If it scares you it might be a good thing to try.
Seth Godin
Auch wenn ich zuerst die Europatour gemacht habe, war Südamerika schon deutlich länger geplant.
Eigentlich wollte ich ja nach Neuseeland. Südamerika war mir zu unsicher. Über ein paar gedankliche Umwege bin ich nun aber doch hier gelandet. In Rio de Janeiro. Mit einer neuen Reisebegleitung: meiner langjährigen Freundin Caro.
Gebucht haben wir unseren Flug schon Anfang Februar. Damals schien diese Reise noch ewig weit weg zu sein. Erstmal stand für mich die Planung des Sommers vor der Tür (neben Abi schreiben natürlich 😉). (Zur Orientierung: zu der Zeit kannte ich workaway noch nicht, Denise und ich waren nur lose Schulfreunde und ich wollte im Sommer nach Island. Selbst mein Abi war noch weit weg, denn es standen noch die Klausuren aus dem letzten Schulhalbjahr an.)
Entsprechend krass war es jetzt, plötzlich unterwegs zu sein. Aber der Reihe nach.
Zwischen der Europareise und dem Aufbruch nach Südamerika war ich knapp fünf Wochen zu Hause. Was ich in der Zeit so gemacht habe, erfahrt ihr hoffentlich bald hier.
Am Montag, dem 25. November, ging es dann endlich los. Um kurz nach drei Uhr nachmittags nahmen wir den Zug nach Hamburg. Selbstverständlich war ich vorher reichlich gestresst. Immerhin bin ich zum ersten Mal auf einem anderen Kontinent und werde hier voraussichtlich bis zu einem halben Jahr bleiben.
Der ganze Stress verschwand zum Glück, als wir dann endlich unterwegs waren. Abends kamen wir bei meiner Patentante in Hamburg an, bei der wir lieberweise übernachten durften. Nicht nur das, sie sponsorte uns auch ein Taxi zum Flughafen am nächsten Tag. Das brauchten wir auch, denn um drei Uhr morgens fahren leider keine S-Bahnen. Richtig gelesen, drei Uhr morgens. Haben wir uns nicht ausgesucht, unser erster Flug wurde einfach von zwölf Uhr mittags auf sechs Uhr morgens vorverlegt. 😑 Und da wir beide noch nie alleine geflogen sind, wollten wir gerne zwei Stunden vorher am Flughafen sein.
Dort angekommen lief dann zum Glück alles ganz gut. Beim Warten zum Boarding wurde ich dann nervös. Es ging wirklich los!!
Trotz des Schlafmangels konnte ich auch kaum während des Fluges schlafen. Während Caro friedlich vor sich hin schlummerte, habe ich an dem Andalusien-Beitrag gearbeitet.
In Lissabon, unserer Zwischenstation angekommen, erwartete uns Sturm und Regen. Das kam uns gar nicht gelegen, denn in unseren nun knapp sechzehn Stunden Aufenthaltszeit hatten wir eigentlich die Stadt erkunden wollen. Aber so viel Zeit im Flughafen verbringen? Nein, Danke. Also sind wir trotzdem los.
Unsere erste Station war eine alte Markthalle, der Mercado da Ribeira. Dort gibt es neben Obst- und Gemüseständen auch einen Bereich mit internationalem Essen (leider sehr teuer) und Sitzgelegenheiten. Dort machten wir Pause, bis wir in unseren nassen Sachen zu sehr froren um weiter still sitzen zu können.
Leider war der Regen inzwischen noch schlimmer geworden und es folgte der ekligste Teil des Tages. Auf unserem Weg wurden unsere Hosen komplett durchweicht vom Regen, bis das Wasser an uns herunterlief.
Als dann noch der Fußweg überflutet war, mussten wir uns entscheiden: lieber durch knöcheltiefes Wasser warten, mit der Gefahr, dass das Wasser von oben in die Schuhe läuft (dem einzigen warmen und trockenem Teil unseres Körpers) oder näher an der Straße laufen, dafür aber ab und an volle Breitseite Schlammwasser durch vorbeifahrende Autos bekommen.

Anschließend war klar, dass wir beide zurück zum Flughafen wollten. Unser Ausflug war ins Wasser gefallen (haha).
Im Flughafen nutzen wir die viiieeeelen verbleibenden Stunden zum trocknen, dösen, lesen oder Netflix schauen.
Und irgendwann war es dann soweit: unser Flug nach Rio de Janeiro sollte starten!! Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, wäre ich sicher noch sehr viel aufgeregter gewesen. (Wir waren schließlich seit drei Uhr morgens wach…)
Ich war schon kurz im Flugzeug eingeschlafen, da kam dann noch Essen. Stimmt ja, da hatten wir mal was gebucht. Da wir verzögert gestartet waren und es ja auch eine Weile dauert, bis alle wieder aufstehen dürfen, wurde uns das Essen erst halb zwei (Ortszeit) gebracht. Sprich, wir haben etwa vierundzwanzig Stunden, nachdem wir aufgestanden waren, zu Abend gegessen.
Mein Körper war zu dem Punkt schon so durcheinander, dass eigentlich auch schon wieder alles egal war. Und das Essen war eigentlich ganz gut. 😇

(Eigentlich ist es allerdings erst 6:34, dazu später mehr.)
In Rio angekommen empfing uns zum Glück deutlich besseres Wetter als in Lissabon. Etwa 25° C und strahlender Sonnenschein. ☀
Um den aufdringlichen Taxifahrern zu entgehen, entscheiden wir uns dafür, ein Uber zu bestellen. Hatten wir beide noch nie benutzt, aber über die App ging es ganz schnell und einfach.
Während der knapp anderthalbstündigen Fahrt zu unserem Hostel haben wir gleich so viel von Rio sehen können! Mein Handy war leider schon sicher im großen Rucksack verstaut und deshalb im Kofferraum, daher gibt es keine Fotos. Aber ich versuche alles so bildhaft wie möglich zu beschreiben!
Als erstes vielen mir die vielen Berge rund um die Stadt auf. Vorher hatte ich keine Ahnung, wie beeindruckend die Landschaft hier ist!! Klar, ich kenne die Bilder vom Corcovado (mit Christusstatue) und vom Zuckerhut, aber das ist bei weitem nicht alles. Die Stadt liegt wirklichen malerisch zwischen Meer und Bergen, wunderschön! 😍
Dann der Verkehr. Die liebe Denise, die ja schon in Italien so gelitten hatte (berechtigter Weise!!), hätte hier wohl einen Herzinfarkt nach dem anderen bekommen. Ein Großteil unserer Strecke verlief über eine mehrspurige Straße, auf die Autos sich nur so drängelten. Durchschnittlich zwischen vier und sieben Spuren, schätze ich. Aber eigentlich ist die Anzahl der Spuren auch völlig egal, denn irgendwie hält sich hier niemand daran. Die Fahrer schlängeln sich immer wieder in aufkommende Lücken im Verkehr und wechseln daher dauernd die Spur. Allerdings nicht mir Blinker und Schulterblick, sondern es wird einfach zur Hälfte auf die andere Fahrbahn gefahren und darauf gesetzt, dass die Person im Auto auf dieser Spur abbremst. Oder man teilt sich halt die Spur. Bzw. fahren dann eher drei Autos auf zwei Spuren. Deshalb sind irgendwie immer zu viele Autos nebeneinander auf der Straße. Um das Chaos perfekt zu machen, fahren zwischen den ganzen Autos (und Bussen, die darf man nicht vergessen! Die haben übrigens den gleichen Fahrstil wie alle anderen, nur in größer,) noch jede Menge Motorräder hindurch. Um nicht über den Haufen gefahren zu werden, hupen diese quasi ununterbrochen. Es war also ganz genauso, wie man sich ein außereuropäisches Verkehrschaos vorstellt. (Unser Fahrer ist aber ziemlich umsichtig gefahren und wir haben uns sicher gefühlt.)
Nächster Wow-Moment: die Favelas. Die Straße verlief eine Zeit lang wie eine Brücke oberhalb eines dieser Viertel, in denen extreme Armut herrscht und die man als Tourist unter keinen Umständen betreten sollte. Während der Fahrt konnten wir trotzdem einen Eindruck bekommen. Wow ist in diesem Fall negativ gemeint. Die Häuser bestandenen größtenteils aus einfachen, unverputzen Lehmziegeln. Es sah aus, als wären verschiedene kleine, unterschiedlich große Häuser wie Bauklötze aufeinander gestapelt worden, sodass die Gebäude krumm und schief nebeneinander standen. Kein Foto im Internet bringt diesen Eindruck wirklich gut rüber. Krass, wie manche Menschen leben.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Copacabana. In diesem sehr bekannten Viertel liegt auch unser Hostel. Der malerische Strand zieht viele Touristen an, sodass hier viele große Hotels stehen und alles einen wesentlichen gepflegteren Eindruck macht. (Im nächsten Beitrag werde ich mehr auf das Viertel eingehen.)
Unser Hostel ist klein und süß. Einchecken konnten wir noch nicht sofort, dafür war es noch zu früh am Tag. Aber unser Gepäck konnten wir abgeben. Und dann ging es schon los, Rio erkunden. 😇
Und um eine letzte Sache zu klären: die Zeitumstellung hierher beträgt laut Internet vier Stunden. Mein Handy zeigt das auch so an. Caros Handy dagegen springt immer wieder zwischen drei und vier Stunden hin und her und auch im Flugzeug wurde eine andere Zeit angezeigt (drei Stunden Verschiebung) als durchgesagt (vier Stunden). Wer eine Erklärung für diese Unstimmigkeiten hat: immer her damit. Wir sind sehr neugierig. 😂😉
Leider sehr wenige Bilder diesmal… Vielleicht folgen noch ein paar, ansonsten gibt es mehr im nächsten Beitrag! 😘
