(Donnerstag, 12. März 2020) San Pedro hat definitiv einen besonderen Platz in meinem Herzen. Zum einen natürlich wegen der unglaublichen Landschaft, den Tieren, den Erlebnissen, da können nur wenige Orte mithalten. Aber auch, weil dies der letzte Ort unserer Reise war und mit dem Abschied von diesem fantastischen Kontinent und den ganzen Orten verknüpft ist, die ich nicht mehr sehen durfte.
Doch auch ganz alleine ist San Pedro etwas ganz besonderes und ich freue mich, zum Schluss nochmal von so einem fantastischen Ort berichten zu können.
Schon die Fahrt war besonders. Wir hatten schon wieder eine Nachtfahrt gebuchte, die erst gegen Mitternacht in Salta (Argentinien) startete. Tatsächlich fuhren wir die gleiche Strecke, die wir schon auf unserem Ausflug zu den Salinas Grandes gefahren waren. Eigentlich wollte ich unbedingt wach bleiben, um die große Salzfläche im Mondschein bestaunen zu können, aber dann hat mich die Müdigkeit doch überwältigt. Schade. Aber ihr erinnert euch bestimmt auch, dass wir auf dem Weg zu den Salinas einen Pass von 4200 Metern Höhe überwinden mussten und der Sauerstoff in Kombination mit frühen Morgenstunden hat es mir echt nicht leicht gemacht, wach zu bleiben…
Ein paar Stunden später bin ich davon aufgewacht, außer Atem zu sein. Das ist eher ungewöhnlich, denn normalerweise macht man keinen Sport im Schlaf und in den engen Bussitzen bleibt auch nicht viel Platz zum Hin- und Herwälzen. Mit meinem Handy konnte ich schnell unsere momentane Höhe bestimmen und staunte nicht schlecht: Fast 5000 Höhenmeter!! Kein Wunder, dass ich schneller geatmet habe. (Eine kurze Recherche bei bei Quarks und ich kann euch noch mehr erzählen: In einem Artikel ist zusammengefasst, welche Auswirkungen verschiedenen Höhen auf den Körper haben. Ab 5000 Meter trägt den passenden Titel Sauerstoffmangel raubt einem den Schlaf, sehr passend. Laut Quarks beträgt der Luftdruck in dieser Höhe nur noch 50%. Den Sauerstoffmangel können wir im wachen Zustand durch bewussteres Atmen noch ganz gut ausgleichen, schlafend fällt uns das aber schwerer und es kommt zu Schlafstörungen. Man braucht etwa zwei Wochen, um sich an diese Höhe zu gewöhnen, ab 5300 Metern ist eine Akklimatisierung allerdings überhaupt nicht mehr möglich. Spannend!) Wichtig ist vielleicht auch noch zu erwähnen, dass ich nie Angst oder so etwas bekommen habe durch den Sauerstoffmangel. Ja, es fällt auf, man atmet anders und selbst Schuhe zuschnüren wird zum Sport, aber ich fand das alles total faszinierend.
Am Grenzübergang nach Chile mussten wir mal wieder durch das übliche Prozedere. Diesmal wurden unsere Rücksäcke sogar per Hand durchsucht. Gar nicht so einfach, danach alles wieder in den prall gefüllten Rucksack zurück zu stopfen, besonders, wenn man dabei noch unfreundlich auf spanisch angemeckert wird. Der Grenzbeamte hatte echt einen schlechten Tag 😅.
Direkt an der bolivianischen Grenze hatten wir einen tollen Blick auf die Vulkane der Gegend und nach und nach würde die Landschaft immer wüstentypischer.

Großer Vulkan an der bolivianischen Grenze auf fast 5000 Metern Höhe 
Danach ging es bergab. Bei den Vulkanen waren wir auf fast 5000 Metern Höhe gewesen, San Pedro liegt aber nur bei etwa der Hälfte. Der Straße hat man die Neigung gar nicht so sehr angesehen, aber alle paar hundert Meter waren Notausfahrten, falls die Bremsen versagen, die auch alle gut benutzt aussahen. Und irgendwann haben auch die Ohren ganz schön geknackt.
Nach einer Stunde Abfahrt, vielleicht anderthalb (es ging wirklich schnell nach unten) kam San Pedro in Sicht. Eine kleine Oase inmitten von rotem Sand. Doch beim Aussteigen sanken meine Schuhe erstmal im Schlamm ein und auf den Straßen schimmerten Pfützen. Die hätten wir hier, inmitten der trockensten Wüste der Welt, nun wirklich nicht erwartet. Es hat sich rausgestellt, dass die eine Woche Regen, die es dort jährlich gibt, gerade zu Ende ging. Wir waren quasi pünktlich mit der Sonne dort angekommen.
San Pedro ist ein kleiner Ort, der gut vom Tourismus zu Leben scheint. Dabei wirken Lehmhäuser mit Wellblechdächern normalerweise eher ärmlich, doch dort ist eben alles anders. Wir haben uns dort sofort wohlgefühlt.

Regenbogen am ersten Abend 
Pfützen in der Innenstadt 

blaue Tür führt zu unserem Hostel und auf dieser Bordsteinkante saß ich bei endlosen Telefonaten, da nur hier WLAN-Empfang war. Der Ausblick war dafür sehr schön.
Unser letztes Hostel war auch super schön, mit einem kleinen Innenhof, bunten Bildern an allen freien Flächen, einer Feuerstelle und Hostelkatze. Ziemlich schnell lernten wir zwei deutsche Mädchen (Elisa und Marie) kennen, mit denen wir zusammen aßen und Ausflüge unternommen.
Den restlichen Tag erholten wir uns von der Nachtfahrt und marschierten anschließend ins Zentrum. Dort drängen sich die Tourishops und überschütten einen mit Sonderangeboten. Nach und nach bekamen wir einen Überblick über alle möglichen Unternehmungen, durchschnittliche Preise und Kombiangebote und entschließen uns letztendlich zu drei Ausflügen, von denen ich später berichten werde.
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zurück ins Zentrum, um uns dort zwei Fahrräder zu mieten. Die haben uns übrigens positiv überrascht, denn anders als in Mendoza bekamen wir keine klapprigen Räder, sondern schicke Moutainbikes. Einen Helm (in Chile gilt für Fahrradfahrer Helmpflicht, an die sich auch fast alle halten. Ziemlich cool) und eine Warnweste gab es auch noch dazu und los ging’s.
Unser Ziel: die Valle de La Luna, eins der beliebtesten Ausflugsziele der Atacamawüste und nur wenige Kilometer außerhalb des Ortes gelegen. Am Eingang des Gebietes zahlten wir wieder eine kleine Eintrittsgebühr und bekamen eine weitere Karte mit allen Sehenswürdigkeiten des Tals.
Es heißt zwar Valle de La Luna, aber für mich sah es dort eher aus wie auf dem Mars. Eine Landschaft wie von einem anderen Planeten. Rote Sanddünen, mit Salz verkrustet, und im Hintergrund die Vulkane. Der absolute Wahnsinn.
Wir besichtigten ein paar Aussichtspunkte und trafen eine Französin aus unserem Hostel. Die letzte Etappe ließen wir allerdings aus. Dafür hätten wir noch mal einige Kilometer weiter ins Innere des Tals fahren müssen und wir waren echt k.o. Die dünne Luft, das Fahrradfahren bergauf und auf Sand, die Temperaturen und die knallende Sonne, das alles machte uns dann doch ziemlich zu schaffen. Lieber ließen wir den Rückweg langsam angehen und genossen die Aussicht.
Am nächsten Tag mussten wir sehr früh aufstehen. Sehr sehr früh. Um vier Uhr morgens wurden wir vor unserem Hostel für den ersten Ausflug abgeholt. Der Grund für diese frühe Stunde? Wir fuhren zu dem Geysirfeld, das nicht nur eine Ecke Fahrt entfernt war, sondern eben auch zum Morgengrauen am aktivsten. Das Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt:
Im Anschluss konnten wir in einem heißen Becken baden und bekamen Frühstück von unserem Guide zubereitet. (Das Frühstück war der einzige Grund, das heiße Becken wieder zu verlassen, denn nachts kühlt die Wüste ganz schön ab und auch nach Sonnenaufgang waren die Temperaturen gerade erst wieder über null Grad geklettert…)
Anschließend fuhren wir durch die Wüste und bekamen verschiedene tolle Dinge gezeigt. Dazu gehörten die Salzwasserbecken, die vor Leben blühten und in denen unter anderem Flamingos lebten. Auch einige Vicuña bekamen wir wieder zu sehen (Lamaart, wie die Quanacos in Patagonien, nur ohne schwarze Schnauze und Schwanz). Außerdem liefen wir in ein Tal hinein, in dem jede Menge Kakteen wuchsen. Kakteen wachsen extrem langsam, häufig nur wenige Zentimeter pro Jahrzehnt, die Kakteen um uns herum waren jedoch schon viele Meter hoch und damit sehr alt. Ziemlich beeindruckend. Und pieksig! 😅😂
Am Nachmittag erreichten wir San Pedro, erschöpft und glücklich.
Nach dem Ausflug war es mit der Entspannung für uns leider vorbei. Im Hostel erwartete uns eine aufgewühlte Stimmung. Corona war in Südamerika angekommen.
Vereinzelte Fälle gab es zwar schon seit ein paar Wochen, aber ansonsten war das alltägliche Leben noch sehr unberührt von der Pandemie, die zu dieser Zeit schon vieles in Europa lahm legte. Doch jetzt hatten auch die südamerikanischen Regierungen die Gefahr erkannt und Maßnahmen ergriffen. So durften Leute aus Risikoländern in einige Länder wie Peru mehr einreisen. Deutschland war zwar gerade noch kein Risikoland, aber wer wusste schon, wie sich das in den nächsten Wochen entwickeln würde und wie einfach es werden würde, nachzuweisen, dass wir nicht mehr in Deutschland gewesen waren. Mittendrin rief mich Denise an und sagte unsere Irlandreise ab, die ich direkt im Anschluss mit ihr unternehmen wollte (noch bevor ich nach Hause fuhr, ich wäre direkt von Lima nach Dublin geflogen), da sie auch von ihrer Gastfamilie in Irland nach Hause geschickt wurde. Auch einige aus dem Hostel beschlossen abzureisen, darunter eins der beiden deutschen Mädchen (Elisa), mit denen wir an den Geysiren waren. Caro und ich wollten aber lieber erstmal abwarten und eine Naht drüber schlafen, bevor wir so eine Entscheidung trafen.
Außerdem erwartete uns abends noch ein weiterer Ausflug, diesmal ging es zum Sterne gucken. 😍😍
Die Atacamawüste ist dafür ideal geeignet und viele Wissenschaftler beobachten von dort aus den Nachthimmel. Das hat drei Gründe: zum einen ist die Wüste sehr trocken (ihr erinnert euch, trockenste Wüste der Welt), weshalb es kaum Wolken oder auch nur Dunst in der Luft gibt, die den Blick verschleiern könnten. Außerdem gibt es nur wenige Orte, die in der Wüste liegen und keine Städte, weshalb auch Lichtverschmutzung kein Problem darstellt. Der dritte Grund ist, dass die Wüste relativ hoch liegt (mehrere tausend Meter über dem Meeresspiegel) und der Blick in den Himmel dadurch noch klarer ist.
Die Nachttour war ein weiterer Traum von mir und wir wurden nicht enttäuscht. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde in die Nacht gefahren waren, stiegen wir inmitten der Wüste aus und der Anblick war wirklich magisch. Sterne über Sterne, unfassbar viele. Die Milchstraße lief klar sichtbar über unsere Köpfe hinweg und ich glaube, ich hätte stundenlang mit offenem Mund in den Himmel starren können und mich trotzdem nicht sattgesehen.
Der Guide erklärte uns einiges zu den Sternbildern, die wir sehen konnten, und wir durften entfernte Galaxien und Sternenwolken (Nebel? Keine Ahnung, wie man die nennt 😂) durch die verschiedenen aufgebauten Teleskope bewundern. Dazu gab es Wein und heiße Schokolade und jede Menge Knabberkram. Wir gönnten uns ein professionelles Foto vor dem Sternenhimmel, denn Handykameras sind leider (noch) nicht in der Lage, diese Bilder festzuhalten. Links ging der Mond auf, in echt nur ein leichter Schimmer am Horizont, aber auf dem Bild verblendet er schon eine Menge der Sterne. Aber man kriegt trotzdem eine gute Vorstellung davon, wie schön es an dem Abend war!
Wieder zurück im Hostel fielen wir erschöpft ins Bett (schließlich waren wir fast 24 Stunden wach, da wir so früh für den anderen Ausflug aufgestanden waren).
Am nächsten Morgen wachte ich vor Caro auf und lief als erstes nach draußen auf die Straße (nur dort hatte man WLAN-Empfang. Mich erwarteten einige verpasste Anrufe und Nachrichten von meinen Eltern. Die Situation hatte sich weiter zugespitzt und die meisten südamerikanischen Länder hatten alle Flüge nach Europa gestrichen. Zurück nach Hause fliegen konnten wir nur noch zwei Tag lang. Dank Zeitverschiebung hatten meine Eltern mit dieser Info schon einige Stunden auf mich warten müssen und machten dementsprechend Druck, sofort einen Flug zu buchen. Caro kam kurze Zeit nach und auch ihre Eltern wollten, dass sie nach Hause kam. Auch das andere deutsche Mädchen (Marie) buchte einen Rückflug und war nur kurze Zeit später auf dem Weg zum Flughafen. Im ganzen Hostel waren die Leute am Telefonieren und Packen, nur die wenige Südamerikaner:innen frühstückten entspannt.
Die Details des Buchens erspare ich euch, nur so viel: Caro und ich hatten beide nicht genug Geld auf unserem Konto, um für uns beide die Ticket buchen zu können, also mussten wir uns einzeln darum kümmern. Während ich den Flug plötzlich gebucht hatte (südamerikanische Website ohne Kaufbestätigung, wie wir sie in Deutschland haben), klappte bei Caro überhaupt nichts. Eine halbe Stunde, nachdem ich mein Ticket hatte, war klar, dass sie schon nicht mehr mit mir fliegen konnte, da mein Flug voll war. Die super lieben Hostelmitarbeiter versuchten uns zu helfen, aber die Probleme waren technisch und lagen nicht an unserem Spanisch. Letztendlich schaffte es Papa von Deutschland aus endlich, ein Tickt für Caro zu kaufen, die gleiche Verbindung wie ich, nur einen Tag später. Dafür flog sie jetzt mit dem deutschen Mädchen, die ihren Flug schon am Vortag gebucht hatte, während ich den Rückweg ganz alleine antreten würde.
Aber erstmal hieß es: Transport zum Flughafen organisieren und die gebuchten Touren stornieren. Und frühstücken – das hatten wir in der ganzen Aufregung nämlich komplett vergessen und es war schon fast Mittag. Mehr als eine halbe Banane schafften wir aber auch gar nicht. Am Busterminal hatte das einzige Busunternehmen, das zum Flughafen in Calama fuhr, natürlich sonntags nicht geöffnet, sodass wir kurz gar nicht wussten, wie ich ein paar Stunden später loskommen würde. Wieder konnten uns die Hostelmitarbeiter helfen und buchten mir ein Shuttle, dass nur unwesentlich teuer war und mich sogar direkt am Hostel abholen würde. Ziemlich erleichtert machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Die Tour, die noch am selben Nachmittag stattfand, konnte ich leider nicht mehr stornieren, aber von dem Trip nach Bolivien, der am nächsten Tag starten sollte, bekamen wir noch die Hälfte unseres Geldes zurück (etwa 50€ immerhin). Und was haben wir beide gemacht, mitten in der Innenstadt mit einem Batzen Bargeld in der Hand? Richtig, wir sind eskaliert und haben Unmengen an Souveniers gekauft. Das hatten wir bisher eher vermieden, um nicht noch mehr Gewicht mitzuschleppen, aber jetzt gab es keine Zurückhaltung mehr! 😂😅 Ein oder zwei Stunden später waren wir mit unsere Ausbeute zufrieden und machten uns auf den Weg zurück zum Hostel. Unterwegs trafen wir Elisa und aßen ein letztes Mal alle zusammen super leckere Sandwiches an einem Straßenstand. Ein letztes Mal konnten wir auch unbedacht unser Essen teilen und gegenseitig unsere Smoothies probieren. Dann wurde es zeit, dass wir zurück zum Hostel gingen. Caro und Elisa machten sich fertig für den letzten Ausflug, während ich mit dem packen anfing.
Der Abschied von Caro war nicht leicht und ziemlich surreal, schließlich hatten wir fast vier Monate jede Minute miteinander verbracht.
Packen hab ich nie gemocht, aber als ich ein letztes Mal alles in meinen Rucksack zu quetschen versuchte, war ich schon ganz schön sentimental. Noch schlimmer wurde es, als ich um sechs Uhr abends in den Shuttlebus stieg und mich von San Pedro de Atacama verabschieden musste. Der Ort ist so einzigartig anders, so magisch, das war wirklich nicht ganz einfach. Die zwei Stunden Fahrt zum Flughafen sah ich nur aus dem Fenster und machte letzte Bilder von der Atacamawüste und dem fantastischen Sonnenuntergang darüber.
Vom Flughafen in Santiago habe ich übrigens einen eigenen Blogbeitrag über die Abreise geschrieben, da könnt ihr noch mehr Einzelheiten nachlesen!




















So tolle Bilder danke, noch aus einer anderen Welt!
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