Am Dienstag hatten wir unseren zweiten freien Tag und den haben wir für einen Trip nach Amsterdam genutzt.
Und wie das so mit großen Plänen ist, hat natürlich nicht alles so funktioniert wie geplant.
Ein paar Tage vorher haben wir mit der Planung angefangen. Eigentlich wollte uns noch eine Freundin aus Deutschland besuchen kommen. Erstes Problem: unser Caddy hat nur zwei Sitze, wir können also nicht alle drei vom chalet aus starten. Dann also in Amsterdam übernachten. Lohnt sich ja eh mehr.
Irgendwann wurde uns aber klar, wie teuer die Züge aus Deutschland eigentlich sind und da alles eh ziemlich kurzfristig wurde, ist unsere Freundin dann leider doch abgesprungen, verständlicherweise.
Zu zweit haben wir also weitergeplant. Übernachten wir von Montag auf Dienstag oder von Dienstag auf Mittwoch? Welche Hostel sind denn noch frei? Wann fahren Züge von Hoogeveen und was kostet das eigentlich? Was kann man überhaupt alles so in Amsterdam machen?
Mitten in unserer Planung schlugen unsere Hosts vor, doch mit dem Auto bis kurz vor Amsterdam zu fahren und dann ab dort ein deutlich günstigeres Zugticket zu kaufen. Interessanter Vorschlag, vor allem der Teil mit dem Geld sparen 😉 . Und schneller wären wir auch. Meine letzte Autobahnfahrt war allerdings schon ein Weilchen her, ganz zu schweigen von den niederländischen Verkehrsregeln und unserem klapprigen Auto. Aber gut, ich schaffe das schon. Was soll schon schiefgehen?
Montagnachmittag stand dann endlich der grobe Plan: wir würden mit dem Auto bis nach Diemen fahren, dort parken und drei Stationen weiter mit dem Zug bis nach Amsterdam-Centraal fahren. Und wir würden nicht übernachten, sondern abends wieder zurückkommen.
Am Dienstagmorgen sind wir früh aufgestanden und saßen zwanzig vor acht im Auto. Kleine Verzögerungen eingerechnet sollten wir spätestens gegen zehn in Amsterdam sein. Perfekt. Gut gelaunt ging’s also los.
Etwa fünfhundert Meter weit. Dann ging ein Alarm im Auto los. Kein höfliches Pling, wie wenn der Tank bald alle ist, sondern ein richtig lautes Piepen, das es mir schon psychisch nicht mehr möglich machte, weiterzufahren. Vergleichbar mit einem Feuermelder. Die Kontrollleuchte vom Öl blinkte. Vermutlich kein Öl mehr. Damit wollten wir natürlich auf keinen Fall weiterfahren. Unser Trip startete also auf dem Randstreifen der Landstraße, fast noch in Sichtweite von unserem chalet.
Gegen viertel nach acht hatten wir endlich unsere Hosts erreicht. Inzwischen hatten wir den Ölstand schon überprüft und festgestellt, dass sehr wohl noch genug Öl da war. Was sollte also der Alarm? Zum Glück hatten die Hosts eine sinnvolle Erklärung: Am Montag hatten wir noch ein neues System für vorne bekommen, sodass wir wieder eine verlässlich funktionierende Geschwindigkeitsanzeige hatten. (Unsere Hosts betreiben neben der Pferdezucht noch eine eigene Autowerkstatt, ziemlich cool.) Diese hat allerdings einen anderen Ölsensor, der nun vermutlich verrücktspielte. Also sind wir zur Werkstatt gefahren (zum Glück diesmal ohne Piepen), haben dort dann wieder unser altes System eingebaut bekommen und konnten endlich starten. Inzwischen war es nämlich auch schon nach neun.
Die eigentliche Fahrt verlief zunächst problemlos. Alle Anzeigen funktionierten, die Autobahn war nicht zu voll. Kurz vor Diemen wurde es dann stressiger, da mehrere Autobahnkreuze hintereinanderkamen, sodass die Autobahn zwischendurch sechs oder sieben Spuren hatte und ich sehr aufpassen musste, welche Spuren wann wohin abfuhren. Zusätzlich war es inzwischen auch echt voll und durch die eingeschränkte Sicht (kein Schulterblick möglich, da hinten keine Fenster) musste ich mich ziemlich konzentrieren. Aber letztendlich hat alles geklappt und wir haben sogar einen kostenfreien Parkplatz keine zehn Minuten Fußweg vom Bahnhof in Diemen gefunden. Um kurz nach zwölf waren wir dann endlich in Amsterdam.
Kennt ihr die kostenfreien Stadtführungen von Sandman? Die sind sehr zu empfehlen. Man muss die vorab im Internet buchen und wird dann etwa zwei bis drei Stunden durch die Stadt geführt. Dabei sieht man sowohl die größten Touristenattraktionen, als auch ein paar Geheimtipps. Am Ende der Tour zahlt jeder den Preis, den er für die Tour zahlen möchte. Das ist vor allem praktisch, wenn man, wie ich, nicht das Geld für eine andere teure Stadtführung hat. Während der Tour haben wir etwas über die Entstehungsgeschichte von Amsterdam gelernt und wie die Stadt ihren Wohlstand erreichte, wer der Hasenkönig war und wie er zu seinem Namen kam (ein Versprecher, statt Ich bin euer König (koning) sagte er Ich bin euer Kaninchen (konijn)), haben ein ehemaliges Frauengefängnis gesehen, das schon vor mehreren hundert Jahren mit dem Ziel arbeitete, seinen Insassen durch Bildungsmöglichkeiten innerhalb der Einrichtung eine bessere Zukunft zu bereiten, und vieles mehr. Alles natürlich begleitet von dem permanenten Geruch nach Gras, obwohl dieses dort eigentlich auch illegal ist. Aber wie unser Guide uns erklärte, ist Amsterdam eine sehr offene und tolerante Stadt und solange man nicht negativ auffällt, wird dort so ziemlich alles geduldet.
Das Anne-Frank-Haus haben wir nur kurz von außen gesehen, Tickets hätten wir online schon mindestens zwei Monate im Vorraus buchen müssen. (Da steckten wir alle noch im Abi… wow, ist das lange her.) Auch andere kostenpflichtige Museen haben wir nicht besucht. Stattdessen haben wir uns ein paar schöne Sachen als Andenken in den vielen Läden der Shoppingmeilen gekauft. 😀
Abends saßen wir am Steg eines Kanals, haben die Beine baumeln und den Tag ausklingen lassen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof haben wir einem Straßenkünstler noch eine Weile zugesehen und sind dann gegen halb zehn gefahren.
Nach den anfänglichen Schwierigkeiten war es doch noch ein ziemlich schöner Tag, sodass wir, als wir dann gegen Mitternacht zu Hause waren, glücklich und zufrieden ins Bett gefallen sind.





Eine der vielen Pride-Fahnen 
Houten Huys 
Blick vom Steg am Abend
Auf diesen Bildern könnt ihr noch ein paar Eindrücke sehen. Die Pride-Fahnen hingen dort wirklich überall und auch fast jedes Geschäft hatte das Thema mit aufgegriffen. Das schwarze Haus ist eines der beiden einzigen Holzhäuser der Stadt. (Nachdem die Stadt Anfang des 15. Jahrhunderts zweimal komplett abgebrannt ist, dürfen nämlich nur noch Häuer aus Stein gebaut werden.) Es heißt Houten Huys, wurde 1528 erbaut und steht im Begijnhof.

Was Autos betrifft, bist Du jetzt Profi !!
Schöner Städte-Trip Bericht, war noch nie dort. XJX
LikeGefällt 1 Person