glücklicherweise so langsam gesprochen hat, dass ich ihn mit ein paar Interpretation gut verstehen konnte, deutsch und niederländisch sind dann ja doch nicht so verschieden) wieder neu die Autos aufs Feld und alles ging von vorne los. Nach ein paar Runden hatte ich das Prinzip so weit verstanden: Autorodeo ist im Prinzip wie Autoscooter, nur halt mit echten Autos. Klingt so krass wie es war. Falls ihr früher die TV total Stock Car Crash Challenge von Stefan Raab geschaut habt, die war eigentlich ziemlich ähnlich.
Am Anfang ruft der Kommentator alle Autos aufs Feld, die noch fahren können. Wobei das echt eine Auslegungssache zu sein scheint, denn bei nicht wenigen Autos dampfe die Motorhaube, verschiedene Teile hingen vorne und hinten raus oder schleiften auf dem Boden, Räder standen schief oder hatten keinen Mantel mehr und ein paar Mal blieb das Auto sogar schon auf dem Weg zur Startposition liegen und musste wieder rausgetragen werden. Zum Start selber haben sich alle Autos am Rand aufgereiht.
Nach dem Startsignal sind alle wild herumgefahren und haben versucht, die anderen Autos durch Rammen in den kleinen Graben, der um das Feld herum ausgehoben wurde, hineinzuschieben. Allerdings wurde meistens derjenige, der das andere Auto gerammt und so in den Graben befördert hatte, selber von hinten gerammt, bevor er zurücksetzen und weiterfahren konnte. So entstanden manchmal innerhalb von Sekunden Reihen von mehreren Autos hintereinander. Durch die Wucht haben sich die vorderen Autos ineinander verkeilt und konnten so nicht mehr am Wettkampf teilnehmen. Nachdem der Gewinner (das Auto, das als letztes noch fahren konnte) bekannt gegeben wurde, kamen die Traktoren aufs Feld, um alle Autos rauszutragen und anschließend begann alles von vorne. Ich bin nicht bis zum Ende geblieben, vielleicht spielen die das, bis nur ein einziges Auto überhaupt noch fahren kann. Wundern würde es mich nicht.
Zur Sicherheit des Ganzen: die Fahrer trugen Schutzanzüge, Halskrausen und Helme. Die Autos waren umgerüstet, die wichtigsten Teile schienen hinter dem Fahrer auf der Rückbank zu sein (Motor, Tank, etc). Auf den folgenden Bildern sieht man ein umgerüstetes Auto von nahem und wie die ramponierten, nicht mehr fahrtüchtigen Autos wegtransportiert werden.



Eine spannende Erfahrung was das auf jeden Fall. Wer gerne noch mehr wissen möchte: sucht einfach mal nach Dedemsvaart Autorodeo, online gibt’s viele Bilder und Videos. (Generell versuche ich euch immer genug Informationen zu geben, dass ihr selber recherchieren könnt, wenn ihr noch mehr wissen wollt. Ansonsten könnt ihr natürlich auch immer bei mir nachfragen. 😉 )
Und so schnell war dann auch mein letzter Abend gekommen. Leonie und Anton (die Hosts) haben mich abends noch zu sich ans Lagerfeuer eingeladen und wir haben ein letztes Mal Geschichten ausgetauscht und von unseren weiteren Plänen erzählt. Sonntagmorgen ging’s dann wieder zum Bahnhof Hoogeveen, 8:17 fuhr mein Zug. Und nach einem kurzes Aufenthalt am Bahnhof/Flughafen Shiphol (der ist vielleicht riesig :O ! Aber ich habe noch nie so saubere öffentliche Toiletten gesehen, noch dazu kostenfrei. Chapeau dafür), war ich auch schon schwuppdiwupps in Belgien. Aber meine Abenteuer dort sind Inhalt einer neuen Geschichte…
Natürlich habe ich nicht alles auf der anfangs genannten Fahrt zum Meer geschrieben. Im Gegenteil, schon nach ein paar Sätzen bin ich eingeschlafen. 😀 Das ist jetzt leider schon wieder zwei Tage her und ich habe schon so viel neues erlebt, ich komme mit dem Berichten kaum noch hinterher. Als kleine Entschuldigung für die lange Wartezeit gibt’s jetzt immerhin noch ein paar letzte Eindrücke aus den Niederlanden:

Die Störche!! 
Das neue Fohlen, damals grade mal eine Woche alt 
Jungpferde am Dösen während der Hitze 
Eine der zahlreichen Alleen 
Hinter den Bäumen rechts liegt der Hof


